DER SPIEGEL berichtet in seiner jetzigen Ausgabe von tausenden Dokumenten, die einen völlig neuen Blick auf das Olympia-Attentat 1972 ermöglichen. Um die missing links zu entdecken, muß man sich tief in´s Thema einlesen. Sonst kann man überhaupt nicht ermessen, worin das Besondere bestehen könnte. Im Artikel werden Warnungen zitiert, es werde zu einem Terroranschlag kommen.

2009 habe ich

Unterlagen einer Rechtsanwaltskanzlei ausgewertet.

Diese habe ich als Journalistin erhalten.
Und als freie Journalistin aus eigenem Antrieb, also so, wie es idealtypisch sein sollte, auf Neuigkeitswert gelesen. Ich habe keine Bezahlung erhalten, keinen Auftrag. Sondern als Journalistin hatte ich in einer Kurzmeldung gelesen, daß es diese Kanzlei gibt und habe gefragt, ob ich die Unterlagen erhalten könne.

Daraus ergaben sich folgende Fragen. Eine Antwort erhielt ich nicht.

Auch keinen Ankauf meiner Arbeit, einen Auftrag oder eine Veröffentlichung.

Bevor es jetzt, nach der Spiegel-Veröffentlichung, möglicherweise zu weiteren Publikationen kommen könnte,

präsentiere ich hiermit meine Arbeit selbst:

In den Anwalts-Unterlagen heißt es: es habe über 140 Minuten einen „Feuerzauber/Feuerwerk“ gegeben.

Im selben Report steht auf Seite 235, „alle Kräfte hatten Schussverbot“; außerdem fielen Schützen aus, und „Terroristen stellten sich tot“.

Wer schoß dann über 140 Minuten?

Und wie kann es sein, daß dennoch nahezu alle überlebten?

Auf Seite 238 schreiben die Anwälte, die „Kenntnis der Gesamtumstände ist

erforderlich“. Wie waren denn diese Gesamtumstände?

Auf Seite 239 ist Sensationelles zu lesen:

 „die ganze Welt ist auf die Dokumentation hereingefallen“.

„Es sollte ein Zwischenfall inszeniert werden“.

Auf Seite 252 heißt es im Schriftsatz der Kanzlei, die Dokumentation,

die in zwei Wochen erstellt worden sei, diente nur dem Zweck, die

Weltöffentlichkeit zu täuschen.

Was heißt das? Wer hat auf wessen Geheiß welche Dokumentation verfasst? Wie ist die Beleglage für welche andere Darstellung und durch wen?

Laut Seite 176 habe es auf dem Flugplatzgelände samt Bundeswehrkaserne alle militärischen Anlagen und Einrichtungen gegeben – um welche handelte es sich?  Wie sind der darin erwähnte Oberst und Oberstleutnant zu erreichen?

Auf Seite 188 schrieb die Kanzlei, es fuhren Panzerwagen. Handelte es sich um

Panzer oder um gepanzerte Fahrzeuge oder einen anderen, welchen? Typus?

Weshalb waren die Terroristen damit einverstanden, ausgerechnet an einen

Ort voller Bundeswehr gebracht zu werden?

Kamen Kräfte der Bundeswehr zum Einsatz? Falls ja, welche, wo, wann, in

welchem Umfang, für welchen Zweck, mit welchen Einsatzmitteln, auf welcher

Rechtsgrundlage?

Wurde die Bundeswehr im Innern eingesetzt, noch bevor es die

Notsstandsgesetzgebung gab? Oder gab es bereits einen Referentenentwurf

für den außerordentlichen Staatsnotstand, der dann in der Folgezeit zu

Stammheim (nur) offiziell eingebracht wurde?

Handelte es sich bei dem Flughafen um exterritoriales Gebiet?

In welcher Form waren Kräfte des US-Stützpunkts von Garmisch-Partenkirchen

involviert?

Waren Kräfte anderer Nationen vor Ort? Falls ja, welche und wie? Auf

welcher Rechtsgrundlage? Wie griffen diese ein? Kam es zum Schußwechsel

mit Kräften anderer Nationen? Falls ja, durch wen, in welchem Umfang? Mit

welcher Ausrüstung und welcher Munition? Waren bereits Kräfte des SAS im

Einsatz? Im Kontext von Mogadischu verwendeten ja Kräfte, die dem

britischen SAS zugerechnet wurden, einen neuen Typus von sogenannten

Blendgranaten – kamen diese bereits im Olympia-Kontext zum Einsatz und

falls ja, wie? Immerhin schrieben Anwälte, die verhafteten Terroristen

hätten keine Flughafengebäude sehen können und auch u.a. aus diesem Grund

nicht mehr geschossen.

