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Traditional hotel run by Buddhist Monch – Ryokan in Kyoto photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

„The last Samurai“

zeigt in wunderschönen Bildern

die verheerende Wirkung der Rüstungsspirale

Zur Zeit der Samurai hatten Menschen eine Chance zu überleben. Notwehr war möglich. Reiten, Fechten, Bogenschießen und alles gleichzeitig – das war eine Kunst. Noch kunstvoller waren die Rüstungen. Sie sind heute in Museen zu bewundern. Doch was haben wir daraus gelernt?

Massenvernichtung durch jedermann

bis zur Atombombe oder anderen, noch verheerendere Waffen, die als vermeintlich zivile Energie daherkommen.

Wasserkraft türmt Wellen auf, Nanotechnik macht Feinstaub unsichtbar, und Atomkraft verseucht noch immer nicht nur Fukushima.

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Monch in Kyoto photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Im Film „The last Samurai“ erschießen Japaner mit neuen Flinten ihre eigenen Landsleute, die Samurai.

Haetten nur wenige die neuen Waffen erhalten, die verfeindeten Gruppen wären mit vergleichbaren Chancen gegeneinander angetreten. Aber die Gewehre wurden erst massenhaft hergestellt, dann an eine große Zahl Soldaten ausgegeben. Diese mussten nicht die schwierigen Aufgaben der Samurai bewältigen. Sie mussten nur lernen, zu schießen. Die tödliche Wirkung der Waffen wurde vervielfacht. Und die Zahl derjenigen, die diese Waffen besaßen, wurde ebenfalls vervielfacht. Gegen diese Masse hatten die Samurai keine Chance. Ehre galt nichts mehr.

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Ryokan in Kyoto – photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de = SI(e)H

The Last Samurai

ist zugleich ein Sinnbild:

die Flinten in den Haenden von Einheitssoldaten sind in heutiger Zeit die computer in den Haenden von Großkanzleien bzw kleinen spezialisierten Kanzleien mit großer Finanzmacht.

Im Film „The Last Samurai“ töten tausende Gewehre und neue Kanonen die Samurai und ihre Pferde. So greift heutzutage eine Übermacht von Konzernen mit Rechtsabteilungen und beauftragen Inkassoabteilungen an.

Per Knopfdruck lösen sie einen Krieg aus.  Behörden und Gerichte werden durch sie instrumentalisiert. Gerichte, Behörden und ihre Vertreter benutzen die Formulare und folgen den Abläufen, die von den Konzernen, deren Rechtsabteilungen und Lobbyisten zuvor erdacht worden sind. Tatsachen interessieren die Gerichte gar nicht mehr. Sie haben ihre Arbeit delegiert an anonyme computer-Programme. Denen geben sie die Schuld, immer wenn empörte Betroffene ihnen auf die Bude rücken; so wie sie selbst zuvor in ihren Rückzugsorten, ihrem Zuhause heimgesucht worden sind. Argumente haben heutzutage so wenig Chancen wie die Samurai, als die neuen Waffen gegen sie eingesetzt wurden.

Sollte doch einer die Maschinerie überleben, wäre dies ein Wunder.

Gegen die Massenaussendungen gibt es keine Chance.

Es sei denn, man verfüge ebenfalls über eine Finanzmacht, die es ermöglicht, den Automatismen dasselbe entgegen zu setzen. Dann aber wäre man erst gar nicht in die Situation gekommen. Als Opfer, als Betroffener hingegen, gibt es keine Chance, sich zu wehren. Der Rechtsweg besteht nur noch auf dem Papier. Unser angeblicher Rechtsstaat ist keiner mehr.

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bamboo at Ryokan in Kyoto photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Großkanzleien und Spezialkanzleien verfügen über computer und Informationssysteme, wie sie durch den Nobelpreistraeger Robert Jungk in seinem Buch „Die Zukunft hat schon begonnen“ beschrieben werden. Datensysteme, in denen typische Ablaeufe von juristischen Standardfällen vorliegen, Entscheidungen und Argumente gespeichert sind. Auf diese Weise gewappnet, müssen diese Kanzleien nicht in Bibliotheken rennen und Verbraucherzentralen aufsuchen. Die Pro forma Argumente, Antraege und Vorlagen für die naechste Berufungsinstanz befinden sich laengst in den Computern. Auf Knopfdruck werden diese dann losgeschickt, sobald vom Gericht ein ebenso vorformuliertes, standardisiertes Schreiben losgesandt worden ist.

Deshalb gibt es Fristen, die ein einzelner ohne vergleichbare Mittel nicht halten kann. Die Zeit besteht nur auf dem Papier; nicht aber im wirklichen Leben.

Im Grund reagieren computer-Programme, die von Konzernlobbyisten in Auftrag gegeben worden sind auf ihre counterparts. Die Rechtshoheit wurde abgegeben an Industrieprogramme.

Im Grunde ziehen sich alle Beteiligten zurück. Computer-Programme senden sich gegenseitig Schreiben zu. Auf der Strecke bleiben die Betroffenen.

Die nächsten Züge zum Landgericht, Oberlandesgericht und Karlsruhe sind laengst für alle Standardfaelle durchgespielt und im Lauf von 30 Jahren elektronisch erfasst, elektronisch durchsuchbar gemacht. Alle Argumente, Kommentare, Minderheitenmeinungen und Auslegungen – alles elektronisch vorhanden. Bei einigen, die es sich finanziell leisten können.

Das automatisierte Mahnerfahren laeßt sich vergleichen mit dem Film „Wargames“. In dem wird gezeigt, wie ein computer einen Krieg erst durchspielt, um ihn dann tatsaechlich anzuzetteln. Einmal von Menschen angestoßen, läuft dann eine Kettenreaktion ab. Wie ein nuklearer Spaltprozeß. Am Ende sind alle tot. Denn ab einem gewissen Grad, werden auch diejenigen überflüssig, die den Prozeß mal in Gang gebracht haben. Dann gibt es ein Heer von überflüssigen Juristen. Die aber alle hohe Gehaelter gewohnt sind und über gefährliches Wissen verfügen und keine Skrupel kennen. Die „Gordon Gekkos“ unserer Zeit. Das Ergebnis sehen wir in den Nachrichten und erleben es selbst. Ein Land nach dem anderen geraet in den Abgrund. Spaetfolgen von Entscheidungen aus der Zeit des Kalten Kriegs. Wie im den Filmen „wargames“ und „wargames II“ lautet das Fazit.

Nicht auf Massenprogramme zu setzen, die der Einzelne nicht beherrschen kann, das ist die einzige Chance für die Menschheit. Denn was selbst für einen Spezialisten zu schnell ist, ist zu schnell und somit fatal für alle. Was ein Einzelner nicht überblicken und nicht beantworten kann, schlaegt auch zurück auf denjenigen, der es einsetzt. Es gibt keine elektronischen Samurai.

Text und Fotos von Susanne.Haerpfer@bits.de