Image

TEXT AND FOTO: SUSANNE.HAERPFER@BITS.DE (free lance television journalist)

Übermorgen soll Bruce Willis in Berlin seinen neuen Film vorstellen: „Die harder 5“.

Das Timing könnte nicht besser sein. Valentinstag, Berlinale und Polizeikongreß, und vielleicht eine verdeckte Anschlagwarnung. Das hat Tradition in Deutschland. 2006 reisten am Valentinstag security-Experten aus der ganzen Welt nach Berlin. Vor zwei Jahren brannte der Flughafen Krasnojarsk aus, und am Moskauer Flughafen Domodedowo explodierte eine Bombe. Unter den Toten war auch ein Deutscher.

Jetzt ist Bruce Willis am Moskauer Flughafen. Doch, keine Sorge: „Nummer 5 lebt“.

Auch im fünften Teil der Serie „Die harter“ bleibt der Held am Leben. Bruce Willis.

Im Taxi blättert er mit viel Ironie im Reiseführer für Doofe „Idiot´s travel guide“ . Anschluss an die letzte Szene im Film „RED“: auf einem Holzkarren flüchtet sein Team über´s Land und ruft „Moldawien ist doof, Moldawien ist doof“ (Moldov-ia), während Soldaten im Tarnanzug aus den Äckern springen und sie verfolgen.

Image

Ja, er ist es wirklich. Bruce Willis. Der Moskauer Taxi-Fahrer will das wissen. Ist er cop Mc Clane (Kopp)? Ja. Aus den Augenwinkeln registriert Willis die Sicherheitsfahrzeuge. Aus New York.

Das Startsignal. Manche Klischees stimmen einfach. „Willkommen in Moskau“, grinst der Fahrer. Das Inferno bricht los: Gepanzerte Fahrzeuge und Panzer greifen an, Glas splittert, Menschen in Schutzwesten und – Anzügen schießen, und zu allem ertönt „Freude Schöner Götterfunken.“

Was uns der soundtrack sagen will? Eine Frage an die Macher. Deutsche als Opfer? Deutsche als Täter? Religiös motivierte Täter? Nationalistische Terroristen? Gibt es eine Anschlagswarnung für Moskau? Für Deutschland? Ist Bruce Willis auch im echten Leben Ermittler? Für den Menschenrechts-Gerichtshof in Den Haag? Ist die story-line eine Anspielung an´s wahre Leben?

„Need a hug“, fragt er im Film. Knuddel-Bedarf, heißt das übersetzt, doch phonetisch klingt´s wie die Stadt, in der gegen Kriegsverbrecher geurteilt wird. Geht´s um Tschetscheinien? Recherchierte Bruce Willis die Hintergründe des Anschlags? Ist Mercedes betroffen? So wie in China Daimler-Manager und dessen Familie gemetzelt wurden, Konkurrenzkampf in Moskau? Und im Iran. So wie 1999 der Deutsche Autoteile-Händler Hofer im Iran zum Tod verurteilt wurde. Und:

Moskauer Zöllner entdeckten vor zwei Jahren im Flughafen radioaktives Material, bevor es nach Teheran gelangen konnte. „Ein modernes Kontrollsystem habe bei der Durchleuchtung des Koffers am Flughafen Scheremetjewo eine um das 20fache erhöhte Radioaktivität gemessen und Alarm geschlagen“, zitierte Spiegel online die Agentur Interfax.  18 Metallzylinder mit dem strahlendem Material wurden gefunden. Kurz darauf explodierte im zweiten Flughafen Moskaus eine Bombe. Von Rache für das konfiszierte Atommaterial war allerdings in Deutschland nicht die Rede. Vielmehr wurden die Russischen Sicherheitsleute als unfähig dargestellt. Der Schutz sei ungenügend gewesen. Unlogisch, wenn Wochen zuvor „ein modernes Kontrollsystem“ am anderen Flughafen Nuklearmaterial aufspürte.

http://www.dw-world.de/dw/function/0,,83389_cid_14788383,00.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741403,00.html

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/acht_auslaender_unter_terror-opfern_in_moskau_1.9214376.html

http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/NachrichtenTicker/2097791-53/anschlag-in-moskau—zwei-briten-tot.csp

Um Nuklearmaterial geht´s auch im neuen Bruce Willis Film „Die harder 5“. Ein Castor-ähnlicher Behälter wird von Helikoptern befördert. Menschen in Schutzanzügen sind zu sehen. Mehr wird nicht verraten. Nur, daß die Funken sprühen.

