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symbolic picture by Susanne Haerpfer

In Bayern gab´s Atomalarm. Bei einer Metallrecyclinganlage in
Aschaffenburg. Detektoren am Eingang meldeten eine erhöhte Dosis an einem
Container mit Metallschrott. Wie das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)auf meine Anfrage mitteilte, rückten
Sachverständige an und entdeckten zwei Americium-241 und
Beryllium-Neutronen-Quellen der Firma Halliburton in Nigeria. Wie die nach
Aschaffenburg gelangt waren, teilte der BMU-Sprecher nicht mit. Allerdings
bezifferte er die Strahlung mit 18,5 und 703 Gigabecquerel. Americium
kommt auf der Erde in natürlicher Form gar nicht vor. Der Stoff ist in
Supernovae im Weltraum vorhanden. Da der Besuch von Außerirdischen mit
Gastgeschenken bei einer Aschaffenburger Schrottpresse als eher
unwahrscheinlich zu gelten hat, bleibt noch die zweite Erklärung:
Americium wird in Kernkraftwerken erbrütet. Es gilt als Zerfallsprodukt
von Plutonium. Vermutlich auch aus diesem Grund hat sich Deutschland
geweigert, das strahlende Material an Nigeria zurückzugeben. Es ging
zurück an den Verwender, die amerikanische Firma Halliburton. Was die
wiederum mit Stoffen gemacht hatte, aus denen sich mit fortgeschrittener
Technik auch kompakte Waffen herstellen ließen, blieb trotz Anfrage
unbeantwortet. Waffeninspekteure und Zollfahnder werden das Phänomen
kennen. Radioaktive Substanzen sind vielfältig einsetzbar. Eine Verwendung
zur Tarnung lässt sich stets finden. Ob sich in Bohrinseln in Nigeria
radioaktive Strahler finden, weil an diesen schwer zugänglichen Orten
Waffenmaterial getarnt wird, oder ob es sich nur um sehr viele Rauchmelder
handelt, können nur mutige Mitarbeiter offenbaren oder ein realer James
Bond herausfinden. Entdeckt wurden die Elemente jedenfalls bei der Suche
nach Atomwaffen während des Zweiten Weltkriegs. Anwendung finden sie auch
in der Geologie. Im Mittelalter soll Beryllium als Zauberglas gedient
haben, wie eine Lupe. Das Wort Brille hat seinen Ursprung von dem
radioaktiven Element. Heute wären strahlende Brillen das Ergebnis gewesen,
wenn die Quellen aus Nigeria in der Schrottpresse gelandet wären.

Wie andere Leute gelegentlich ihre Brillen verlegen, so scheinen in
Nigeria radioaktive Strahler verloren werden. Der Direktor der Nigerian
Nuclear Regulatory Authority (NNRA), General Prof Shamsideen Elegba,
räumte 2009 freimütig auf einem internationalen workshop ein, dass ihnen
regelmäßig nukleares Material abhanden gekommen sei. Außerdem sei es
zu Unfällen mit radioaktivem Material gekommen. Immerhin würden die
Quellen täglich durch das Land transportiert. Die Ölindustrie des Landes
sei schließlich der größte Importeur und Verwender von nuklearen Quellen.
Die Lage muß so desaströs sein, dass die Internationale Atomenergiebehörde
IAEA um Hilfe gebeten wurde.

Und dies in einem Land, in dem es regelmäßig zu Massakern kommt. Gerade
wurde wieder ein Anschlag auf eine katholische Kirche verübt. Hunderte, ja
Tausende Menschen starben in Nigeria bei Kämpfen. Möglicherweise auch
durch Waffen aus Deutschland. Denn Deutschland lieferte ausgerechnet an
Nigeria. Dies geht auch aus dem Rüstungsexportbericht der ?Gemeinsamen
Konferenz Kirche und Entwicklung? (GKKE) hervor. Und dies, obwohl die
Bundesregierung stets beteuerte, nicht in Krisenregionen zu liefern.

Susanne.Haerpfer@bits.de