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5. Falls Du alles gemäß unserer Anweisungen erledigt hast, bereiten wir die nächste Geldüberweisung für Dich vor. Die Beträge und die Zahl der Geldanweisungen können mit Deinen Wünschen und Möglichkeiten abgestimmt werden. Die Arbeit bei uns verletzt keine Gesetze der EU und Deutschlands und ist absolut berechtigt.“

DAS ist ein Irrtum  bei dem obigen Angebot handelt es sich um die Aufforderung zu einer Straftat.

Meine Kollegin Andrea Böll und ich, Susanne Härpfer, berichteten in der Sendung Plusminus in der Ard über die Masche, die aus Armen plötzlich Geldwäscher, Bankräuber und Betrüger macht .

DA ich vor einigen Tagen obige mail erhielt, werden noch viele weitere betroffen sein. Anlass über das zu berichten, was inzwischen phishing genannt wird:

[gern mit Andrea :  ich bin zu erreichen unter SUSANNE.Haerpfer@bits.de  ]

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Thomas Moritz staunt nicht schlecht – 100.000 Mark soll seine Firma DGS in Mainz überwiesen haben. Seiner Buchhalterin kam das komisch vor. Der Geschäftsführer des Diesel- und Getriebehandels meldete den Betrug der Polizei und seiner Bank. Doch die 100 000 Mark waren schon abgeräumt. Zusammen mit dem Geld anderer Opfer. „Ich kannte die Masche der Betrüger schon. Als Thomas Moritz sich meldete, wusste ich gleich: das kann nur die Zaire-Connection gewesen sein.“, sagt Kriminalhauptkommissar Jürgen May vom Mainzer Betrugsdezernat. In ganz Europa schlagen die Banden zu.

Die Erfinder dieses Betrugssystems kamen wahrscheinlich aus Zaire, daher der Name. Das Prinzip ist immer gleich, der Name für das Delikt relativ unspektakulär: Kontoeröffnungsbetrug. Doch der Schaden geht in die Millionen.

Die Masche: Eine Person eröffnet ein Konto, um darauf ergaunertes Geld zu deponieren. Der Betrüger legt dafür in der Regel gefälschte Papiere vor. Das Risiko, entdeckt zu werden, ist minimal, denn der Pass ist meist ein ausländischer und der Inhaber oft ein Schwarzafrikaner aus. Oft merkt der Bankangestellte nicht einmal, daß die Person auf dem Foto nicht dieselbe ist wie der Antragsteller.

Derweil sind andere damit beschäftigt, Überweisungen zu fälschen oder zu fingieren. Dabei sind sie sehr erfindungsreich. Einige fischen mit einer Drahtangel Überweisungen direkt aus den Bankbriefkästen. Andere schleusen Mitarbeiter z.B. in die Post ein. Dort sortieren sie die Bankpost aus, fälschen die Überweisungsformulare und geben sie dann wieder auf. Wieder andere kundschaften Firmen aus. Sie interessieren sich besonders für Bankverbindungen und Kontonummern. Die stehen meist auf jedem Briefbogen oder Überweisungsformularen. Mit Hilfe der Daten fälschen Bandenmitglieder Dutzende Überweisungsformulare. Auszahler ist die ausgekundschaftete Firma, Empfänger der Mittelsmann, der das Konto eröffnet hat. Tatkräftig unterstützt werden sie dabei oft von den Banken. Die kontrollieren nämlich Überweisungsträger oft nur Stichproben mäßig. So landet das ergaunerte Geld auf dem Konto, das extra für diesen Zweck eingerichtet wurde. Sobald die Beute eingetroffen ist, wird das Konto lehrgeräumt. Die Bande zieht weiter,  in eine andere Stadt oder ein anderes Land.

