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Susanne.Haerpfer@bits.de is a freelance journalist for television, print and online media as well as for photography

Granatapfelsaft 

Schmeckt grandios!

Die Vitamine springen förmlich aus der Flasche.

In´s Glas. In den Körper. Dort warten die roten Blutkörperchen bereits begierig, daß der wertvolle Nachschub kommt. Wer braucht Frischzellen, wenn´s Granatapfelsaft gibt. 

In reiner Form – ohne Zucker und Wasser – ist er schwierig zu gewinnen: viele kleine Körner müssen aus der harten Schale gepult und dann noch von der Haut befreit werden, und anschließend noch zu Saft verarbeitet werden. Das dauert Stunden und ist sehr aufwändig. In heutigen Zeiten kaum noch zu bezahlen. Ein Stoff mit Gold aufzuwiegen. Ein fairer Preis für all die Arbeit und Mühen. Kein Wunder also, wenn Bio-Laeden 7, 45 Euro dafür verlangen. 

Und doch: wie soll ein Erwerbsloser 7, 45 Euro aufbringen für eine einzige Flasche Saft? 

Das ist in Zeiten von Hartz IV der Tagessatz für sämtliche Ausgaben. Und von Granatapfelsaft allein kann man sich nicht ernähren. Dennoch mokieren sich ausgerechnet Journalisten über Erwerbslose und werfen ihnen vor, sie ernährten sich ungesund. Ja,  

was sollen Erwerbslose machen? Viele würden gern Granatapfelsaft trinken. Aber 7.45 Euro? Und selbst diejenigen, die Arbeit haben: wieviele derjenigen, die in Bio-Läden arbeiten, können sich die Lebensmittel leisten, die dort verkauft werden? Wieviele müssen stündlich mit großen Augen auf die Regale blicken, in denen so wunderbare Lebensmittel wie Granatapfelsaft verkauft wird, aber der Lohn reicht nur für die Säfte, die mit Wasser verdünnst sind, statt die volle Vitaminbombe zu liefern. Dünne Früchteteeplürre statt Vitaminschub in purer Form. 

Das, was einen Energieschub brächte,  Granatapfelsaft oder Cranberrysaft  unverdünnt und pur  – ein solcher Vitaminschub ohnegleichen, der kostet eben 7 45 Euro.

Liebe Journalistenkollegen: kauft Themenvorschläge und bezahlt die Arbeit, dann können Erwerbslose Journalisten  Granatapfelsaft kaufen. Dasselbe gilt für all die anderen Berufe.  Von den Einnahmen ist es möglich, den Bio-Laden zu bezahlen, und seine Beschäftigten und all die anderen Menschen, die von internet bis Fotokopien andere Dinge des täglichen Bedarfs herstellen oder zur Verfügung stellen. Dann ginge es uns allen gut.  Statt sich über Erwerbslose lustig zu machen.  

Vielleicht hat ein Arbeitsamt ja auch ein Einsehen und bezahlt mehr Geld für gesunde Ernährung. Dafür ist sogar ein Posten im Formular vorgesehen:  Mehrbedarf für Ernährung, heißt das.  Die beste Vorsorge ist es nämlich beispielsweise, Granatapfelsaft für 7,45 Euro zu kaufen, statt pro Forma als ABM-Maßnahme zehn Euro an Ärzte abzudrücken, die doch nur Menschen krank machen, damit sie wiederkommen und noch viel mehr da lassen und Pharmakonzerne bezahlen. 

Und denjenigen, denen man vielleicht nicht glaubt, daß sie ihr zusätzliches Geld tatsächlich für Granatapfelsaft und Preiselbeerensaft oder Cranberrysaft erwerben, kann das Arbeitsamt ja immer noch auf Nachfrage die Nahrungsmittel als Sachspende aushändigen, oder wie bei der Tafel verteilen oder Rabattmarken geben.  

von Susanne.Haerpfer@bits.de dependant on assignments