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Der ehemalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger sprach die Laudatio zur Verleihung der Golden Globes. Anlaß, den Inhalt seiner Filme vorzustellen – zumal die Verleihung der Oscar´s bevorsteht.

Im Film „Eraser“, der vor kurzem im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist Schwarzenegger zu sehen als US-Marshall John Kruger. Im Film wie im richtigen Leben geht es um die Frage, was eine Waffe ist. Pistolen und Revolver, wie sie konventionelle cops tragen, oder Massenvernichtungswaffen im Westentaschenformat – verharmlost als Elektronik, „computer animated defence System“, oder welche PR-Begriffe noch im Umlauf sind.

Im Film „Eraser“ erschrickt Arnold Schwarzenegger vor dem, was als Ausrüstung für den Infanteristen der Zukunft entwickelt wird.

Zu sehen sind Waffen, die auf demselben physikalischen Prinzip basieren wie Nacktscanner am Flughafen: Ursprünglich Röntgenstrahlen, dann ersetzt durch Terrahertz.

Alle Ziele sind als Skelette zu sehen. Im Film sehen die niedlich aus. Der Teil kommt ohne rohe Gewalt aus, ist Familien-kompatibel. Aber die Funktionsweise ist dieselbe, als ob ein Rüstungsunternehmer mit einer Neutronenbombe eine amerikanische Schule überfallen würde und alle Kinder und Lehrer radioaktiv verstrahlt. Genau das ist tatsächlich entwickelt worden. Genau darum ging es – nur sollten es russische Menschen sein, die atomisiert werden. Der Film zeigt keinen Kintopp, sondern ganz real das, was Firmen entwickelten. Quasi ein Werbevideo für eine Verkaufsmesse, in der Tradition der „duck and cover“-Filme der 50 er Jahre.

Mit roten Punkten werden sie per Laser markiert, wie es bereits bei einigen Gewehren von Präzisionsschützen der Fall ist.  Doch dann feuert die Waffe bereits, ohne daß ein Schütze den Abzug bedient hätte. Alles was in´s Visier genommen wird, wird auch erschossen. Scharfstellen, fokussieren ist gleichbedeutend mit Töten. Nachdenken, abbrechen ausgeschlossen. Das, womit zur Zeit für die neueste Kamera von  Nikon geworben wird – wir lösen bereits aus, bevor Sie auf den solchen gedrückt haben – als neue Massenvernichtungswaffe. War Games III.

foto Susanne.Haerpfer@bits.de

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Im Film ist Arnold Schwarzenegger entsetzt. Das hat nichts mehr zu tun mit Selbstverteidigung. Mit dem Recht, sich zu wehren gegen einen Überfall. Das ist Eskalation. Rüstungsspirale. Heraufbeschwören einer Bedrohung, die es ohne die Technik gar nicht gäbe.

Technik gerät außer Kontrolle, und wird bislang dennoch nicht als gefährliche Waffe bezeichnet. Computerchips, Röntgenstrahlen, Terrahertz, Grundlagen-Physik bedroht mehr Menschen als eine herkömmliche Waffe. Doch dies gerät immer dann aus dem Blickfeld, wenn es wieder zu einem Amoklauf kommt. Überspitzt formuliert: jeder Amoklauf bindet Sendezeit, Arbeitskraft und Empörung, die sich sonst gegen diejenigen richten könnte, die sehr viel schlimmere Waffentechnik entwickeln. Die Debatte über Schützen lenkt ab von der eigentlichen Bedrohung, so sehr auch jeder Tote zu beklagen ist. Von der Debatte um konventionelle Waffen profitieren bislang nur diejenigen, die unser aller Leben bedrohen und Kriege verursachen: Unternehmen, die das herstellen, was im Film „Eraser“ gezeigt wurde, und zur Zeit u.a. in Syrien eingesetzt wird bzw. abgefangen werden sollte: Elektronische Waffen.

Angesichts der aktuellen Debatte würde ich gern von dem ehemaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger wissen, ob er wie im Film „Eraser“, Menschen vor elektronischen Waffen schützen möchte.

foto Susanne.Haerpfer@bits.de

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Welche Erfahrungen hat er während seiner Amtszeit gemacht?

Er hat ja als einer der ersten künstliche Nahrungsergänzungsstoffe, Zusatzstoffe und Chemische Zusätze wie Olestra in seinem Bundesland Kalifornien verboten. Aus der Erfahrung gelernt und dann die Möglichkeit genutzt, als Politiker dieses auch umzusetzen. Welchen Anfeindungen war er ausgesetzt? Welche Gegner traten plötzlich auf?