In jeder Hinsicht. Und vielleicht ist ja das auch gemeint mit den Scores: „Freude schöner Götterfunken“. Schießerei um´s Atom.

Image

Und: möglicherweise auch um elektronische Waffen. Wenn Bruce Willis der Tradition der „Die harter“- Serie treu bleibt. Darin spielten elektromagnetische Interferenzen stets die Hauptrolle. Attacken gegen die Steuerungselektronik und das Satellitennavigationssystem gps rammten ein Flugzeug in den Boden. In „GI Joe“ verursachen sie eine Massenkarambolage. In Nigeria bringen sie Leute um, und in „Die harder 4.0“ springt das Fahrzeug gar nicht erst an. „Pirate Gun“ der anderen Art: taser, ray guns und elektromagnetische Wellen sollen Piraten in Schach halten, wenn Patronen von der Schiffswand abprallen.

Vielleicht kämpft er auch gegen Russische Raubkopierer. Und es ist eine Anspielung für Insider. Wer in Deutschland von den Produzenten profitiert hat, während andere, für die das Ganze eigentlich gedacht war, auf der Strecke blieben.

Im Film gehen die Richtigen drauf. Was aus dem Atommaterial wird, ist im Trailer nicht zu sehen. Er wird als Luftfracht befördert. Im Castor, das heißt „Biber“ und ist der  zweithellste Stern im Sternbild Zwillinge. Das Lexikon „Wikipeadia“ schreibt:

„Dass Castor, der etwa 51 Lichtjahre von uns entfernt ist, ein so komplexes Mehrfachsternsystem darstellt, ist erst seit einigen Jahrzehnten bekannt. (…)

Die Namen „Castor und Pollux“ stehen für das von Zeus an den Sternhimmel versetzte Zwillingspaar der Dioskuren, wobei Castor in der griechischen Mythologie der Sterbliche der Halbbrüder war.“

Vielleicht gibt es deshalb im Film als Partner Jai Courtney als Sohn von Mc Clain.

„Nobody is going to die today“, sagt Bruce Willis im Trailer zu ihm, springt durch eine Glasscheibe, überlebt, landet auf dem Boden, rollt weich ab und wehrt sich mit einer Gewehrsalve.

Image SI

SI(e)H

Ironie in Bildern. Anspielung für Insider in Bewegung. Denn: Gefangenen bleibt oftmals nur der Sprung aus dem Fenster. Bzw. Behörden behaupten gern, ihre Gefangenen seien aus dem Fenster gesprungen, wenn sie Morde vertuschen wollen. Geheimdienste treiben Menschen so sehr in die Enge, daß sie aus dem Fenster springen. Anders als Bruce Willis überleben sie allerdings nicht. Die Liste der Opfer ist lang. Detektiv Stefan Rüdell sprang in Hilden erst durch eine gläserne Tür auf dem Polizeirevier, dann durch´s Fenster und soll dann im Versteck an seinen Verletzungen gestorben sein. So die offizielle Darstellung, wie der Ermittler in Sachen Barschel um´s Leben gekommen sein soll. Auch Heidrun Hofer sprang in München aus dem Fenster. Sie soll von Agenten des Bundesnachrichtendienstes in die Enge getrieben worden sein, erzählte sie dem Fernsehsender Phoenix im Interview. Und der Amerikanische Geheimdienst CIA trieb durch Drogen, Menschenversuche und direkten Mord unschuldige Bürger und sogar ihre eigenen Mitarbeiter zum Fenstersprung. Bruce Willis spricht im Film „RED“ über diese Verbrechen unter dem „Deckname Artischocke“ im ganz realen Leben. (Fernsehfeature und Buch Egmont R. Koch).