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Und genau in diesem Augenblick schlug Kriminalhauptkommissar Jürgen May zu. Schon lange hatte er Anzeigen von geschädigten Geschäftsleuten aus einem Mainzer Gewerbegebiet auf dem Tisch. Hunderte meldeten merkwürdige Geldtransaktionen, die sie selbst nie in Auftrag gegeben hatten. Erklären konnten sie sich das Ganze nicht, hatten die Geschäftsleute doch die Überweisungen in einem geschlossenen Briefumschlag direkt an ihre Bank geschickt. Das Perfide: von einem ganzen Stapel Überweisungen waren nur ein oder zwei gefälscht. So fiel der Betrug nicht so rasch auf. KHK Jürgen May hingegen hatte einen bestimmten Verdacht. Der Betrug konnte nur während des Postwegs geschehen sein. Einen Tatverdächtigen hatte er auch schon: Briefkasten-Entleerer Lukombo B.. Der Mann aus Zaire hatte immer dann Dienst, wenn offenbar Bankpost abgefangen wurde.  Als der engagierte Kriminalhauptkommissar die Wohnung des Verdächtigen durchsuchen ließ, fand man Beweise – Kontonummern und Bankadressen von betoffenen Firmen. B. wurde verhaftet und inzwischen zu 2Jahren Haft verurteilt. Die meisten seiner Opfer bekamen von der Bank ihr Geld zurück, denn die haften in der Regel für die Fehlüberweisungen. Nachweislich hatten nämlich nicht ihre tatsächlichen Kunden sondern die Betrüger die Zahlungen in Auftrag gegeben. Dies klingt wie das glückliche Ende eines Kriminalromans. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus: Die Betrügereien gehen weiter. Gelingt es tatsächlich einmal, einen Betrüger aus der Bande aus dem Verkehr zu ziehen, wird der in Windeseile ersetzt; die Gangs formieren sich neu, machen anderenorts weiter.

Viele der mutmaßlichen Täter kennt Kriminalhauptkommissar May. Wann immer ein Bandenmitglied festgenommen wurde, ermittelte er zahlreiche Mittelsmänner. Um sich und seinen Kollegen im Bundesgebiet die Arbeit zu erleichtern, begann er, mit diesen Informationen eine Datenbank anzulegen. Denn bis heute ermittelt jede Polizeidienststelle allein vor sich hin. „Ich würde gern die Banden bundesweit hochgehen lassen“, wünscht sich May, „Aber dazu müsste die Betrugsdezernate besser zusammen arbeiten.“ Bislang ist das Feedback seiner Kollegen eher verhalten. Frustrierend für Jürgen May. Denn er hat Hunderte Überstunden gemacht, um Informationen zu sammeln, die jetzt anscheinend niemand haben will. Dabei nimmt die Zahl dieser Betrügereien seit Beginn dieses Jahres wieder extrem zu. Fast jedes Betrugsdezernat hat ähnliche Fälle auf dem Tisch. Doch Verhaftungen gibt es eher selten.

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In einer Online-Jobbörse hatte er inseriert. Eines seiner Opfer war der Student Jörg Wrzesinski: „Das Angebot klang wirklich seriös“, erinnert sich Wrzesinski. „Ich sollte für einen Reiseveranstalter Tickets an Kunden ausfahren. 200 Mark sollte es pro Tour geben.“ Der Auftraggeber verlangte von Wrzesinski nur, dass er sein privates Konto zur Verfügung stellen sollte. Er macht dem Studenten weiß, dass die Kunden für die Tickets Geld auf dieses Konto überweisen werden. „Deshalb fand ich das Angebot auch so vertrauenserweckend“, erinnert sich Wrzesinski. „Man wird doch immer gewarnt: Verlangt ein Arbeitgeber Vorleistungen, handelt es sich in der Regel um einen Betrug.“ In diesem Fall aber gingen Tausende Mark auf das Konto ein. Und genau das wurde dem Studenten zum Verhängnis. „Eines Tages wurde ich von der Polizei vorgeladen, weil gegen mich wegen Betrugs ermittelt wurde“, sagt Wrzesinski. „Ich war total schockiert, als ich erfuhr, daß das Geld auf meinem Konto aus einem großangelegtem Betrug stammte.“  Und der funktionierte so:

Der vermeintliche Reiseveranstalter ist in Wahrheit ein gesuchter Großbetrüger, die Tickets gibt es nicht, die Kunden auch nicht. Die Masche funktioniert wie bei der Zaire Connection, nur elektronisch. Der Täter sucht deutsche Firmen, die ihre Bankverbindung preisgeben, auf Firmenpapier oder im Internet. Dann fälscht er ein Überweisungsformular. Er trägt die Kontonummer und Bankleitzahl dieser Firma als Auszahler ein, erfindet eine Summe und irgendeine Unterschrift. Dann leitet er das Geld auf das Konto der Jobsuchenden wie Jörg Wrzesinski.

