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Tanks  declared as agricultural tools for Israel – this has been the topic for journalist Otfried Nassauer who turned the visual material into negative and then into pink.

photo by Susanne Haerpfer – article as well

Hamburger Hafen. Nachts.

So fangen Spielfilme an. Auf diese Weise begann „Stefan & Erkan“ – ermitteln im Fall Barschel.

Moment Mal. „Stefan & Erkan“, das sind doch diejenigen,  die immer Quatsch machen. Was haben die mit Barschel zu tun?

Mehr jedenfalls als der „Tatort“.

Wiebitte?

Ja – wer das Drehbuch zu „Stefan&Erkan“ schrieb oder ermöglichte,  daß dieser Film realisiert werden konnte,  hat profunde insider-Kenntnisse oder zumindest gründlich gelesen und verfügt über exzellente Beziehungen zu security-Kreisen.

Denn der Film  ist zugleich die deutsche Version von

„Enemy of the state – Staatsfeind Nummer 1“

???

Das wird ja immer abenteuerlicher.

Das kann man wohl sagen! Denn in dem Film wird am Beispiel von Erkan und Stefan gezeigt,  wie Überwachungstechnik funktioniert.  Zwei prollig wirkende Figuren – aber mit den richtigen Freunden,  Gewitztheit und Grundkenntnissen in Kampfkunst,  geraten in einen internationalen Politikskandal, müssen um ihr Leben kämpfen und „die weiße Frau retten“.

Filmzitate und zugleich Realität.  Das meiste ist so oder ähnlich tatsächlich passiert; Japanisch-Kurs der Protagonistin inklusive.

Und ein Hinweis auf ein potentielles update.  Hanns  Martin Schleyer soll genau solche Personenschützer gehabt haben aus dem Kölner Kleinkriminellenmilieau.  Das schreibt zumindest Kai Hermann im Gruner und Jahr-Buch „Mogadischu“.

Jetzt aber mal der Reihe nach.

Was war mit dem Hamburger Hafen?

Im ganz realen Leben recherchierte der damals Hamburger Journalist und Militärexperte Otfried Nassauer Rüstungsexporte.  Im Hamburger Hafen sollte falsch deklariertes Militärgerät für Israel lagern.  Man guckte nach,  ob das so stimmte. Wer das war und wie,  das wollen wir jetzt mal im sprichwörtlichen Dunklen lassen – auch wenn Juristen naturellement und sehr berechtigt die Karte ziehen würden:  Abwägung höherer Interessen.

Denn in der Tat,  in den Containern befand sich mitnichten land- und forstwirtschaftliches Gerät,  sondern Panzer und weitere (NVA-) Rüstungsgüter für Israel.  Die Wasserschutzpolizei Wapo wurde informiert.  Die machten ihren Job,  beschlagnahmten das Material und veröffentlichten es. Und erhielten großes Lob.

Die falsch deklarierte Ladung flog im Oktober 1991 auf –

Quasi als Jubiläums-special erinnerte am Samstag „Erkan + Stefan“ an dieses Beispiel investigativen Journalismus.  Untersuchungen „brachten an´s Licht,  daß die Geheimdienste BND und Mossad für die Koordination der Lieferung verantwortlich“ waren und bereits vorher zwölf ähnliche Transferaktionen stattgefunden hatten“,  kann man beim Autoren lesen:  http//www.bits.de

motto photo by susanne haerpfer

motto photo by susanne haerpfer

Damit sind wir beim Fall Barschel.  Der hat eine Vor- und eine Nachgeschichte.  Im wahren Leben gehört dazu unter anderem ein weiterer Skandal bundesdeutscher Nachkriegsgeschichte:  CERBERUS.  Das waren Stör- und Taeuschsender,  die allerdings vor allem eines taten:  interferieren mit der Elektronik des Tornado.  Die Flieger schmierten reihenweise ab,  zahlreiche Piloten kamen um ´s Leben.  Laut Untersuchungsausschuß soll die Geheimhaltung dazu geführt haben,  daß der Cerberus nur „stand alone“ getestet wurde,  also das Geraet selbst,  aber weder mit dem Tornado, noch in einer Umgebung voller elektromagnetischer Wellen.  Die Folge: emv,  also elektromagnetische Unvertraeglichkeit.  Cerberus und Tornado störten sich gegenseitig.

