International Max Planck Research School for Maritime Affairs, Mittelweg 187, 20148 Hamburg (IMPRS), at the International Tribunal for the Law of the Sea, Am Internationalen Seegerichtshof 1, 22609 Hamburg (ITLOS) or at the Center for Marine and Atmospheric Sciences, Bundesstraße 53, 20146 Hamburg (ZMAW)

Have been announcing a presentation on piracy issues for december 3 rd

A possibility to remind of my offer

susanne.haerpfer@bits.de

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Was macht der Hai-Fisch auf dem Parkett?

„Immer wenn ein Schiff entführt wird, klingeln in London die Telefone“, heißt es in der Dokumentation „Geschäftsmodell Piraterie“ von James Rogan, die auf Arte zu sehen war. Gefragt sind dann Spezialisten und Anwälte wie Steve Askin, der mit juristischem Fachverstand und Verhandlungsgeschick das Ruder übernimmt, wenn Piraten das Steuer übernommen haben. Zu sehen in dem 45-Minuten-Feature. Spätestens dann klingelt bei ihm das Telefon. Besser wäre es im vor hinein. Vor Gericht und auf Hoher See, ist man in Gottes Hand, lautet eine Weisheit. Mit dem juristischen Teil kennt sich Steve Askin aus. Aber ob er auch § 410 des Deutschen Handelsgesetzes kennt? Die Autorin hat es ausgegraben: Manchmal kann Jura wunderschön sein. Daher hier der Paragraph, der dem Thema Piraterie eine ungewöhnliche Wendung geben kann, im Original:

„Der Frachtführer kann, sofern ihm nicht bei der Übernahme des Gutes die Art der Gefahr bekannt war oder jedenfalls mitgeteilt worden ist

1. gefährliches Gut ausladen, einlagern, zurückbefördern oder, soweit erforderlich, vernichten oder unschädlich machen, ohne dem Absender deshalb ersatzpflichtig zu werden, und

2. vom Absender wegen dieser Maßnahmen Ersatz der erforderlichen Aufwendungen verlangen.“

susanne.haerpfer@bits.de

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Piraten, die gar keine sind, sondern Kämpfer für den Umweltschutz? Unterschlagung, die keine ist, sondern Recht und Gesetz? Antworten, die manche Seeleute mehr fürchten als eine Kalashnikov. Ein Tennisball, beschleunigt, entfaltet eine kinetische Energie wie eine Gewehrkugel. Einzusetzen gegen Piraten. Damit wird auf Messen und Konferenzen geworben. So ist es auch im Fernsehfilm zu sehen. Damit aber sind Tennis-Ball-Gabe-Maschinen eine potentielle Waffe, zumindest ein dual use-Gut. Ist eine davon an Bord, kann sie auch gegen die Mannschaft gewendet werden. Sind viele davon im Container, kann´s ein Fall für den Staatsanwalt sein. Embargobruch.  Waffen und Paragraphen sind oftmals zwei Seiten derselben Medaille. Der Mann, der im Film Steve Askin heißt, kennt sich mit Piraterie aus. Er wird gerufen, wenn ein Schiff entführt wurde. Dann verhandelt der Jurist. Zwischen den Beteiligten, und von denen gibt es in der See-Fahrt mehr als genug. Der Beitrag zeigt einige. Durch den Dschungel der Zuständigkeiten führt er als Held der Geschichte. Er ist der Protagonist. Hört man ihm zu, kann man den Glauben an Recht und Gesetz zurück erlangen. Und das ist wohl auch eine Absicht des Films. Selten vor Julia Roberts in „The Pelican Brief“ und in „Erin Brockovich“ war Jura so sexy. „Immer wenn ein Schiff entführt wird, klingeln in London die Telefone“, heißt es in der Dokumentation. Besorgte Reeder, Kapitäne, Angehörige und Sicherheitsfachleute ringen um die Freilassung, assoziieren Laien mit dem Satz. Experten hingegen wissen: dieser Film ist von Fachleuten gemacht. Und die Rede ist von etwas ganz anderem, vom Herzstück der Piraterie nämlich.

Vielen Entführungen geht „Shipping intelligence“ voraus.

Also gezielte Order, die Fracht zu kapern, das Schiff, die Mannschaft.

susanne.haerpfer@bits.de

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Schiffe versenken geschieht ja auch abstrakt am Schreibtisch, und genauso wird auch und gerade 2012 Ladung gekapert – per Mausklick am computer .