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Opfer dieser Masche auf der Firmenseite wurde Gunhilde Burghard von der „Munich Flyers“- Flugschule. Sie bemerkte, daß zweimal 5000 Mark von ihrem Konto abgebucht wurden, den Empfänger kannte sie aber nicht. „Es ist unglaublich“, wundert sich Gunhilde Burghard. „Man sieht doch ganz offensichtlich, daß die beiden Unterschriften miteinander nichts zu tun haben. Und trotzdem konnte sich der Täter mit 10.000 Mark von unserem Konto bedienen.“  Die Hälfte der Summe landete zunächst auf dem Konto von Jörg Wrzesinski. Der wundert sich nicht, denn der vermeintliche Reiseveranstalter hatte ihm das Geld als Bezahlung von Tickets per e-mail angekündigt. Der Student sollte nun den Betrag per Geldtransfer überweisen und die Belegnummer des Transfers zurückmailen. Damit hatte der Ahnungslose sich der Geldwäsche schuldig gemacht. Denn er hatte, ohne es zu wissen, die  Summe einem Verbrecher ausgehändigt. Mit der Geld-Transfer-Nummer kann nämlich der Empfänger, hier der Täter, weltweit an die Beute kommen und muß sie noch nicht einmal persönlich abholen. Ein Helfershelfer, der die Nummer kennt, reicht aus. Der Täter macht sich mit dem geraubten Geld ein schönes Leben; nahezu ohne Risiko. Für Jörg Wrzesinski aber beginnt ein Alptraum. Die Polizei hält ihn zunächst für den Betrüger. Denn die Banken der Geschädigten haben den Weg des Geldes verfolgt. Und dabei tauchte nur Jörg Wrzesinski auf. „Ich wurde wie ein Verbrecher behandelt“, schüttelt Jörg Wrzesinski den Kopf. „Und das, obwohl ich doch eigentlich nur einen Job gesucht und mein Konto zur Verfügung gestellt hatte.“ Zum Glück hatte der Student noch alle Mails gespeichert und konnte deshalb die Polizisten von seiner Version der Geschichte überzeugen. Die Münchner Bank machte ihn trotzdem haftbar und verlangte 5000 Mark zurück. Geld, das inzwischen längst beim Täter war. Geld, daß die Bank der geprellten Firma „Munich flyers“ erstattete. Die Bank hielt sich am zweiten Opfer schadlos. „Es kommt auf den Einzelfall an“ begründete Hausjurist Martin Gladenbeck die Bankpolitik. „Ich muß halt sehen, wo ich mir das Geld, daß ich dem Kunden erstattet habe, wieder zurückhole.“ Das Opfer ist mittellos, soll die Summe in Raten abstottern. „Als Student ist es besonders schwierig, im Monat 400 Mark für etwas aufzubringen, wozu ich gar nichts kann. Das ist Geld, das dazu verdient werden muß, um einen Verbrecher seine Machenschaften zu bezahlen“, meint Jörg Wrzesinski.

Dabei hat die Bank noch nicht einmal die Unterschriften geprüft. Sonst wäre aufgefallen, daß der Täter wahllos nur Kringel malt. „Nennen Sie es fahrlässig“, zuckt Syndikus Gladenbeck mit den Schultern. „Es ist passiert. Bis zu einem bestimmten Betrag wird die Unterschrift gar nicht kontrolliert.“ Erst nachdem Jörg Wrzesinski an die Öffentlichkeit gegangen ist, verzichtet die Münchner Bank auf die letzten 2000 Mark Rückzahlung.