Handelte es sich bei dem Olympia-Gelände um exterritoriales Gebiet?

Wurde die verschossene Munition nach 140 Minuten „Feuerzauber“

sichergestellt, falls ja, wo durch wen und sind diese als Asservate wo

erhältlich? Wurden „nur“ Vollmantelgeschosse eingesetzt oder gab es auch –

falls ja – welche? Andere Munitionsarten?

Wie erklärt sich der Widerspruch zwischen den Aussagen Siebers, es

habe keine sniper gegeben, sondern nur klassische bewaffnete Einheiten –

und den Ausführungen zu Präzisionsschützen? Handelt es sich dabei um

eine unterschiedliche behördliche Definition?

Waren die Präzisionsschützen eingebunden in Vorläufer dessen, was später

unter dem Namen GSG 9 bekannt wurde?

Auf Seite 158 schrieben Sie, es erfolgte eine Ausbildung im

Präzisionsschießen. Durch wen und wo erfolgte dies?

Welche Spezialkräfte unter welchem Einsatz gab es zu dem Zeitpunkt?

Wo war Herr Schmidt während des Einsatzes?

Es gab/gibt Irritationen über die Identität von Herrn Schreiber – gab es

eine Doppel-Identität – also einen Herrn Schreiber in polizeilicher

Verwendung und Herrn Sieber (Titel Psychologe)?

Wann und warum wurden die angesprochenen Szenarien entwickelt?

Auf Seite 155 gibt die Kanzlei, „alle Polizeieinheiten und deren Angehörige“

seien befragt worden und aufgefordert worden, „einschlägige

Feststellungen“ zu den Tätern zu treffen – wie sollen Angehörige dieses

tun können? Wonach wurden diese wann zu welchem Zweck mit welchem Ergebnis

befragt?  Wie sollten die Angehörigen von Polizisten wissen, wieviele Täter

involviert waren?

Oder ging es nicht um die palästinensischen Täter, die sichtbar waren?

Ging es u.a. auch um eine Bedrohungslage z.B. von

rechtsextremistischen Kreisen? Hätten die Angehörigen der Polizeikräfte von einer

potentiellen Unterwanderung wissen können und wurden auch deshalb zeitnah aus diesem Grund befragt?

Von „Sturmtrupps“ ist im Papier die Rede. Dies hat – auch im oben genannten

Kontext – durchaus eine doppelte Bedeutung – welche Sturmtrupps welcher

Einheiten waren denn wo wann in welchem Kontext unter welcher Befehlslage

im Einsatz?

Auch vor dem Hintergrund der Papiere des Verfassungsschutzamtes die im Report erwähnt werden – ist auszuschließen, daß einer oder mehrere aus

der als Tätergruppe Identifizierten als sogenannter V-Mann aufgebaut

werden sollte? Die Schilderung des als Issa Identifizierten und des Roten Prinzes können dies nahelegen.

Wie erklärt sich der Widerspruch zwischen Seite 184 und Seite 206/209? Auf

Seite 184 und auch auf Seite 239 wurde gefordert auch auf Terroristen im

Innern des Hubschraubers zu schießen – eine Gefährdung der Geiseln sollte

in Kauf genommen werden – ein Zuwiderhandeln sei ein eindeutiger

Ermessensfehlgebrauch.

Einige Seiten weiter wird diametral entgegengesetzt geurteilt, es habe sich um einen „reinen Willkürakt“ gehandelt, die Terroristen zu einem bestimmten Zeitpunkt anzugreifen.

Oder handelt es sich hier um eine juristische semantische Spitzfindigkeit? Der  „bestimmte Zeitpunkt“ (falls ja, welchen?) des Angriffs, nicht

den Schießbefehl als solchen wird als Willkür beschrieben? Die Kräfte hätten sich auf

keinen Fall an die Weisung des Krisenstabes halten dürfen, die

Verhältnismäßigkeit sei nicht gewahrt gewesen, die Weisung sei sogar klar

erkennbar rechtswidrig gewesen und hätte deshalb nicht befolgt werden

dürfen.

Woraus ergibt sich, daß die Rechtswidrigkeit des

Krisenstabbeschlusses zeitnah klar erkennbar gewesen ist? Handelte es sich

quasi um ein vorweggenommenes Plädoyer des „Bürgers in Uniform“, oder ist

dies eine Argumentationslinie im Rahmen der Verteidigung eines (welches?)

Disziplinarverfahrens?

Falls ja, mit welchem Ergebnis und welchen weiteren

Folgen (z.B. bei weiteren vergleichbaren Verfahren/Fällen)? Handelt es

sich bei Ihrer Argumentationslinie für eine Art potentielle Generalklausel

zur Befehlsverweigerung? Falls ja, wie wurde dies im weiteren Verlauf von

Einsätzen (speziell Geisellagen) und Verfahren angewendet? Vor allem, wenn

auf Seite 213 argumentiert wirden, man habe sogar bindende Weisungen nicht

befolgen dürfen. Weshalb? Gab es – falls ja, welchen – übergeordneten

Notstand?