Bruce Willis Filme haben alle einen dokumentarischen Hintergrund, sind im Grunde aufwändig produzierte Feature mit teuren Stunts und Spezialeffekten.

Der Filmstart in Deutschland

ist Anlaß, über den real vorhandenen Hintergrund zu berichten:

Russian presidents; souvenir photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Russian presidents; souvenir photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

REDTEAM

VON SUSANNE HÄRPFER

Der Sicherheitschef des Moskauer Flughafens Domodedowo gerät nach dem Bombenanschlag unter Beschuß. Präsident Dmitri Medwedew soll die Entlassung der Sicherheitschefs des Airports verlangt haben. Dies meldet die Neue Zürcher Zeitung unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters. Die Flughafenleitung wies die Anschuldigungen zurück. Alle Vorschriften seien eingehalten worden, zitiert der Spiegel Sprecher des airports.

Dem Anschlag war ein erbitterter Streit um das handling der Sicherheit vorausgegangen. Behörden hätten bewiesen, daß der Flughafen nicht unter Kontrolle sei, heißt es in russischen Medien. Fragt sich, wie dieser Beweis geführt wurde, und was „Kontrolle“ bedeutet. Wird wirklich ergebnisoffen recherchiert und ermittelt, so müssen alle potentiellen Motive der Tat untersucht werden. Nur dann ist der Blickwinkel nicht verengt und können die wahren Täter ermittelt werden. Ging es um Sicherheitsmängel am Flughafen? Wollte jemand darauf aufmerksam machen, daß Sparen an falscher Stelle den Verantwortlichen um die Ohren fliegt? Immerhin heißt es, daß Stellwände aufgestellt waren und alle Reisende durch enge Schleusen mußten. Hinter denen hätten sich die Attentäter verbergen können, gleichzeitig seien auf diese Weise viele Menschen an einem Ort konzentriert gewesen. Auch deshalb habe es so viele Verletzte gegeben. Diese Erkenntnis ist wichtig für Flughäfen in Deutschland und der Welt. War der Anschlag eine Warnung? Fürsorgliche Belagerung? Auch wenn´s zynisch klingt, wurde mit dem Attentat darauf aufmerksam gemacht, daß noch sehr viel mehr Tote die Folge sein könnten, wenn weitere Flughäfen nach der Struktur aufgebaut würden, wie es in Moskau der Fall war? Ähnlich wie die Katastrophe beim Brand des Düsseldorfer Flughafens. Immerhin sollen Flughäfen auch an anderen Orten umgebaut werden, sind Schleusen im Gespräch.

Im Dezember sei im Moskauer Flughafen der Strom ausgefallen. Sind die Meldungen über den Computer-Fehler Stuxnet auch vor diesem Hintergrund zu sehen? Ist critical infrastructure weltweit betroffen?  Welcher Modus führte bei Domodedowo zum Ausfall der Elektrizität?

Oder ging es bei dem Anschlag um Verteilungskämpfe? Also darum, wer den Auftrag bekommt oder erhält, den Flughafen einer der wichtigsten Metropolen der Welt zu kontrollieren. Ging es bei dem Anschlag in Wirklichkeit um Schutzgelderpressung? Um die Frage der Vergabe der Sicherheitsdienste am Flughafen.

Wurde deshalb gemeldet, der Kopf des Attentäters sei gefunden worden? Weil nach dem Attentat Köpfe rollen sollen, Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden sollen? Oder geht es um Schauprozesse? Bei denen vorher feststeht, wer zu gehen habe. Wem galt der Anschlag wirklich? Kann ausgeschlossen werden, daß Organisierte Kriminalität (OK) den Anschlag verüben ließ? Galt die Bombe einem Einzelnen, und dienten die anderen Opfer dazu, zu verschleiern, wer das Ziel war? Falls ja, warum? Ging es bei dem Anschlag um einen Anschlag auf Wirtschaftsstrukturen, Wirtschaftsführer? Also um diejenigen, die den Flughafen benutzen? Weist der Anschlag auf den Flughafen über sich selbst hinaus?

