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former prosecutor Heinrich Wille presenting his book „About the murder that was forbidden to be called murder“ – photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de at Hamburg

Zum Todesfall Dr. Uwe Barschel hat die Pressestelle des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof (GBA) gestern meine Frage wie folgt beantwortet:

„Die Frage, ob bei der Bundesanwaltschaft Ermittlungsverfahren anhängig waren, die Herrn Dr. Dr. Uwe Barschel „tangieren“, bezieht sich nicht auf einen bestimmten Sachverhalt und wäre darüber hinaus nicht mit einem zumutbaren Rechercheaufwand zu beantworten. Ich bitte daher um Verständnis, dass weitergehende Auskünfte nicht erteilt werden können.“

Man kann nur nach etwas fragen, von dem man weiß. Diese Krux zeigt sich auch bei dieser Antwort der Bundesanwaltschaft.

Der Hinweis, daß die Staatsanwälte Lübecks nicht der alleinige Ansprechpartner sein sollten, kam – aus Lübeck.

Der frühere Leitende Oberstaatsanwalt (LOSTA) Heinrich Wille hatte in Hamburg sein Buch „Ein Mord, der keiner sein durfte“ präsentiert: Rotpunktverlag, Zürich ISBN-10: 3858694622 und ISBN-13: 9783858694621

Während der Präsentation schilderte Wille nicht beugbare Fakten. Dazu gehört: Während der Ermittlungen im Todesfall Uwe Barschel ergaben sich Schnittmengen zu Fragen von Embargobruch, high tech-Spionage, der NATO, innerstaatlicher Sicherheit und internationale Sicherheitsbelange sowie Beziehungen zur damaligen DDR.

Diese Fakten wurden bislang von einigen dazu benutzt, sich über die Ermittler lustig zu machen. Anstatt die Dimension zu begreifen und sich zu einem weltweiten Netz von Rechercheuren zusammenzuschließen. Es winken: der Pulitzerpreis und andere Auszeichnungen in den Ländern von Kolumbien bis Dänemark. Und: die mögliche Aufklärung des Falls des toten Politikers sowie zahlreicher weiterer Menschen, die im Kontext Barsches ebenfalls starben; und deren Tod ebenfalls bis heute nicht geklärt ist.

Einen Ansatz auf dem Weg dorthin brachte LOSTA Wille. Er sagte, für die genannten Delikte ist in Deutschland unter anderem die Generalbundesanwaltschaft zuständig. Das klingt nach einer Binse. Und birgt doch Sprengstoff. Denn, in der Tat: die Akten der Staatsanwaltschaft Lübeck bringen nicht die Lösung des Falls. Weitere Arbeit ist nötig. Zum Beispiel aufzulisten, welche Namen und Tatvorwürfe im Kontext des Tods Barsches aufgetaucht sind. Und dann – mit solchen konkreten Daten – erneut bei Marcus Köhler und seinen Kollegen anfragen. Der teilte per mail auch mit, welche weiteren Spuren von recherchierenden Journalisten verfolgt werden können. Auf der to-do-Liste der GBA stünde die „Tätigkeit des Bundesgerichthofs oder der Generalstaatsanwaltschaften der Länder“ und „Fragen, die das Justizministerium der ehemaligen DDR betreffen.“ Denn zu deren Arbeit bzw. Arbeitsergebnissen könne die Pressestelle der Generalbundesanwaltschaft „keine Auskünfte erteilen“.

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