Die Auftraggeber sitzen auch in Handelshäusern, die als ehrbar erachtet werden. Lungern nicht nur in Kaschemmen umher, sondern versinken eher in flauschigen Teppichen von Hotel-Lobbies und tiefen Lederfauteuils von Chefetagen zwischen Singapur und London. Die Identität der Hintermänner wurde noch nie offen gelegt. Aber über den Mechanismus, über die Struktur, die dem zugrunde liegt, berichtet der Film. Und dies ist selten genug. Als vor zwei Jahren erstmals gefragt wurde, ob Piraterie auch Notwehr sein kann, galt dies noch als ungeheuerlich. Inzwischen, eine GEO-Reportage weiter, darf über diesen  Zusammenhang öffentlich gesprochen werden, ohne gleich als Terrorsympathisant bezeichnet zu werden. Der ARTE-Film benennt den Mechanismus. Industrie-trawler fischten Somaliern die Lebensgrundlage weg. Verhungern oder Kämpfen war die Alternative. Sie beschlossen, sich zu wehren, und waren damit sogar so erfolgreich wie Lars, der kleine Eisbär im gleichnamigen deutschen Kinderfilm, die die Riesenfangflotte verjagt, die ihnen die Fische weg fängt. Das Fatale: Anders als im Film, ging´s nach der Schlussblende weiter. Es gab kein Friedensabkommen, das die Lebensgrundlage gesichert hätte, Quoten wurden nicht eingehalten, und die Fischer wollten plötzlich mehr als ihr Leben.

Wie die Haie an der Wall Street, gegen die zu kämpfen sie einst ausgezogen waren, glichen sie sich ihnen an. Sie wurden gierig. Die Eskalation hatte begonnen. Waffenhändler gaben ihnen für das erbeutete Geld teurere Waffen. Und wieder wurde kein Friedensabkommen geschlossen. Reeder benutzten die Bedrohung, um ihrerseits aufzurüsten. Der Überlebenskampf ging weiter, auf höherem level. Ein Nullsummenspiel für die einen, andere gewannen. In den vergangenen 20 Jahren ist eine Industrie entstanden, die durch Piraterie verursacht wurde, die auf Piraterie gegründet ist, mit Piraterie verbunden ist. Die Akteure: Piraten und Börsianer, Waffenhändler und Produzenten, Schiffseigner, Makler, Charterer, Besatzung, Versicherungen, Beamte, Journalisten, Sicherheitsfachleute, Unternehmen aller Art – von der Pizzeria bis zum Giftmüllverklapper – sie alle haben mit Piraterie zu tun. Immer, wenn ein Schiff entführt wird, klingeln in London die Telefone.

Das Phänomen, das sich an den Börsen und anderen Handelsplattformen abspielt, hat John Travolta und seine Filmgesellschaft „Reel too real“ auch in dem Spielfilm „Die Entführung der U-Bahn Pelham“ beschrieben.

susanne.haerpfer@bits.de

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Eine Entführung ist ein Wirtschaftsgut, und die Geiseln sind die Währung, in der getauscht wird, lässt er seine Protagonisten sagen. Dem Film voraus gegangen ist eine gründliche Recherche im wirklichen Leben. Alle Sätze, die im Film zu hören sind, seien alle tatsächlich in der Realität so geäußert worden. Die Fiktion sei im Grunde eine Dokumentation, die komplett auf Rekonstruktion beruhe, heißt es in der Darstellung von Regisseur und Produzent.

Zu sehen ist, daß sich eine Entführung unmittelbar bezahlt macht, und zwar nicht nur für den Geiselnehmer selbst, sondern für alle, die möglichst zeitnah von der Entführung erfahren. Die Meldung lässt Kurse fallen und steigen, macht den Markt volatil und somit Spekulanten euphorisch. Denn jede Veränderung bedeutet die Chance auf Gewinn; besonders viel streicht ein, wer so wie früh wie möglich, am besten vorher von der Entführung weiß. Kriminalität und insider-Handel sind direkt miteinander verbunden. Deutlicher ist noch nicht die Nahtstelle gezeigt worden, zwischen Kriminalität und offizieller Wirtschaft. Das, von dem Menschen spontan annehmen, es sei die reine Wirtschaft, Wirtschaft pur, ist in Wirklichkeit (auch) auf Verbrechen gegründet. Nur wird das gemeinsame Interesse zwischen Verbrechern in Nadelstreifen und Straßenkriminellen selten so eindringlich dargestellt, wie in dem Film über die Entführung der U-Bahn. Derselbe Mechanismus, der bei der Bahn-Entführung zu beobachten war, gilt auch für Schiffsentführungen. „Es macht mich kirre, wenn ich erlebe, daß Leute Verhandlungen um entführte Schiffe nicht als Geschäftsverhandlung betrachten“, sagt im Feature Jurist Steve Askin. Der Spezialist in Sachen Schiffsentführungen findet deutliche Worte, wenn er mit Reedereivertretern spricht.

