Sandra Bullock ist mit der Auszeichnung der Film-Fans geehrt worden. Berühmt wurde sie als Hauptdarstellerin des Films „Das Netz“. Als Computer-Expertin wird sie beraubt, bedroht und Verbrechen beschuldig, die sie gar nicht begangen hat. Doch das kann sie nicht beweisen. Alle Daten, alle Informationen, die ihr bisheriges Leben belegen, wurden im internet und Datenbanken verändert und gelöscht. Sie durchlebt einen Albtraum bis sie ihr Leben zurück erhält.

Ähnliches ereignet sich im ganz realen Leben. Keine Erreichbarkeit mehr. Alle Verbindungen gekappt. Die Menschen, die etwas bedeuten – sei es geschäftlich oder privat – sind nicht mehr zu erreichen. Auf e-mails erfolgt keine Reaktion. Privatadressen nicht mehr erreichbar. Neue Namen, neue Nummern, und niemand hat die Pseudonyme je aufgeschrieben und mitgeteilt. Jeder Versuch, verzweifelt die wichtigsten Menschen des eigenen Lebens zu erreichen, scheitern. Im Büro: nicht da, in einer Konferenz, nicht zu sprechen. Abgewimmelt durch anonyme Bedienstete, zu denen kein Kontakt besteht. Ausgelöscht. Ein ganzes Leben. Einfach ausgelöscht.

Motto photo by Susanne.Haerpfer@bits.de

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Und jeder Versuch, es zurückzubekommen, wird zunichte gemacht durch die Steigerung des Albtraums: Frauen, die wie callcenter-Teilzeitbeschäftigte Phrasen dreschen. Jeder Versuch der Kontaktaufnahme endet damit, daß austauschbare Puppen wie Endlosbänder auf zwei Beinen das abspulen, was ihnen auf Schulungen eingebimst worden ist. Hintereinander ratten sie das auswendig Gelernte herunter: Wer sind Sie denn? Ich kenne Sie nicht. Zu wem wollen Sie? Worum geht es? Ja, aber w o       rum geht es (internes scheckig Gelache), ich weiß doch nicht, wo rum es geht, Sie müssen mir schon sagen, worum es geht, mit wem haben Sie denn kommun nie ziert (wieder scheckig Gelache), wir haben jetzt keine Zeit, wir müssen zu einem meat ting (erneutes…. s.o.), wenn Sie keinen Termin haben, etc. usw. eine Wand aus sprechenden Puppen. Tonbänder auf Stöckelschuhen. Austauschbar. Anonym. Eingebimste Sätze. Eingetrichtert durch Auftraggeber, die im Hintergrund bleiben, und die es gilt, endlich ausfindig zu machen und zur Rede zu stellen. Auftraggeber, die Phrasen verteilen und den Auftrag geben, exakt diese Phrasen in jeder Lebenslage gnadenlos zu wiederholen. Nicht preisgeben, wer die Auftraggeber sind. In Zeiten wirtschaftlicher Krise fragen die Puppen nicht nach. Ihnen wird weisgemacht, es handle sich um ein casting, oder eine scripted reality, oder Behördenmaßnahmen, ein Test, eine Auflage, ein Befehl, und die Puppen gehorchen. Stellen keine Fragen. Hinterfragen nicht ihr Tun. Hinterfragen nicht die Auftraggeber. Hinterfragen nicht da, was ihnen erzählt wurde. Glauben die Desinformation, die sie eingetrichtert bekommen. Puppen. Sprech-Blasen in die Wirklichkeit entlassen. Spracherkennungssysteme und computer-Systeme mit Füßen. Der Kopf dient nur der Deko. Zeit zu fragen: wer ist der Auftraggeber? Wem beispielsweise gesagt wurde, das Ganze sei ein casting für eine reality-show, ich suchte eine Sekretärin, oder andere Ausreden gebraucht wurden, weshalb sie die Sätze runterspulen sollen: melden Sie sich bei mir!

Bitte! Teilen Sie mir mit, wer zu ihnen gekommen ist! Was Ihnen erzählt wurde! Schicken Sie mir die Vorlagen, die Sie bekommen haben! Die Sprechtexte! Die mails! Die Tonbänder! Erzählen Sie mir von den Schulungen, die Sie durchlaufen haben, in denen Ihnen eingetrichtert worden ist, was Sie sagen sollen, selbst draußen, im realen Leben, nicht nur am Telefon, im Pförtnerhäuschen, etc. Reden Sie! Packen Sie aus! Ermöglichen Sie, daß es wie im Film endlich auch in der Wirklichkeit ein happy end gibt und meine Erreichbarkeit wieder hergestellt wird! Ein verzweifeltes, ein ermattetes danke vorab, von mir: Susanne.Haerpfer@bits.de