„Wie ein roter Faden

zieht sich die Kooperation zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA,  die geprägt ist von Freundschaft und Vertrauen“ , so ähnlich lautet die Rede,  die im Film „Erkan & Stefan“ gehalten wird.   Reine Ironie.   Denn zuvor hatte ein Spezialeinsatzkommando die Villa gestürmt, einen Raum nach dem anderen „gesichert“,  wie es im Fachjargon heißt.   In voller  Montur stehen sie vor der entsetzten Abendgesellschaft.  In Abendgarderobe rennen sie schreiend davon.   Die Rufe nach „law and order“ einmal in die Praxis umgesetzt und am eigenen Körper erlitten,  das hatte man sich „wohl irgendwie anders“ vorgestellt.

Auch deshalb ist der Film dokumentarischer als jedes Magazin, das auf „scripted reality“ basiert und doch nur Klischées umsetzt,  verstärkt und somit den Gezeigten schadet.

Hingegen Allerweltsburschen,  die plötzlich in´s Fadenkreuz internationaler Polizei- und Nachrichtendienste geraten – das ist nah dran am Zuschauer.  Plötzlich sitzt die NSA (National Security Agency) mit am Mittagstisch.  Vielleicht hätten die Abgeordneten,   die über Video-Überwachung abzustimmen hatten,   vorher „Erkan und Stefan“ gucken sollen, um zu erkennen,   wie unverhaeltnismaeßig die Überwachung meist ist.

Denn zur Erinnerung:

Was haben wir vor drei Absaetzen gelernt? Richtig,  die Waffen wurden  mit Wissen dieses Staates falsch deklariert und in ein fremdes Land verschifft, und das kostete deutschen Piloten das Leben,   und zwar im  wahren echten Leben.  Keine Kintopp – Toten.

Weder Gesetze noch Sicherheitstechnik haben dies verhindert.  Im Gegenteil.  Die Technik hat die Verbrechen erst ermöglicht.  Durch die Überwachungstechnik waren die hochgerüsteten Staatsdiener stets einen Schritt voraus und gewappnet.  Die betroffenen Bürger  Erkan und Stefan und Nina aus Eckernfoehrde waren hingegen die Opfer.

Die Protagonistin lernt Japanisch und nimmt daher eine Cassette mit.  Doch es ist eine Verwechslung.  Denn auf dem Band befindet sich ein Mitschnitt, der wichtig ist für den Fall Barschel.

Tonbänder spielen in der causa Barschel tatsächlich eine Rolle.  Der Schweizer Höker von Abhörelektronik – Jean Jacques Grießen – schnitt jedes Gespräch mit.  Das sollte seine Lebensversicherung sein.  Am Leben gehalten hat es ihn nicht.  Sein Tod ist bis heute ungeklärt.  Die Tonbaender könnten helfen,  die Todesfälle zu klaeren.  In der DDR zeichneten Abhörstationen auf,  was im Westen Politiker so erzählten.  Und wann immer sie in die DDR reisten, wurden auch davon Mitschnitte gemacht.  Von der Todesnacht Barschels sollen auch Videoaufnahmen existieren.  Bewiesen ist dies allerdings nicht.  Im Spielfilm soll die Cassette d i e Sensation sein,  doch das Band wird vertauscht.  Auf der Jagd nach dem Band beruht der ganze Spielfilm.  Denn auch amerikanische Agenten und Sondereinsatzkräfte jagen ihm  hinterher.  Doch sie haben nicht mit Erkan und Stefan gerechnet.  Zwei Kunstfiguren,  in denen sich der Zuschauer wieder finden kann.  Zugleich sind sie eine Persiflage auf so manchen deutschen Schlapphut.  Immerhin hat der BND jahrelang selbst damit kokettiert,  wie erfolgreich sein kann, wer unterschaetzt wird.  Und die beiden paddelig Wirkenden aus München und St. Pauli erinnern an den jungen Stefan Aust,  der durch St Pauli streifte,  allerlei zwielichtigen Gestalten begegnete und ein richtiger Journalist werden wollte.  Und plötzlich sind alle mittendrin.   Auch dies entspricht der Wahrheit.  „Merkt ihr denn noch immer nicht,  daß dies kein Spaß ist,  sondern die Wirklichkeit?“ fragt verzweifelt im Film die Stimme aus dem  off.  Genau das ist das Problem.  Zuviele Menschen erkennen den Unterschied nicht.  Sie sehen nicht,  wenn es ernst wird,  nehmen Warnungen nicht ernst und reagieren nicht oder falsch.  Das ist heute mehr denn je so.