Es geht um Geld, es geht um Gewinn und Verlust, es geht um Liegezeiten, und was mehr kostet, Lösegeldzahlung oder Zeitverlust, zum Beispiel.

Der Film zeigt: alle machen eine Rechnung auf. Steve Askin benennt es. Welche Summe sind Sie bereit zu zahlen? Auf diese simple Frage läuft es immer hinaus. Vor einem Überfall. Während einer Kaperung. Und im nach hinein. Im Spielfilm „Proof of life“ wird gezeigt, wie bei einer Geiselnahme im Ausland verhandelt wird, und welche schmutzigen Allianzen sich im Hintergrund abspielen. Auftraggeber, die in der Regierung des Landes sitzen. Gemeinsame Sache mit einem Wirtschaftsunternehmen machen. Konkurrenten aus den USA, die wirtschaftlich unter Druck sind, und ihre Angestellten im Ausland nicht gegen das Risiko einer Entführung versichern und sie so im Stich lassen. Rebellen als das unterste Glied in der Kette, benutzt wie die Angestellten, die nicht abgesichert sind, und wie diejenigen, die nicht einschreiten sollen, weil es dafür keinen bezahlten Auftrag gibt. Menschen mit Gewissen, die dies nicht akzeptieren, Romanze inklusive.  Der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Im Abspann heißt es, die Sicherheitsexperten von Control Risks hätten ihre Expertise beigesteuert. Diese Seite wird in der Piraterie-Doku nur angedeutet. „Ich treffe täglich ehemalige Seals“, wird im Film gesagt. „Sie glauben gar nicht, wie viele frühere Militärs sich weltweit tummeln und anbieten“, heißt es in der Reportage. Dahinter steckt die unverhohlene Drohung von Preis-dumping auch in der security-Welt. Die vereinfachende Denke, die zur Verklappung von Giftmüll und Atomabfall führt, gilt auch in Punkto anderer Sicherheit. Wozu für Analysten zahlen, für Anwälte, für Verhandler, die so reden, als ob ein Pirat im Büro säße, wenn´s auch scheinbar einfach ginge. „Hau drauf“, weggucken, Problem gelöst, so stellt sich das wohl der eine oder andere vor.  Bis es schief geht, bis Clan-Strukturen, die Weltpolitik und das Interessens-Geflecht in der Schiff-Fahrtsbranche so kompliziert sind, daß es auch diejenigen nicht durchschauen, die für einen Teil dieser Branche arbeiten. Und ihnen diese explosive Mischung um die Ohren fliegt. Buchstäblich. Oder einfach durch Pleite. Bis die Kosten der vermeintlichen Kostenersparnis zu hoch werden, eine Entführung nicht mehr zu handeln ist. Dann kehren sie reumütig zu den Experten zurück, deren Waffe ihr Wissen ist. Shipping intelligence der anderen Art.  Sollte einmal ein follow up des Spielfilms „Proof of life“ gedreht werden, der Jurist, der in der Dokumentation Steve Askin heißt, könnte sich selbst spielen, wäre die beste Besetzung für die Hauptrolle. Gutaussehend, auf Parkett und Planken gleichermaßen sicher. Einer, dem man es abnimmt, daß er sowohl die Piraten als auch deren Hintermänner in der vermeintlich ehrbaren Gesellschaft jagt. Gut gecastet, diese Doku. Vielleicht gibt es ja auch von dieser traditionellen Art des „reality tv“ eine Fortsetzung. Dann, wenn Fernsehredaktionen sich anders verhalten, als die Giftmüllverklapper und Piraten, die sie anprangern möchten. Über Hintergründe zu berichten, ist mindestens ebenso aufwändig, wie Schiffe frei zu bekommen oder gar Hintermänner zu jagen. Das „making of“ zu diesem Feature wäre interessant, nicht nur für Medienmagazine. Welche Verhandlungen gingen voraus, bevor auch nur eine einzige Sekunde gedreht werden konnte. Glich das Geschacher Verhandlungen mit Piraten? Und falls ja, wer half? Gab´s ein Einsehen in den Redaktionen? Wohl kaum. Vor zehn Jahren gab es Piraterie genau so wie heute. Frachter wurden gekapert, Yachten überfallen. Dennoch haben Redakteure abgewunken. Piraterie – kein Thema, hieß es. Piraten entführen Schiffe. Freie Journalisten tun was? Um über Piraten berichten zu können? Dann wünscht man sich einen Steve herbei. Einen, der eine deutliche Sprache spricht. Bei dem männliche Markanz keine bloße Pose für 1.30 Minute vor der Fernsehkamera ist. Sondern gelebt. Immer wenn ein Schiff entführt wird, klingeln nicht nur in London die Telefone.

