SORGFALT

Von SUSANNE HÄRPFER

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“ Sie legte immer völlig unerwartete Ergebnisse vor. (…) Wie sie das anstellte, hatte er nie verstanden, und bisweilen schien ihre Fähigkeit, Informationen an´s Licht zu holen, die reine Magie zu sein.“

Seite 45, Verblendung, Stieg Larsson, Heyne, 2007]

Die Rede ist von der Romanfigur Lisbeth Salander, Protagonistin des Films

„The girl with dragon tattoo“, der gerade für den Oscar

ausgezeichnet worden ist.

Die Rede ist auch von einer real existierenden Journalistin. Denn die Trilogie „Verblendung – Verdammnis – Vergebung“ ist ein Schlüsselroman einer Staatsaffäre, die Deutschland erschüttern könnte.

Wenn die Wahrheit so siegen würde wie in den drei Romanen Verblendung, Verdammnis, Vergebung.

Susanne Haerpfer is free lance journalist for television, newspapers, magazine (text & foto) online media and research. The rights for further publication can be bought from me, based on mutual signed agreement Susanne.Haerpfer@bits.de

Im Roman wie im Film gilt:

Die Magie, von der Stieg Larsson schrieb, besteht vor allem in einem:

Sorgfalt

Sorgfalt erfordert:

Arbeit

Sehr viel Arbeit.

Sehr viel Arbeit ist zeitaufwändig. Zeit kostet. Wer bezahlt? Diejenigen, die zahlen können, wollen es oft nicht. Und genau das ist ein Problem. Verblendung umfasst 687 Seiten.

Auf 751 Seiten ist Verdammnis zu lesen.

Vergebung benötigt 848 Seiten.

a closer look for a wider picture by Susanne Haerpfer

a closer look for a wider picture by Susanne Haerpfer

 

Die Zeit, diese Zeilen zu lesen, haben sich die Rezensenten bislang nicht genommen. Die Oscar-Verleihung sollte Grund sein, diese Sorgfalt nachzuholen.

Die Romantrilogie handelt davon, wie ein Mädchen verfolgt wird, weil sie Opfer wurde. Von Verbrechen im Namen des Staates. Und sie dies bezeugen kann. Sie weiß von Staatsterror.

Heldin wider Willen. Die Einzige Zeugin gewissermaßen.

Anknüpfen an Große Kino-Tradition.

[Seite 483 Vergebung, Stieg Larsson]:

„Lisbeth Salander ist zur Regierungsangelegenheit geworden“, sagte der Ministerpräsident und lächelte jetzt tatsächlich. „Ich persönlich war auch sehr aufgewühlt, als ich hörte, was ihr zugestoßen ist“:

diverse Mitarbeiter hatten „tatenlos zugesehen, wie eine Reihe schwerer Verbrechen an einer schwedischen Frau begangen worden waren. Sie hatten sie danach unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Irrenhaus sperren lassen.“ (…)

Das war ein Verbrechen. Das war ein derart schweres Verbrechen“

Das ist es, worum es geht. Um ein Verbrechen des Staates, begangen an einer Unschuldigen, zusammen mit all jenen, die aus Neid und Missgunst zu Mitschuldigen werden.

The key was found in a public library in 1988 by Susanne Haerpfer.

The key was found in a public library in 1988 by Susanne Haerpfer.

Seite 606

„Es gibt keine Unschuldigen. Es gibt nur verschiedene Abstufungen von Verantwortung.“

Im Roman ist sie die Tochter eines Killers, der für den (schwedischen) Staat arbeitet. Dies wollen die Täter vertuschen.

Im wirklichen Leben ist das Motiv stärker, weshalb das Opfer mundtot gemacht wird. Schreibtischtäter sperren sie in die Psychiatrie. Verüben Gewalt. Sie überlebt. Arbeitet für ein security Unternehmen. Lernt den Journalisten Mikael Blomquist kennen. Doch dies ist noch nicht das happy end. Gerade als sie dachte, es sei endlich vorbei, da begann der Schrecken erst. Genau das geschah auch in der Wirklichkeit.

