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yemenite object from Susanne Härpfer (Text & Photo)

NAAM

Something old and something new

Somehing borrowed and something blue

Heiratsantrag at Royal Court

Und zugleich sublime Symbolik – zu sehen im TV-Beitrag über den Yemen – genauer die Insel Sokotra:

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/dokumentationen/sokotra/272818?datum=2012-10-18

Caramell-farbener Stoff mit Mustern in Erdtönen kombiniert mit blau-weiß-gestreiftem Hemd in einer Mischung aus biz and casual tragen die Protagonisten des Features.

Dieses cross over von Moderne und Bewahren des Traditionellen zeigt, worum es geht: um Qualität weltweit.

Aber auch darum, wie unterschiedlich dies verstanden werden kann.

Der schmale Grat.

Die Balance, die es zu wahren gilt. Denn: wenn dieser look zum „must“ erklärt wird, zum Modediktat verkommt, dann wird aus „gut gemeint“ einmal wieder das Gegenteil.

Wenn plötzlich alle und alles durchgestylt werden soll.

Das wäre, als ob ganz Deutschland befohlen würde, dem Klischée von Schuhplattnern oder im Gegenteil RTL am Mittag zu entsprechen. Da würde sich Widerstand regen. Pluralität nennt man das. Artenvielfalt heißt´s im Tierreich. Und weil Dromedare wertvoll sind Hirtenhunde aber auch, regt sich Widerstand. Auch im Yemen. So muß alles einmal begonnen haben. Mit guten Absichten. Und culture clash. Unterschiedlichen Geschmäckern. Und Verständigungs-Fehlern. Aber auch: Macht. Unterschiedlich stark verteilt. Notwehr. Und friedliches Werben um Sympathie und Verständnis.

So muß es einmal gewesen sein.

Friedliche Dattelhaine.

Aber auch. Herrschsüchtige starrköpfige Alte, die halsstarrig alles ablehnen, was als gute Entwicklung ersonnen wurde. Junge, die ausbrechen. Und in den Westen ziehen. Doch auch dort gibt´s mehr Glitter als Gold. Die einen resignieren. Die anderen machen mit. Andere kehren um. Andere versuchen um Verständnis zu werben Doch es wird einfach alles platt gewalzt  Schiere Macht und Masse, und alles geht blitzschnell. Wie ein Überfall mit Blendgranaten. Eine Bevölkerung im Schockzustand. Es braucht Jahrzehnte, bis einige hüben und drüben bemerken, welch gravierende Fehler gemacht wurden. Und mühsam zusammensuchen, was an Gutem Traditionellen noch irgendwo zu finden ist.

Die beispielsweise wieder traditionell Datteln anbauen.

Oasen schaffen. Und siehe da – sie finden tatsächlich andere Unterstützer. Doch das ruft Neider auf den Plan. Und Gegner. Mächtige Gegner, die viel zu verlieren haben. Auch zynische Gegner. Und so erscheinen plötzlich wieder Invasoren. Die Gewalt fordern. Und sie ausüben. Brutal. Wie eine Flugzeugentführung am Boden. Mitten in einer friedlichen Situation. Die überfallen und die Bevölkerung terrorisieren. Und – das ist das Perfide – die zuvor als Unterstützer gekommen waren. Deshalb gab es keinen Argwohn. Die vermeintliche Gemeinsamkeit war die Musik. Das entfachte das Feuer, bis die Gäste das Feuer eröffneten und Musik verboten. Taliban werden sie im Westen genannt. Das heißt Schüler. Wer diese Sendung gesehen hat, sinnt länger nach über den Begriff.. Wer war einst ausgezogen in den Westen, um zu lernen? Und wer fand, daß das, was geschrieben stand als Garantie als Versprechen, nicht eingehalten wurde? Und wer hat dann friedlich versucht, das zu erhalten, was in der Verfassung als garantiert geschrieben steht. Und ist darüber verzweifelt. Und hat welche Schlüsse daraus gezogen? Wer hat einfach nicht verstanden? Wer wollte nicht verstehen? Wem wurde es unmöglich gemacht, zu verstehen?

Welche Automatismen wurden in Gang gesetzt? Mit welchen Folgen?

Wie war der Anfang in Afghanistan? Wie war der Anfang in Saudi Arabien? Wie begann es im Yemen? Wer war vor Jahrzehnten aus dem Westen gekommen, um zu lernen? Und wer wandte sich aus welchen Gründen gegen welche Lehrmeister? Wer zählte einfach zu den Erneuerern? Wer lernte und war nicht mehr einverstanden mit dem, was er lernte? Und wer kam von Anfang an in feindlicher Absicht und tarnte sich nur als Schüler? Inwieweit weist der Begriff zurück auf diejenigen die ihn prägten? Und wie geht es weiter?

Im Fernsehbeitrag wird traditioneller Fischfang gezeigt.

Und berichtet, daß es immer weniger Fisch gibt.

Einer der Bewohner sagt mit leiser stimme, er fange immer weniger Fisch. Er könne versuchen, den Einkommensverlust auszugleichen, durch mehr Tourismus. Und setzt diesem Satz das Wort naam hinzu. Das heißt wortwörtlich übersetzt ja auf arabisch. Doch die Phonetik sagt auch die weitere Bedeutung: nahm. Weggenommen. Ausgeraubt. Überfallen. Geplündert. Wer zu leichtfertig in etwas einwilligt, ohne vorher die Konsequenzen bedacht zu haben, laeuft Gefahr, übervorteilt zu werden oder sogar unterworfen, unterjocht. In unserer Gesellschaft mag es kurzfristig möglich sein, Geldverlust auszugleichen, indem etwas anderes getan wird. Doch: wenn es weniger Fisch gibt, wovon sollen die Menschen dann leben? Von Zuchtfisch? Die gegen Krankheiten mit Antibiotika behandelt werden. Der sich im Fisch, also im Menschen ansammelt. Mit Lebensmitteln die von weit her transportiert werden. Und teuer sind. Mit Lebensmitteln voller Lebensmittelchemie? Nein, letztendlich sollten der Interviewer und der Fischer gemeinsam sagen: la. Das heißt nein auf Arabisch. Allah reverso. Und zugleich: es ist doch alles da. Also: lieber das bewahren, was es gibt: Natur. Umwelt, Datteln, sauberes Wasser, Dromedare, Palmen, kühlende Architektur und Fisch. Denn das Greenpeace-Motto gilt auch im Yemen. Geld kann man nicht essen. Und wenn der letzte Fisch gefangen ist, stirbt die Erde. Fische sind elementar. Fische gehören zum Überleben des Planeten.

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from Susanne Haerpfer