Dabei hatte Jörg Wrzesinski von Beginn an alles getan, um dem Betrüger das Handwerk zu legen, er hilft der Polizei und erstattet selbst Anzeige. Zuerst in Mannheim, wo er studiert. Doch die schiebt den Fall ab, nach Frankenthal, wo er wohnt. Und von dort bekommt er den Bescheid: „Verfahren eingestellt. Begründung ganz im Ernst: „Die Verantwortlichen konnten nicht ermittelt werden. (…) Eine solche Firma ist nicht existent. Auch die angegebeneTelefonnummer ist nicht vergeben. Es liegt auch keine gewerberechtliche Anmeldung vor. (…) Das Verfahren war somit einzustellen. Bevor die Ermittlungen auch nur begannen, wurden sie auch schon wieder

eingestellt. So einfach ist das in Deutschland: Eine falsche Telefonnummer und eine falsche Adresse – und schon ist man nicht mehr zu fassen. Und das obwohl die Polizei durchaus weiß, wer der mutmaßliche Täter ist und wo er sich gerade aufhält. Der Mann nennt sich wahlweise Gerd Proebe oder Phroebe, Bodo Ackers oder Peter Pankowski. Es handelt sich vermutlich um einen Deutschen, der Mitte der 90er Jahre das Land verlassen hat. Gegen ihn liegt nämlich wegen eines Betruges nach Manier der Zaire-Connection schon ein Haftbefehl vor. Die Spur führt nach Manila.

 

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Dorthin war der Deutsche verschwunden und dorthin ging auch das Geld von Jörg Wrzesinski und vermutlich Hunderten anderen. „Bundesweit gibt es mehr als 200 Fälle in den letzten drei Jahren.“, sagt Kriminalhauptkommissar Jürgen May, „täglich landen neue auf meinem Tisch.“ Doch verhaften kann er den Täter nicht. Denn dazu bräuchte er einen internationalen Haftbefehl und den wiederum gibt es nicht. Das ist so, weil kein Staatsanwalt wirklich ermitteln wollte. Das Problem: sobald eine Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in einem Fall aufnimmt, bekommt sie alle anderen bundesweiten Fälle dazu – eine sogenannte Sammelklage müsste nach deutschem Recht von der zuerst tätig werdenden Staatsanwaltschaft übernommen werden. Und genau diesen Arbeitsaufwand übernimmt niemand freiwillig. Das gibt selbst der Leitende Oberstaatsanwalt aus Mainz Klaus Puderbach zu: „Wenn keine Staatsanwaltschaft das freiwillig macht, entscheidet irgendwann der Bundesgerichtshof, wer dies zu tun hat.“  Und das kann bekanntlich dauern.

Derweil macht der Täter weiterhin fette Beute und die Opfer haben das Nachsehen und fühlen sich allein gelassen. Der Fachanwalt für Wirtschaftskriminalität, Matthias Doehring, kennt diese Problematik seit langem. „In der Tat kommt es nicht selten vor, dass es eine Allianz gibt, wenn man diesen Begriff hier in Anführungsstrichen so setzen will, zwischen dem Täter und der Staatsanwaltschaft, denn ein gewiefter Täter kennt das Verfahren. Derweil muss das Opfer zusehen, wie das Geld von Deutschland ins Ausland geschafft wird und hinterher gesagt wird, tut uns leid, jetzt kommen wir nicht mehr ran.“

Kriminalhauptkommissar May ist empört: „Das ist wie ein sanfter Bankraub. Bankraub wird nicht unter fünf Jahren bestraft – Betrug hingegen nur bis fünf Jahre.“ Mit beiden Verbrechen kann man viel Geld erbeuten aber der Betrüger hat ein viel geringeres Risiko und wird auch nicht so streng bestraft.“

Genau das machen sich sowohl der Deutsche als auch die Banden der Zaire-Connection ganz bewusst zu nutze. Die hoher kriminelle Energie der Täter und die schwerfällige Struktur der Staatsanwaltschaften sowie die schlampige Kontrolle der Banken ermöglichen das beinahe perfekte Verbrechen.