Shriieeeeeeeeek!

Ein Auto rast auf ein Fellknaeuel zu

Die rosa Nase zuckt

Toy bears have better chances than the real ones

Toy bears have better chances than the real ones

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Shrieeeek

Niedliches Hörnchen

in despair

Ist es gleich nur noch Fell auf Landstraße? Oder?

Überlebt das Wusel.

So beginnt der Film „Reine Filmsache“.

Kuschelige Nager sind ebenbürtige Filmpartner.

Ihr Lebensraum, der Wald, ist in Gefahr.

where there aren´t any mice, there aren´t birds of prey and just cats on whiskas - photogaphed by Susanne.Haerpfer@bits.de

where there aren´t any mice, there aren´t birds of prey and just cats on whiskas – photogaphed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Der Wald soll gerodet werden für eine weitere Siedlung. Also schließen sich die Tiere zusammen und bekämpfen diejenigen, die ihnen das Leben nehmen wollen. Der Film zeigt, wie die Pelzknäuel das anwenden, was sie entweder direkt bei den Menschen gelernt oder durch ihre Sinnesorgane über weite Strecken hinweg wahrgenommen haben.

Genial, wie die Macher des Films Gedankenübertragung bei Nagetieren in Bilder umgesetzt haben. Ein Hörnchen ist in Lebensgefahr. Da erscheint in einer Denk- bzw. Bild-Blase das Bild von Mel Gibson als „Braveheart“. Und wie er seinen Menschen half, als die sich wehren mussten. Das Hörnchen sieht – und handelt. Kurz darauf steht die Kohorte Erdmännchen – bereit, ihr Fell zu verteidigen. Kleine Nager hatten voller Bewunderung zwischen Grashalmen hervorgelugt und beim re-enactment für den Film zugeguckt. Jetzt erinnern sie sich an das, was sie sahen bzw. andere Nager ihnen berichtet hatten. 

Niedlich gemacht. Ein Anfang. Der Film ist im Grunde ein pitch für ein Follow up mit mehr Möglichkeiten. Die Chance besteht darin, zu verstehen, wie viel klüger, umsichtsvoller und rücksichtsvoller die Tiere sind. Nur in absoluter Notwehr schlagen sie zurück, wie im Film der Waschbär, der zum Kampfgeschoß mutiert, das im Angesicht des Todes seinem Gegner Nase und Ohren attackiert. Der Film ist noch zu sehr aus der Sicht von boshaften Menschen gemacht, die sich rächen wollen, oder einfach nur hämisch sind. Viele der Szenen, in denen Menschen vorkommen, sind reiner Klamauk. Um so verwunderlicher, daß die meisten Besprechungen sich bislang auf die menschlichen Darsteller konzentrieren. Und dies, obwohl es doch eigentlich um die Tiere geht.

In India at the temple of Bikaner they are adored and photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

In India at the temple of Bikaner they are adored and photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

So wiederholen viele der Rezensenten im Grunde das, was der (später reumütige) Bösewicht im Film auch macht: Der Immobilien-Manager redet viel über Ökologie, gibt sich umweltbewußt, und er joggt auch brav und sehr leistungsbewußt im Wald (Ähnlichkeiten mir real existierenden Managern ist rein zufällig…) – aber als es darum geht, seinen drei Kindern Privatuni und jedem sein eigenes schnelles Auto zu finanzieren, da ist es dann rasch vorbei mit dem Umweltbewusstsein und dem verantwortungsbewussten Umgang.

Und deshalb bleiben Waschbär, Maus und Hörnchen nichts anderes übrig, als sich zu wehren. Die Skunks pupsen ihm das Auto voll, so daß dem Bauchef ganz karusselig im Kopf wird. Vor dem Bären bleibt nur die Flucht in´s Dixie-Klo. Und die Frettchen kämpfen gegen Elektro-Smog auf ihre Art. Die pelzigen Bomben-Entschärfer beißen beherzt die Kabel durch, bevor zu viel Elektrizität die Luft so aufheizt, daß es zum Waldbrand kommt, der nicht nur ihren Lebensraum bedroht, sondern auch die Häuser der Menschen. Die erkennen gar nicht, wie klug und umsichtig die kleinen Nager sind. Nur wenige Menschen wissen, wie dankbar sie eigentlich den Mäusen und anderen Fellträgern sein müssen, die Gefahren erkennen, bevor die Menschen den Zusammenhang erkennen.

How the world looks like when some men win - photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

How the world looks like when some men win – photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Und genau dieser naturwissenschaftliche Teil verdient es, gewürdigt zu werden. Teile des Films „Reine Fellsache“ könnten bei einem update verbunden werden mit der Erzählweise von ARTE und dem ZDF. Talentierte Grafiker machen mit einer Mischung aus niedlichen Zeichnungen und Fotos bzw. Einzel-Bild-Sequenzen deutlich, was sonst verborgen bleibt: die Fähigkeiten von Tieren. Das eigentliche Wunder. Haie, die elektromagnetische Wellen erkennen. Also das, was auch die Frettchen stört, und sie deshalb Kabel zerbeißen. Oder die Gedankenübertragung, die Ratten, Mäuse und Hörnchen über Kontinente hinweg ermöglicht, Bilder und Informationen zu übermitteln. Das Rattenexperiment ist legendär. Ratten, die in einem Land etwas besonderes gelernt haben, teilen dies anderen weltweit mit. Obwohl sie nie Kontakt hatten mit ihren Artgenossen, können plötzlich auch Nager an weit entfernten Orten das, was einer von ihnen gelernt hat. Dasselbe gilt allerdings auch für all das Leid und die Qualen, die sie erleiden. Kein Wunder, daß laut Spiegel online Labore genau diese Erfahrung gemacht haben sollen. Tiere kamen den Eingesperrten zu Hilfe, macht sich von weit entfernten Orten plötzlich auf den Weg.