Und in der Zwischenzeit? Der blöde Fußball-Spruch hat stets Gültigkeit. Wird nur selten beherzigt. Nach der Entführung ist vor der Entführung, das nächste aktuelle Ereignis kommt bestimmt. Die Zeit abseits der Hektik gilt es zu nutzen. Für Recherche. Für Vorbereitung. Um gewappnet zu sein. Und dann die Geschichte parat zu haben. Die Aktualität frisst alle Zeit. Wenn erst einmal die Tagesaktualität einsetzt, ist für Recherche selten Gelegenheit. Der Film, der auf ARTE ausgestrahlt wurde und im Februar wiederholt wird, ist eine löbliche Ausnahme. Wie ernst ist Piraterie-Bekämpfung und was genau versteht wer darunter? „Ein robusteres Mandat“ hat diese Woche der Schifffahrtsexperte derFDP-Bundestagsfraktion Torsten STAFFELDT gefordert.

Bauernopfer

BAUERNOPFER

„Robustes Mandat“ ist die Umschreibung, wenn „Hau drauf“ gemeint ist, sich aber keiner traut, es genau so zu sagen. Ob das auch noch so vehement vertreten wird, wenn´s um die klassische FDP-Klientel ginge, wäre interessant im real life-Experiment zu sehen. Wenn Staatsanwälte und die ihnen nachgeordneten Beamten mit der Tür in´s Büro fallen, zum Beispiel. „Robustes Mandat“ auch dann? Wenn´s um potentielle Hintermänner geht? Die in Unternehmensetagen residieren. Die kühl kalkulieren, und nicht bedenken, daß die Entsorgungskosten, die sie meinen zu sparen, wenn Giftmüll vor Somalia verklappt wird, in den Shrimps auf ihren Tellern landet, die sie bei Konzernfeier ordern. Wenn Castor-Gegner die besseren Piraten-Bekämpfer sind. Weil sie nämlich auf die versteckten Kosten der Atomkraft aufmerksam machen. Weil sie verhindern wollen, daß Material, aus dem sich eine radiologische Waffe (vulgo „schmutzige Bombe“) bauen lässt, so einfach verschifft wird.

Wenn Umweltschützer staatstragender sind, als sie selbst es eigentlich wollen. Die Umstrukturierung von Bundespolizei, Zoll und Bundeskriminalamt in Sachen Verfolgung von Wirtschaftsstraftaten, wie viel hat dies mit Piraterie zu tun? Geht es auch genau darum? Zuständigkeiten beim Wort genommen? Auslandseinsätze der Marine, Inlandseinsätze der Polizei. Effizienz. Damit nicht so viele Steuergelder ausgegeben werden bei der Sisyphus-Arbeit, im Ausland auf Piraten einzudreschen, lieber den Forderungen nachkommen, das Problem an der Wurzel zu packen. Und das befindet sich nun einmal auch hier in Deutschland. Hier liegt eine der Ursache der Piraterie. Wer Gefahrgut nach Somalia und andere Regionen der Welt karrt, und dort die Umwelt verschmutzt, gefährdet Menschenleben. Direkt und unmittelbar. Und riskiert, daß Nahrungsmittel vergiftet werden.

