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symbolic photo by Susanne.Haerpfer@bits.de

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„„Ihre Wetterdaten stammen in Wirklichkeit aus unserem Institut. Die Daten für den 21. 11 1999 habe ich ein klein bisschen manipuliert, um nachweisen zu können, daß Ihre Vorhersage geklaut ist.“ Möglicherweise ist meine Beweisführung im Studio schwer zu verstehen, aber die Brisanz meiner Worte ist unmissverständlich. Ich trete noch einen Schritt nach vorn und schreie es heraus: „Franz Seeler, ich beschuldige Sie des dreisten Datendiebstahls, und ich mache Sie verantwortlich für den Tod meines Kollegen Gerd Najen.“ Ein Aufschrei geht durch die Zuschauer.““

So klingt Grandezza. 

Moi, j´accuse.

Grand opening einer Anklagerede, wie sie sich wohl jeder wünscht. Jeder, der Opfer wurde von Ungerechtigkeit.

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Church in Sascetchewan, photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de in Canada

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Zu finden nur noch in Filmen und Büchern. Obwohl oder weil Gerechtigkeit nicht stattfindet in den daily soaps, die als vermeintliche Gerichts-Show daherkommen. Es ist die eindrucksvollste Passage des Krimis „Kein Durchkommen.“ Zugleich die Frage: was ist das Buch eigentlich? Das bittere Fazit junger Wissenschaftlerinnen, die zwar schuften durften, aber um die Ehre gebracht wurden, dafür auch Geld und Öffentlichkeit zu erhalten? Ein Aufruf an alle, die Ähnliches erlebt haben, sich zu melden? Um dann gemeinsam den eigentlichen Thriller zu schreiben?

Denn in der vorliegenden Fassung ist das Taschenbuch nicht mehr als issue-dropping.

Es liest sich, als ob ein Marketing-Manager sämtliche Inhaltsangaben deutscher Kriminalromane in einen Computer eingegeben hätte auf der Suche nach einem Thema, das noch nicht vorgekommen ist; und fand auf diese Weise: Wetter. 

Das Thema bietet in der Tat Stoff für einen Thriller. Der auf Tatsachen beruht. Jedes Feature, jeder Magazinbeitrag brächte Quote, daß jeder Senderchef den roten Teppich ausrollen würde. Wetter-Machen ist lange verleugnet worden. Und dies, obwohl die Genfer World Meteorological Organization WMO in dicken Jahrbüchern alle auflistet, welche Länder Regen machen, Hagel verhindern und es schneien lassen. Angesichts der Debatte um Klima-Veränderung wird das, was es angeblich nicht gibt, plötzlich wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert und als Wohltat angepriesen. Geo-engineering oder weather enhancement nennen es nun PR-Strategen, wenn die Luft elektrisch aufgeladen oder Silberiodid in Wolken gestreut wird. Eine Erfindung des Deutschen Walter Findeisen aus dem Jahr 1938. 1946 von Vincent Schäfer in den USA für „General Electric“ praktisch getestet. Seitdem gehört der Energie-Konzern zu den Herren über das Wetter. Ebenso wie das US-Militär. Nobelpreisträger Robert Jungk beschrieb in seinem berühmten Buch „Die Zukunft hat schon begonnen“ die Technik und deren Folgen. Schon damals, 1957, gab es nicht nur Nutzen, sondern auch so gewaltige Schäden, daß es Kongreßanhörungen gab. Stoff für GEO-Reportagen, Spiegel-Titel-Geschichten und Bewerbungen um den Pulitzerpreis bei der New York Times. Aus diesem Grund recherchierte ich in den Jahren 2000 und 2001 das Thema Wetter-Krieg und erhielt sogar die Erlaubnis, US-Luftwaffenbasen zu besuchen und Doyens der amerikanischen Wetterkriegsführung zu interviewen. Der deutsche Milchstraßenverlag kaufte meinen Themenvorschlag. Damals wollte der Verleger aus „Max“ eine politische Zeitschrift machen. Und doch war es das falsche Timing. Die Redaktion buchte mich auf eine Lufthansa-Maschine ausgerechnet auf einen Tag, der in die Geschichte eingehen sollte: der 11. September 2001. Als die Terroranschläge verübt wurden, saß ich im Flugzeug über New York. Unsere Maschine durfte nicht mehr in Miami landen. Alle Grenzen waren geschlossen worden. Wir wurden in die Karibik umgelenkt und nach Deutschland zurückgeschickt. An einen Besuch amerikanischen Luftstützpunkte war über Jahre nicht mehr zu denken. Jetzt könnte ich es erneut versuchen. Mehreren deutschen Fernsehanstalten, Produktionsfirmen und Zeitschriften habe ich das Thema angeboten. Alle lehnten ab. Im New Scientist war danach Wetter-Modifikation Titel-Thema, auch der Spiegel druckte einen Artikel. Reiner Zufall? Dreister Klau? Ganz so, wie im Krimi beschrieben? Oder eine Einladung, künftig unter dem Namen zu schreiben, der unter den Artikeln stand, die ich vorgeschlagen hatte? Falls ja, weshalb? 