Daran hat auch der Film „Erkan und Stefan“ nichts geändert.  Denn,   und das ist die einzige Kritik,  es wird zwar gesagt,   es gehe um Barschel.  Aber dem Zuschauer wird nicht mitgeteilt,   was daran auf tatsächlichen Ereignissen beruht und was nicht.  Für den Erkenntnisgewinn wäre eine Art „making of“ sinnvoller gewesen.

Die ZDF Sendung „Frontal 21“ hat einmal sehr witzig und intelligent gezeigt,  wie so etwas aussehen könnte.  Ein Kamerateam war zum Minister geschlappt.  Im Gepäck  ein Yoghurt-Becher.  Das Team hielt dem Minister den Becher hin und fragte:  Herr Minister,  wieviel Zucker ist in diesem Yoghurt?“ Der Minister nahm den Becher,  schaute drauf, las  suchte die Angaben,  fand sie nicht, drehte und wendete und suchte und las – und fand nichts.  Dies zeigte das Fernsehen und nutzte die Bildstrecke des situativen O-Tons, um zu sagen:   „Das kann jetzt noch ein wenig dauern.  Der Minister sucht und rechnet noch ein wenig.  In einigen Minuten kommen wir darauf zurück.  In der Zwischenzeit widmen wir uns weiteren Aspekten des Themas.“  Ähnlich könnte man auch das Material von Erkan und Stefan nutzen.

Für einen zweiten Film.  Unterhaltend,  aber diesmal noch näher dran am realen Geschehen. Kenntlich gemacht, was ist Spielfilm,  was Rekonstruktion,  und was geschah wirklich?

Denkbar wäre eine Gast appearance von Bruce Willis.  Immerhin geht´s auch um elektromagnetische Unverträglichkeit. Also darum, wie man mit Funkelektronik Flugzeuge vom Himmel holt und Atomkraftwerke angreift. So wie es das Schwedische Verteidigungsministerium als Test in Auftrag gab – ein Jahr vor Tschernobyl. Vergleiche meinen Artikel zum Thema auf dieser homepage und meine Fernseh-Magazin-Beiträge zum Thema Barschel und zum Thema gps spoof/elektromagnetische Unverträglichkeit für AKTE/metaproductions und für ARD-Magazine.

in memoriam  photographed by Susanne Haerpfer

in memoriam photographed by Susanne Haerpfer

Ich arbeite als Freiberufliche Journalistin. Nachrichten erreichen mich also nicht automatisch; denn zur Zeit bin ich in keiner Redaktion. Auftraggeber und Investoren müssen mir schon eine mail schreiben. So wie dies stets gemacht wurde bis einschließlich 2008 bzw. 20 Jahre lang vor 2004 2005 2007: Susanne.Haerpfer@bits.de

„Du hast mir ja gar nicht gesagt, daß sie im Beau Rivage war“ hieß es im missglückten Tatort. I c h war dort und ja, mein Kameramann hat gefilmt, und ja, meine Beiträge wurden 1997 und 1998 auf SAT1 ausgestrahlt. Darauf ist aufzubauen.

Als Redakteurin und als freie Journalistin bin ich von der ersten Idee bis zur Endabnahme nicht nur in alle Produktionsschritte eingebunden, sondern für diese verantwortlich.  Nur was ich genehmige, geht auch auf den Sender.