„Niemand hatte sie informiert. Da begann ihr zu dämmern, daß gar nichts in Ordnung kommen würde.“

Seite 467 Vergebung, Stieg Larsson:

Die Täter, und diejenigen (in Behörden), die die Schuldigen decken, wollen Lisbeth Salander vernichten. Für immer hinter Gitter bringen – und zwar nicht ins Gefängnis, sondern ins Irrenhaus. Lebenslang. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Sie spannen Polizisten dafür ein, Falschinformationen an Journalisten zu geben, die nicht recherchieren, sondern Lügen verbreiten. Sie stellen das verletzte, zerbrechliche Opfer dar als sei sie eine lesbische, satanistische Irre Mörderin. Es gibt nur einen einzigen Journalisten im ganzen Land, der nicht der Meute folgt. Im Roman trägt er den Namen Mikael Blomquist. Im wirklichen Leben …

„Versuchen Sie es mal mit dem Gedanken, dass sie unschuldig sein könnte. Daß das Bild, das die Schlagzeilen von ihr gezeichnet haben, Unfug sein könnte, und dass hier noch ganz andere Kräfte am Wirken sind, als man bisher angenommen hat.“

S. 298 Vergebung, Stieg Larsson

(..)

„Bei den absurden Geschichten, die bis jetzt über sie in Umlauf gebracht wurden, schienen der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt zu sein. In diesem Heft erzählt Millennium die Geschichte, wie Beamte sich gegen Lisbeth Salander verschworen, um einen pathologischen Mörder zu schützen.“

S. 76 Vergebung, Stieg Larsson

Das Buch handelt eigentlich von Notwehr. Doch das wird verschwiegen – in den Fernsehfassungen und Besprechungen. Die physische Gewalt, die im Roman beschrieben wurde, zeigt man hingegen gerne. Verstärkt die Gewalt sogar. Dabei sollten die Schilderungen eigentlich nur ein Sinnbild sein, eine Parabel, für die Ohnmacht, und nicht die Verherrlichung all dessen, was Lisbeth Salander ablehnt, und wogegen sie sogar unter Einsatz ihres Lebens kämpft.

Indem sie diese Tatsachen in´s Gegenteil verkehren, fügen ganz reale Journalisten ausgerechnet der Person Unrecht zu, die sie vorgeben, zu vergöttern: Lisbeth Salander. Sie wiederholen in der Jetztzeit das Unrecht, dass im Roman der Protagonistin angetan wird. Ein Phänomen. Vielsagend.

[Seite 471 Verdammnis, Stieg Larsson]:

„Obwohl man anscheinend unbegrenzten Zugang zu den geheimsten und intimsten Details ihres Lebens hatte, war den Medien all das Böse, daß ihr  (…) widerfahren war, völlig entgangen.“

> (…)

Sie war so schwer verletzt. (…) Sie war so müde. (…) Was die andere über sie behaupteten, verwandelte „ihr Herz in einen Eisklumpen.“

Doch die Täter lassen ihr keine Zeit. Keine Erholung. Kein Aufbau. Sie trachten ihr nach dem Leben.

Sie muß überleben.

Und sie überlebt; wie immer – sie ist der tüchtigste Mensch, den ich je kennengelernt habe“,

sagt ein Ausnahme-Anwalt, ein Anwalt mit Anstand, ein Anwalt voller Ehre und Naivität.

Die eigentliche Lisbeth Salander verkörpert daher Meryl Streep, die gerade den Oscar gewonnen hat. Wie sie Margaret Thatcher darstellt, so ist die wirkliche Lisbeth. Professionell. Präzise. Puristisch. Und anrührend, verletzlich und sehr mitfühlend menschlich zugleich.

Das Kleid, das die wirkliche Lisbeth ausgesucht hätte, trug bei der Oscar-Verleihung Penelope Cruz: Armani. Eleganz. Ein weiblicher James Bond. Intellektuelle Emma Peel. Kampf-Klamotten nur, wenn die Situation es erfordert. Und garantiert weder tattoos noch piercings oder gar punk-look.

Wer auch immer die (Fernseh-) Filme drehte, hat die echte Salander entweder nie kennengelernt, oder sich nicht gegen Marketing-Klischees durchgesetzt.

Gönnte ihr noch nicht einmal ein Symbolbild wie Jean Reno als Auftragskiller mit mehr Herz als die Mehrheit der Journalisten in Stieg Larsson. Er trägt eine Pflanze mit sich umher. Besprüht sie zärtlich mit Tautropfen. Hält sie im Arm.

„Plötzlich öffnete sich eine Falltür unter Lisbeth Salander.

> (…)

und mit einem Schlag fielen alle Puzzleteilchen an ihren Platz. Ihr war, als würde der Boden unter ihren Füßen beben.“

„Der Staatsanwalt spielt mit gezinkten Karten. Ich befinde mich im Nachteil, egal was ich tue, und das Ziel dieses Prozesses ist es, mich wieder in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen.´ `Ich weiß.´ `Wenn ich überleben will, muß ich eben auch mit unlauteren Mitteln kämpfen.“ [Seite 495 Vergebung, Stieg Larsson]:

Umsicht & Notwehr; Vergangenheit für die Zukunft; photo by Susanne Haerpfer

photo by Susanne Haerpfer