Then just the fur reminds of wild cats, photographed by susanne.haerpfer@bits.de

Then just the fur reminds of wild cats, photographed by susanne.haerpfer@bits.de

Im Film schließen sich die Tiere zusammen. Die (deutsche) Stimme von Bruce Willis gibt ihnen Gehör bei den Menschen. Die Fellträger am Boden geben Zeichen, und die Vögel in der Luft machen das, was sie bei den Menschen gesehen haben (auch dies durch eine Gedankenblase dargestellt): die Menschen haben Flugzeuge, die im Sturzflug die Städten von anderen Menschen in Schutt und Asche gelegt haben. Was spricht also dagegen, ebenfalls in Formation zu fliegen, und den Vertrag voll zu pupsen, der ihnen den Lebensraum nimmt?

Der Film ist sogar realistisch. Gegen die Übermacht der Menschen können sie allein auf lange Sicht nichts ausrichten. Zwar sind sie zunächst erfolgreich, und drängen die Plattmacher zurück. Doch dann landen sie doch hinter Gittern. Aber dann kommt ihnen ein Mensch zu Hilfe. Er hat ihnen zugehört und hat gesehen, wie viel von den Tieren zu lernen ist. Der Mensch – Krone der Schöpfung? Was für ein Hohn. Kann weder Infra- noch Ultraschall hören, weiß noch nicht einmal, wie gefährlich elektromagnetische Wellen sind, kein Gespür für Beben, Gedankenübertragung – Fehlanzeige; der Mensch ist wirklich ein Mängelexemplar. Bis auf die wenigen, die begreifen, daß es um ihr Überleben schlecht bestellt ist, wenn sie nicht auf die Pelztiere hören. Und so erhalten die eine zweite Chance. Im Film handeln sie ganz nach dem alten Motto von Terrorbekämpfern: „win their hearts and minds“… -:)

"on air with mouse" - kids shall learn from the mouse; this is widely accepted. So why do so many men still do everything to kill those their kids and all of us are asked to learn from?

„on air with mouse“ – kids shall learn from the mouse; this is widely accepted. So why do so many men still do everything to kill those their kids and all of us are asked to learn from?

Unterstützung durch David Schiller? In den gelungenen Teilen wirkt der Film so: Reine Fellsache. Die Nagetiere erreichen die Herzen der Menschen.

Die Kinder des Immobilienmanagers erfahren von den Plänen ihres Vaters, und welche Folgen das erst für den Wald, die Tiere und später für sie haben wird. Deshalb erinnern sie ihn daran, daß er doch ursprünglich einmal wirklich in guter Absicht, das Projekt begonnen hatte für sie. Aber erst die Folgen nicht bedacht hatte, und dann die Konsequenzen fürchtete. Durch den Kampf von Eichhörnchen, Erdhörnchen, Waschbär, Maus und Co sehen sie, was es für sie bedeutet, wenn der Wald wiche. Ohne Wald mit frei lebenden Fell-Knäueln, die mehr bzw. anderes können, als sie selbst, würden auch sie verlieren. Deshalb rütteln sie die anderen Menschen auf. Und erneuern so den Pakt zwischen den Menschen und den Waldtieren.  Der Wald wird nicht abgeholzt, der ignorante Finanzier der Rodung  verjagt. Der Vertrag zerrissen und den Pelztieren ihr Lebensraum gelassen. Der wird kein Bambi und Barbie -Land;  hin und wieder gibt´s Hirsch und Wildschweinbraten. Schließlich hat auch der Mel Gibson Hunger, der das Hörnchen so beeindruckt hat. Und der Storch verspeist so manche Maus, die mit großen Augen und noch mehr Appetit auf´s Frühstücks-Müsli der Menschen guckt.

cute cats are nor vegetarians either, photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

cute cats are nor vegetarians either, photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Aber: mehr Menschen versuchen, zu lernen, was die Tiere versuchen, ihnen mitzuteilen:

Rettet uns, dann lassen auch wir uns etwas einfallen, wie wir euch retten können.

Bakterien am Meeresboden erzeugen Strom, und emsige Borkenkäfer versuchen das mit der Klimaveränderung wieder gerade zu rücken. Bislang haben Bakterien und Borkenkäfer nicht gerade eine große Lobby. Und daran könnte auch die Rettung der Erde scheitern. Wenn die Menschen noch nicht einmal auf ihre nächsten Verwandten hören, die sie eigentlich vor Schaden bewahren wollen: Ratten, Mäuse und andere Nager. Aber: der Film hat einen Anfang gemacht. Statt Öko-go-go´s siegen A- und B-Hörnchen. Reine Fellsache.

Text and Foto and bear as well by Susanne.Haerpfer@bits.de

home! photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

home! photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de