„Array heißt sowohl Feld als auch Schlachtfeld“

Von Susanne Härpfer

Das “Nuclear Spectroscopic Telescope Array” ist gestern von der „Reagan Test Site“ auf dem Pazifik-Atoll Kwajalein in´s All geschickt worden. NuSTAR wird es von der NASA genannt. Das steht sowohl für seine Aufgaben als auch für seine Eigenschaften. Das Gerät ist – wie der Name sagt – nukleargetrieben.

Die Leiterin des NASA-Programms, Prof. Fiona Harrison teilte der Washington Post mit, das „Nuklear Spektroskop Array“ arbeite mit Röntgenstrahlen (X-rays) von „besonders hoher Energie“ und sei „extrem durchdringend.“

Dies diene dazu, Schwarze Löcher im Weltall zu entdecken, wurde bislang hauptsächlich berichtet. Technisch sei das Gerät in der Lage, überall hindurch zu dringen; so die NASA. Technisch kann es auch Verstöße gegen das Kernwaffenverbot aufspüren, die bislang unentdeckt geblieben sind. Diese Aufgabe erfüllte der Satellit Alexis (Array of Low Energy X-ray Imaging Sensor), der in Los Alamos gebaut wurde.

microwave photographed by Susanne Haerpfer

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Auf der Erde werden Einheiten, die verborgene Nuklearquellen aufspüren und bergen, NEST-teams genannt. Das NSTA (Nuclear Spectroscopic Telescope Array) ist allerdings selbst eine Strahlenquelle, eine „extrem hochenergetische“, so die NASA. Röntgenstrahlung wirkt ionisierend und ist krebserregend.

Die Europäische Weltraumbehörde ESA informiert, mehr als 6000 Satelliten seien in den vergangenen 50 Jahren in den Orbit geschossen worden. Nur 800 hätten überlebt. Der Rest sei Schrott und mache den Weltraum unsicher. Abstürze können die Erde gefährden. Denn die Beschleunigung macht selbst aus kleinen Teilen gefährliche Geschosse. Deshalb gibt es das US Space Surveillance Network. Das führt penibel Buch über selbst den kleinsten Splitter. Alles, was größer ist als fünf Zentimeter, wird erfasst und beobachtet. 600.000 solcher Geschosse gäbe es inzwischen, schreibt die Europäische Behörde ESA. Sie stammen von Satelliten und anderer Weltraumtechnik, die explodiert ist oder im Lauf der Zeit einfach durch Altersschwäche zerbröselte. Dies macht sie aber nicht weniger gefährlich, vor allem dann nicht, wenn es sich um strahlende Teile handelt. Denn im Weltraum kann die Strahlung sich vervielfachen.

Mit dem „Nuclear Spectroscopic Telescope Array“ (NuStar) befindet sich jetzt ein extrem starker Strahler mehr im Weltraum. Die Apparatur habe „die Größe eines Kühlschranks“, heißt es bei der NASA. Führt es aber zugleich auch in den Nuklearen Winter? In einen neuen Kalten Krieg? Immerhin könne NuStar extrem hohe Energie bündeln und eng focussieren. Dies sind aber zugleich die technischen Eigenschaften einer Waffe.

Der Name „Array“ heißt sowohl Feld als auch Schlachtfeld. Die technischen Daten NuStars führen zur Frage, ob sein Einsatz überhaupt vereinbar ist mit dem Verbot von Kernwaffenversuchen.

Die NASA hat bislang auf die entsprechende Frage nicht geantwortet. Der ursprüngliche Vertrag von 1963 verbietet „Atomwaffentests bzw. jegliche Atomexplosion in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser.“ Unterirdische Test waren zu dem Zeitpunkt nicht verboten, aber Explosionen, die zu „radioaktivem Schrott außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika“ führten.

Spitzfindige Völkerrechtler können aus dem Verbot das Gegenteil machen. Demnach würde der Vertrag alles erlauben, was keine Explosion im engeren Sinn ist. Auch das eigene Land zu verseuchen, wäre demnach nicht verboten. Doch der Geist, der einmal zum sogenannten CTBT (Comprehensive test ban treaty – Kernwaffensperrvertrag) führte, wäre dennoch verletzt.

Immerhin bündelt es die eigene extrem starke Röntgenstrahlung. Gebündelte Energie kann allerdings auch zum sogenannten „Brennglas–Effekt“ führen. Dabei entfacht Licht unter einer Lupe ein Feuer. Auf der internet-Seite der Deutschen Luft- und Raumfahrtbehörde DLR heißt es humorvoll: „Mit dem Brennglas-Experiment könnt ihr selber einmal testen, wie viel Kraft hinter der Sonne steckt und ob etwa Holz genauso empfindlich reagiert wie normales Papier. Einfach die Anleitung downloaden und das Experiment starten.“

Das Nuklear Spektroskop Array habe aber mehr hochenergetische, also stark strahlende radioaktive Röntgenstrahlung als jeder Flugkörper zuvor, teilt die NASA mit. So soll es andere aufspüren, die genauso oder noch stärker strahlen, radioaktiv sind, heiß, verdichtet und energiereich. Und es soll dem Urknall auf die Schliche kommen. Und Antwort auf die Frage geben, wie Leben entsteht. Wenn nicht NuStar oder die Erde vorher vernichtet werden. So läßt sich nämlich der englische Wortlaut der Mission auch übersetzen. Re-start. Alles auf Anfang. Zurück in die Meteoriten-Steinzeit. Der Tag nach … Doomsday.

Susanne Haerpfer is free lance journalist for television, newspapers, magazine (text & foto) online media and research. The rights for further publication can be bought from me, based on mutual signed agreement Susanne.Haerpfer@bits.de