Erlebte er plötzlich ähnliches wie der Protagonist im Film „Enemy of the State“? Dessen Gegner säen Zwietracht und verstärken Konflikte mit seiner Frau, um den Helden zu schwächen, Zeit, Geld und Kräfte mit Privaten Auseinandersetzungen zu vergeuden, statt sich um´s Inhaltliche zu kümmern. Wieviel von dem, was als künstliche Aufregung, media hype, gossip und angeblicher Rosenkrieg durch die Gazetten geistert, dient eigentlich nur genau dem Zweck: kritische Menschen zu schwächen, die es wagen, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten und sich gegen eine starke Lobby stellen. Wieviele dümmliche Boulevard-Reporter dienen skrupellosen Geschäftemachern und begreifen es noch nicht einmal, weil sie nie etwas anderes kennengelernt haben und vermutlich noch nicht einmal begreifen würden, worum es eigentlich geht, wenn sie die Pentagon Papiers auf dem Silbertablett überreicht bekämen.

Und dieses darf dann noch nicht einmal gesagt werden, weil ausgerechnet diese dümmlichen, gewissenlosen Boulevard-Reporter das Geschäft der Lobbyisten erledigen würden, und den Prominenten durch falsche Berichterstattung die öffentliche Anerkennung unterminieren und so die wirtschaftliche Basis zerstören. Wann gibt es eigentlich ein Birkel-Nudel-Urteil für die „Erin-Brockovich“ unter den intelligenten Schauspielern?

Thema für einen Spielfilm und ein Feature zugleich. Welche echte Kriegführung bricht über diejenigen herein, die auf Hollywood-level arbeiten und dennoch nicht alles akzeptieren, was als angebliche Regeln gefordert wird.

D a r u m ging es eigentlich bei der Rede von Jodie Foster bei der Verleihung der Golden Globes. Und deshalb haben die Menschen geweint und staunend und ergriffen zugehört. Da sprach eine von ihnen. Und sie sprach ihnen aus dem Herzen. Eine hat überlebt. Und das über Jahre und Jahrzehnte. Als Frau. Als Darstellerin. Und Geschäftsführerin. In einem Geschäft, das von Männern gemacht wird. Von oberflächlicher Schönheit leben soll. Ohne das so zu sagen. Kämpferisch. Aber ja nicht zu verbissen. Hartnäckig und energisch und doch anrührend. Kompromissbereit aber nicht einen Millimeter Grundüberzeugung aufgeben. Authentisch. Bevor dies zum Modebegriff abgewertet wird. All dies haben die Boulevardreporter nicht gehört, nicht hören wollen oder nicht begriffen. Gleichberechtigung scheint es in unserer Gesellschaft nicht geben zu dürfen. Saudi-Arabien in Deutschland, Taliban in den Köpfen. Wer sich auf das beruft, was angeblich unsere westliche Demokratie Frauen gewährt, muß wohl irgendwie anders sein. Wir leben noch immer im Mittelalter und verschleiern es als modern.

Ein weiblicher Bruce Willis, ein weiblicher Arnold Schwarzenegger, Richard Gere, ohne Gewalt, aber auch psycho, ohne privaten Rufmord, ohne twisted Attributes wie in den Zerrbildern der bisherigen Larsson-Gewaltorgien.

Sondern mit Inhalt, für Gerechtigkeit wie Erin Brockovich, aber ohne kurzes Röckchen und tiefen Ausschnitt –

Die Ausstrahlung kommt durch gelebte Überzeugung – bislang verkörpert nur Jodie Foster dies. Vielleicht auch Catherine Zeta-Jones in „Entrapment“. Und in einigen Jahren wird sich herausstellen, ob diejenige, die mit Daniel Craig am selben Tisch saß, nur gut aussah oder auch tatsächlich das Zeug hat, eine Überlebende zu sein.

Shoot wird nicht ohne Grund in Fotographie und Schießen verwendet.

Rufmord, Verunglimpfungen, falsche Berichterstattung, Herabwürdigung von Arbeit – all dies hat Arnold Schwarzenegger getroffen. Obwohl und weil er als action-Held galt, hatte er nie die absolute Kontrolle über die Filme, in denen er auftrat. Genau das ist aber nötig. Denn nur, wer die absolute Kontrolle hat über Inhalt, Licht, Kamera, kann garantieren, daß er nicht missbraucht wird für Aussagen, die seinen Überzeugungen zuwiderlaufen. All die klugen Bestandteile seiner Filme sind vom gros der Rezensenten nicht gewürdigt wurden. Viele haben sich lustig gemacht.

foto Susanne.Haerpfer@bits.de

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Um so essentieller ist, daß Wikipedia seine Arbeit tatsächlich würdigt. Die Besprechung in der internet-Plattform Wikipedia entspricht dem wirklichen Inhalt von „Eraser“:

„Lee Cullen arbeitet für das Rüstungsunternehmen Cyrez, welches neuartige elektromagnetische Gewehre herstellt, sogenannte  HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Railgun“ \o „Railgun“ Railguns, welche ihre Projektile mit einer höheren Geschwindigkeit und Aufschlagswucht als konventionelle Feuerwaffen verschießen. Eine Verschwörergruppe aus Cyrez-Managern und Staatsangestellten, darunter der Verteidigungsminister, will diese Waffen an die russische Mafia verkaufen. Cullen kommt auf die Spur dieser Machenschaften (…)