Auf Seite 207 wird über die Anweisung des Krisenstabs gesagt, es habe

sich um einen erkennbaren rechtswidrigen Willkürakt gehandelt. Welche

Konsequenzen hatte dies? Juristisch? Politisch? Immerhin war der Leiter Außenminister Genscher.

Welche Verhandlungen gab es? Mit welchem Ergebnis?

Auf Seite 149 schrieben Anwälte, „tagsüber und aufgrund des Besuchs von

Genscher“ wurden fünf Terroristen beobachtet? Was heißt das?

Wieviele waren es tatsächlich? Insgesamt?

In Fürstenfeldbruck? Auf dem Olympiagelände? Wurde, wenn ja durch wen,

nach dem Flug nach Fürstenfeldbruck, nachgeprüft, wer und wieviele auf dem

Olympiagelände verblieben?

Wie erklärt sich der Widerspruch, die Täterzahl sei nicht höher als fünf

geschätzt worden, obwohl auf Seite 154 von 21 die Rede ist? Wie kommen

sie auf Seite 156 zur Aussage, fünf seien „positiv bekannt“?  Andererseits

rätselte man bei der Polizei über die wirkliche Zahl der Terroristen.

Weshalb? Und wo lag welche Einsatzleitung?

In der sowohl fiktiven als auch nonfiktionalen Berichterstattung wird

stets der Eindruck vermittelt, feiernde Nachtschwärmer hätten

Palästinensern über den Zaun geholfen – in der Schrift ist hingegen von

Postbeamten die Rede. Kann ausgeschlossen werden, daß es sich bei den

sechs Personen, die morgens um vier Uhr als Postbeamte am Zaun des

Olympiageländes waren, um Einsatzkräfte der Polizei, der Bundeswehr, des

BMI, des AA, des Olympiakomitees, der Ordnungskräfte, der Feuerwehr, des

THW, des MAD, des BND, des Staatsschutzes, des Verfasssungsschutzes

und/oder anderer Behörden gehandelt hat? Falls ja, wie ist dieses durch

wen überprüft worden? Falls nein, warum nicht?

Sie schrieben auf Seite 161, ein Sturmangriff sei abgehakt worden – durch

wen, warum, und wie ist dieses definiert?

Wie erklärt sich die unterschiedliche Darstellung der Unterbringung? Herr

Sieber äußerte sich im Interview mit mir, die Sportler seien nach Nationalität

untergebracht worden.

Im Schriftsatz hingegen heißt es, auch Sportler aus Hongkong und Uruguay hätten sich in dem Gebäude befunden.

Unter Sicherheitsaspekten und vor dem gegebenem Hintergrund machte

letzteres ja eigentlich mehr Sinn – welche Darstellung entspricht den

Tatsachen und wie ist dieses dokumentiert?

Welche anderen Kräfte mit welcher Ausrüstung und welcher Befugnis waren

vor Ort und/oder im Einsatz? Feuerwehr, THW, Deutsches Rotes Kreuz,

private Sicherheitskräfte?

In der Akte ist vermerkt, quasi alle hätten über Funkgeräte verfügt außer

den Schützen. Wie ist dieses zu verstehen? Gibt es den Funkverkehr? Wurde

der Funkverkehr aufgezeichnet, falls ja, welcher genau, durch wen wann?

Wurden die unterschiedlichen Funkkanäle ausgewertet, falls ja, wann durch

wen? Gibt es dies noch z.B. in den Spurenakten und/oder als Asservate?

Wo und wer sind die damaligen Täter und wie kann man diese heute erreichen?

Auf Seite 214 und auf Seite 255 ist „vom Aufopferungsanspruch“ die Rede. Was genau bedeutet dies für wen?

 


WRITTEN BY SUSANNE HAERPFER

Already for being able to develop these questions, it takes money.

 The time to read and exist. Let alone the very first research by internet.

 To follow the trail to pursue the questions, to make phone calls, meet people for background talks – it would take even more money.

To produce a professional journalistic TV magazine, to either hire a camera crew

or to take the double time for doing it all by oneself, it would require more money. To do the research of content, to transform the content into visuals, to search for locations, organize interviews and filming, to hire a postproduction crew – all this take hardware and time, thus – money.

As I am working as a free lance journalist for television, newspapers, magazine (text & foto) online media and research I do depend on asignments.

If somebody asigned me; I could and would pursue the story:

Susanne.Haerpfer@bits.de