Dies sind alles Straftatbestände. Ebenso wie Ausbeutung, Lohn-dumping, Scheinselbständigkeit, Hinterziehung von Sozialabgaben. Alle Kosten, die an einer Stelle eingespart werden, kehren wie ein Bummerang zurück.

susanne.haerpfer@bits.de

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Firmen, die Kosten verstecken, gaukeln nur vor, es handle sich um besonders effiziente Unternehmen. In Wahrheit betreiben sie Augenwischerei, bürden der Gesellschaft Kosten auf, die immer größer werden. Eine Lawine, an deren Ende Deutsche genauso Opfer sind, wie die armen somalischen Fischer. Die griffen zu den Waffen, weil sie nichts mehr zu essen hatten. Wenn es in Deutschland keine Hungerrevolten geben soll, geht es auch genau darum. Piraterie und Hartz IV haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Armutsbekämpfung ist die beste Waffe gegen Piraterie. Hüben wie drüben. In den Ländern, in denen das sichtbar wird, was wir mit Piraten verbinden. Und dort, wo alles seinen Ursprung nahm. Wie ernst ist es den Strafverfolgungsbehörden damit, das zu tun, was immer offiziell gefordert wird: die Hintermänner zu jagen. „You would chose a figure in the middle”, erklärt Anwalt Steve Askin im Film. Das kann wahlweise übersetzt werden mit: Gütliche Einigung. Die einen stellen eine Forderung auf. Die andere Seite tut dies als völlig absurd ab. Man trifft sich in der Mitte. Es sei denn, der Gewinner heimst alles ein. Der Satz lässt sich aber auch übersetzen mit: Die Hintermänner werden nie gefasst. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Verurteilt wird nur das Mittel-Management. Die Bauernopfer, Sündenböcke. Die wahren Auftraggeber werden nicht an die Öffentlichkeit gezerrt, nicht mit Piraterie in Verbindung gebracht. Mittlerweile steht in Schulbüchern, daß in der Vergangenheit die Königin von England Seeleute mit sogenannten Kaperbriefen ausstatten ließ. Das war Piraterie im Staatlichen Auftrag, gewissermaßen Staatsterror der Historie. Und heute?

susanne.haerpfer@bits.de

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Bei wem klingeln die Kassen, wenn ein Schiff entführt wird? Telefone und mails von normalen Bürgern werden überwacht. Mit Schutz vor Terrorismus wird dies begründet. Es gibt Pakte zwischen Piraten und Terroristen. Zu welchem Ergebnis führt die Überwachung?

Wird einmal offengelegt, wer Überfälle auf Fracht, Schiff und Mannschaft ordert und aus welchen Gründen?

Wer wird nicht bezahlt und handelt aus Notwehr, holt sich Fracht und Boot zurück? Wer schützt Küsten und Bewohner und entert deshalb auf?

Wer ist habgierig? Wer weiß um Waffenlieferungen und lenkt aus welchen Gründen diese um? Prozesse gegen Piraten werden auch vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg geführt. Was wäre wenn sich die Piraten auch auf Deutsches Recht beriefen? Auf Deutsches Zivilrecht.

susanne.haerpfer@bits.de

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Laut Handelsgesetzbuch (HGB) § 410 darf  nämlich gefährliches Gut von Bord gebracht und vernichtet werden. Und die Kosten für die Entsorgung hat der Absender zu zahlen. Das sieht das Verursacherprinzip so vor. Bislang hat das noch keiner getan.

Oder aber es ist tägliche Praxis, nur keiner spricht darüber. Nur im Fall der gekaperten „Faina“ wurden die „Ukrainer auf der Durchreise, garantiert gewaltfrei“ sprichwörtlich. So werden gemeinhin Inkassodienste bezeichnet, wenn sich Gläubiger keinen anderen Rat mehr wissen, als zur Selbstjustiz zu greifen. Auch eine Form von Piraterie. An Bord der „Faina“ befanden sich ukrainische Seeleute und Waffen. Weshalb sie dort waren, wohin sie wollten und wer was in Auftrag gab, würden die Beteiligten je nach Sicht der Dinge und Kenntnisstand wohl unterschiedlich beantworten. Es gibt nahezu für alles ein Gesetz. Es muß nur angewendet werden. Vielleicht entdecken Charterer, Kapitäne und Besatzungen ja auch ab und zu ihr Gewissen. Denken an die Umwelt. Und schauen vorher in´s Gesetzbuch. So manche Piraterie ist dann vielleicht gar keine. Für Verletzte an Bord ist ein Sanitäter zuständig, für juristische Belange haben Fregatten juristischen Beistand an Bord. Oder einen direkten Draht zu Steve Askin. Wie heißt es in dem Film von James Rogan: „Immer, wenn ein Schiff entführtwird, klingeln in London die Telefone.“

susanne.haerpfer@bits.de