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small weather station photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

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Gibt es Gruppen, die sich aus der Universität kennen? Junge Forscherinnen, die ihre Studienarbeit absichern durch Veröffentlichungen? Durch Kommilitonen, die in Redaktionen sitzen? Sind nur noch im Verbund, quer durch ursprünglich getrennte Lebensbereiche, Veröffentlichungen möglich? Bietet nur noch das, was einmal verpönt war, Schutz davor, erst verleugnet und dann ausgelöscht zu werden? Steht deshalb so wenig auf den 251 Seiten? Weil all die spannenden Fakten zurückgehalten werden sollen, bis wir zu einander gefunden haben werden? Die Experten, die Käufer, ich, die (Noch-) Freiberuflerin und diejenigen, die drucken und senden? Damit der Reißer des wirklichen Lebens unverwässert und ungeschönt erscheinen kann: Wetter-Krieg. 

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high voltage photographed in Grünhof, location of the nuclear power plant Krümmel by susanne.haerpfer@bits.de

Der Klima-Krimi „Kein Durchkommen“ ist im Argument-Verlag erschienen. Das kann für Begründung stehen, aber auch für (künstlich herbeigeführten) Streit. Wer weiß etwas über das Phänomen, das seit 2004 2005 auftritt? Nach langem Ringen werden Aufträge vergeben, doch dann bricht einer der Auftraggeber plötzlich aus heiterem Himmel einen absurden Streit vom Zaun. Stellt immer groteskere Forderungen, verlangt immer absurdere angebliche Nachbesserungen, die keine sind. Bis so viel Zeit vergangen ist und sämtliche Ressourcen aufgebraucht, daß die Auftragnehmer in den Ruin getrieben werden. Was zunächst Grund zur Freude war, der Auftrag, entpuppt sich als Horror. Das versprochene Honorar kommt nicht. Stattdessen immer weitere Forderungen. Der Auftrag ist keiner, sondern ein Zuschußgeschäft. Ausbeutung. Oftmals Betrug. Organisierte Kriminalität. Systematisch werden die Auftragnehmer um ihr Geld gebracht, und oftmals erscheinen die Publikationen noch nicht einmal, oder erst nach einem Jahr in einem unbedeutenden Medium. Wer sind die Hintermänner? Wer gibt den Auftrag zum Torpedieren? Werden Verlage erpresst? Falls ja, von wem? Womit? Wer hat Ähnliches erlebt? Wer weiß etwas? Wer ist bereit, auszupacken? 

D e r Krimi sollte geschrieben werden. Für uns. Für die Opfer.  

 

von Susanne.Haerpfer@bits.de