Einige scheinen dies nicht zu wissen oder zu ignorieren. Es ist eben nicht möglich, mit Fremden, denen man unvermittelt und unvermutet auf der Straße oder in einem Geschäft begegnet, zu agieren, wie es in Spielfilmen zu sehen ist. Und, erneut, Mediziner, Polizeifahrzeuge und andere Repraesentanten staatlicher Institutionen (mit noch viel weitreichenderen Befugnissen) sind nur dann nicht erschreckend,  wenn diese von mir kontaktiert werden, als Experten für eine journalistische Veröffentlichung – garantiert durch eine Produktionsnummer und einen redaktionellen Rahmen. Dazu bedarf es einer gemeinschaftlichen Übereinkunft ohne Erpressung. Es bedarf der rechts-verbindlichen Absprache – damit das, was man sagt, auch tatsächlich in dem Kontext bleibt, in dem es laut briefing stehen sollte und nicht aus dem  Zusammenhang gerissen wird.  Nur wenn Recherche und Abnahme in einer Hand bleiben, kann für den Wahrheitsgehalt und Autentizität garantiert werden. Meine Fernsehbeiträge entstehen so und nicht anders.

Susanne.Haerpfer@bits.de

Ansonsten ist im Film „Erkan und Stefan“ zu sehen, wie ein wichtiges Tonband ausgetauscht wurde. Das kann auch ein Freundschaftsdienst sein. Dann nämlich, wenn sogenannte Kollegen nicht mailen, sondern hart Erarbeitetes einfach klauen und sich so profilieren wollen. Bei Erkan und Stefan jedenfalls sieht der Journalist aus wie der Bösewicht bei „Mission impossible“. Und führt vor, das es die Masken gibt, die taeuschend echt das Gesicht eines anderen vorgaukeln.

Wie bei „Mission impossible“ ist auch die Überwachungstechnik,  die gezeigt wird.  Markierungspunkte,  die auf die Kleidung geschossen oder einfach appliziert werden und stets melden,  wo sich jemand befindet.  Die Elektronik, die einmal um  die ganze Welt rast. Das Absurdistan in Bilder umgesetzt. Mama Erkan in der Wohnküche,  die Sohnemann klein macht,  während am anderen Ende der Erde Agenten alles mithören und sehen – live und im eleganten schwarz weiß blauem high tech Ton.

Zugleich urkomisch – wenn die beiden ihre Späße machen und auf dem Überwachungsbildschirm die zwei roten Überwachungspunkte mit einander verwirbeln.

Auch das Wettrennen auf dem Tisch zweier Handys,  die auf Vibrieren gestellt sind, führt zu befreiendem Lachen. Die Situation ist ernst genug.

Die Komik kann überlebenswichtig werden.  Insofern kann „Erkan und Stefan“ zugleich ein Fortbildungsfilm sein für bodyguards.   Merke

Wenn man es mit hochgerüsteten Kräften zu tun hat

Asymmetrisch handeln

Lachen entwaffnet

und so überlebt  man – hoffentlich.

Damit es doch noch das gibt, was sich eigentlich alle wünschen.  Das große Finale. Wirklich investigative Journalisten und diejenigen, die mit ihnen zusammenarbeiten.

Auf einer großen Pressekonferenz

Und dann ist der Saal voller Kollegen,  und man hält das Beweisstück in Händen und sagt

Das hier ist ein wichtiges Dokument deutscher Nachkriegsgeschichte.

So hätte es wohl eigentlich sein sollen.

So hatte sich das Gert Heidemann vermutlich einmal gedacht,  als er eigentlich eine ganz andere Geschichte praesentieren wollte, als die Tagebücher.  Einer der Film- Protagonisten ist optisch gemergt mit einer Schlüsselfigur im Fall Barschel und mit einem Vertreter der Britischen Krone.

Wurde mit Einmarsch in die Redaktionsräume gedroht, so wie es bei der Spiegel Affaere geschehen war,  nur drei Nummern verschärfter?  Immerhin  war es die Zeit des internationalen Terrorismus.  „Erkan und Stefan“ aehneln auch Schleyers Personenschutzgruppe. „Das Leben der anderen“.  Vorweggenommen.  Ein Trupp,  der aussieht wie die Fotos,  die von der GSG 9 veröffentlicht werden,  stürmt das Treppenhaus von Gruner und Jahr.  Wie den Filmemachern  das gelungen ist?

Insider sehen weitere Aehnlichkeiten zu real existierenden Menschen.  Der alle Fäden in der Hand hält, erinnert an den Journalisten und security-Fachmann David Schiller. Er kann  und Stefan.  Erk an Stefan.

Im Film ist dem Idealtypus eines Reporters ein Denkmal gesetzt worden.

te t and photo susanne Haerpfer

text and photo susanne Haerpfer