Nach den ursprünglichen Planungen sollte der Hersteller der Gewehre Cyrex heißen, doch das real existierende Unternehmen  HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Cyrix“ \o „Cyrix“ Cyrix, bei dem es sich allerdings um einen Hersteller von Mikrochips handelte, protestierte dagegen. Die Filmpartien, in denen das Logo des Unternehmens zu sehen ist, wurden digital nachbearbeitet.““

sI [e]H

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D a s ist doch ein Hammer, oder? Potential für weitere, investigative Recherche. Potential für den Pulitzerpreis. Denn: das, was der Film gezeigt hat, existiert. Das, was hier beschrieben wird, gibt es. Bereits 2006 brachte BAE Systems sogar selbst eine Pressemitteilung heraus:

„BAE Systems Wins Contracts For Electro-Magnetic Rail Gun Programs

Navy concept for EM Launch system.

by Staff Writers

Minneapolis MN (SPX) Jul 07, 2006

space daily

BAE Systems was awarded two contracts for development of an

electro-magnetic gun system capable of deployment on board naval surface

combatant ships.

The development work includes a $9.3 million contract from the Office of

Naval Research (ONR) to develop technologies and preliminary design for an

Electro-Magnetic (EM) railgun prototype and a $5.4M contract from Naval

Special Warfare Center-Dahlgren for the design and fabrication of the U.S

Navy’s 32 megajule (MJ) Laboratory Launcher.

An electro-magnetic railgun uses electrical energy to accelerate

projectiles to extreme velocities. Railguns do not require powders or

explosives to fire the round and therefore free magazine space for other

mission areas. In addition, electro-magnetic guns provide a highly

consistent and uniform explosive charge that gives much greater accuracy.

BAE Systems was selected by ONR to advance to the next phase of the

Innovative Naval Prototype Program. Under this 30-month phase, BAE Systems

will take the state-of-the-art Electro-Magnetic Railgun technologies

through technology maturation and develop a preliminary design of a 32-MJ

EM Railgun.

Thirty-two megajule is equivalent to a firing speed of Mach 8 or eight

times the speed of sound. This will be an intermediate step on the road to

a 64-MJ Tactical System capable of deployment on-board naval surface

combatant ships.

The design and fabrication of the 32-MJ Laboratory Launcher will serve as

a major step towards development of a full-scale tactical EM Gun weapon

system for the U.S. Navy.

BAE Systems will execute these contracts in conjunction with teammates IAP

Research, Inc., Dayton, Ohio and Science Applications International

Corporation, Vienna, Va.

„BAE Systems has a long history of supporting the U.S. Navy and we’re

proud to continue that tradition by playing a key role in the EM Gun

Program,“ said Keith Howe, BAE Systems‘ vice president and general manager

Armament Systems.““

Realität.

susanne.haerpfer@bits.de

susanne.haerpfer@bits.de

Militärtechnik. Ursprünglich entwickelt, um auf Schiffen eingesetzt zu werden. Konventionelle Munition prallt von den Metall-Wänden ab und gefährdet die eigene Mannschaft. Damit an Bord von Schiffen geschossen werden kann, sollten neue Waffen entwickelt werden. Gegen andere Kriegsmarine, Piraten und Kriminelle.

Doch: Technik lässt sich nur schwer begrenzen, zumal dann nicht, wenn Aktionäre mehr und mehr Profit fordern. Also wird die Technik in andere Bereiche transferiert. Herauskommt: eine Massenvernichtungswaffe, wie sie im Film zu sehen ist. Kein Kintopp. Keine Phantasterei. Sondern Realität. Technik. Basierend auf „directed energy“, also gebündelte Elektrizität, Röntgentechnik, Feinmechanik, Uhrentechnik, Lasertechnik, Optoelektronik, Lichttechnik, Terrahertz und Röntgenstrahlen, Nukleartechnik, Elektronik und Computertechnik. All das, was als Zukunftstechnik Mehrheitsfähig gefeiert, gefordert und gefördert wird, bringt mehr Menschen um und gefährdet die Stabilität der Gesellschaft, als eine Patrone.

Aus diesem Grund hat 2006 das „Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIFF)“ zusammen mit weiteren Experten wie Joseph Weizenbaum und Prof Klaus Brunnstein eine Tagung in´s Leben gerufen. Das Thema ist aktueller denn je.

Der Chaos Computer Club CCC hat aus diesem Grund am Silvester die Bedeutung von Computertechnik für Krieg und Frieden als zentrale Frage für die kommende Arbeit bezeichnet.

Vielleicht bekommen Hollywood-Größen wie Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger ja die Gelegenheit, einen Film zu machen, der geachtet wird, viele Menschen erreicht und endlich auch politisch bewirkt, daß nicht Mikrochips die Welt in Schutt und Asche legen.

In „Eraser“ ist zu sehen, wie ein Flugzeug auf ein Gebäude fliegt, um es zu zerstören.

 

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