Wurde ein Anschlag auf einen Terrorfahnder verübt, mit vielen Opfern? Sollte gezeigt werden, daß die Identität der Einreisenden bekannt ist, daß die wirkliche Kontrolle über den Flughafen von einer bestimmten Gruppe ausgeübt wird? Niemand sicher ist. Wer die Aufsicht über das Haus Domodedowo hat, kontrolliert die Einflugschneise nach Moskau, hat die Macht über einen Verkehrsknotenpunkt.

Gehörten die Briten, Italiener, Franzosen und anderen Ausländer unter den Toten zu einer Anti-Terroreinheit? Waren sie einfach Zivilisten? Oder gehörten sie womöglich selbst zu den Tätern?

Wurde das Attentat verübt, um weitaus Schlimmere zu verhindern? War ein Attentäter durch alle Vorsichtsmaßnahmen geschlüpft und sollte gestoppt werden, bevor wieder ein verheerendes Massaker angerichtet werden konnte?

Wurde ein Hintermann von vorherigen Anschlägen durch das Attentat liquidiert? Oder wurde ein solcher zufällig mit getroffen? Ging es um eine private Abrechnung? Wurde jemand getötet, der zuvor Selbstmordattentate befohlen hatte? Gibt es in Moskau wie auf den Philippinen „tadtad“, also sogenannte vigilantes, die Attentäter köpfen? Oder führte die Sprengkraft der Bombe zur Abtrennung eines Kopfes?

Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete, russische Geheimdienste seien vor dem Terroranschlag gewarnt worden. Die Schilderung des angeblichen Hergangs ist bemerkenswert. Demzufolge hätten Geheimdienstmitarbeiter nach drei Verdächtigen gefahndet. „Aber denen war es gelungen, ungehindert in das Flughafenterritorium einzudringen, den Augenblick der Explosion zu verfolgen, den ihr Mittäter ausführte, und dann den Flughafen zu verlassen.“ Weshalb die Nachrichtendienstler niemanden verständigten, die Attentäter nicht stoppten, wird nicht gemeldet. Die Formulierung „ihr Mittäter“ lässt sich entweder interpretieren als Versagen der Beamten, oder als Komplizenschaft. Zumal die Nachrichtenagentur den weiteren Verlauf schildert: „Nach allem zu urteilen, sei die Selbstmord-Attentäterin mit einem Auto zum Flughafen gebracht worden, wo sie am Langzeit-Parkplatz ausgestiegen sei, der sich links vom Flughafengebäude befindet, fügte dem der Insider hinzu. Danach, so sagte er, sei die Selbstmord-Attentäterin ungehindert aus dem Erdgeschoss über eine Treppe in die zweite Etage gelangt, wo es keine Bewachung und keine Metall-Detektoren gibt.“ Dies wiederum klingt nach einem Test der Flughafen-Sicherheit, die aus dem Ruder lief. Beim amerikanischen Militär gibt es sogenannte „red team“-Einsätze. Dabei wird getestet, ob Sicherheitsvorkehrungen auch wirklich funktionieren. Security-Kräfte agieren dabei wie Attentäter. Diejenigen, die getestet werden, erfahren davon nichts. So soll gewährleistet sein, daß es sich um Realitäts-nahe Reaktionen handelt. Bei Übungen können sich Beteiligte auf die Situation einstellen, handeln nicht natürlich. Fehler gibt es bei Übungen entweder gar keine, weil alles vorher ausgearbeitet worden ist, oder aber es gibt eine Panne nach der nächsten, weil niemand die Konsequenzen der Fehler zu fürchten braucht. Hielt deshalb niemand die Attentäter auf? Weil Sicherheitskräfte glaubten, es handle sich um die Aufnahmeprüfung ihrer Kollegen? Von den Gruppen, die Attentäter des Olympia-Anschlags von 1972 jagten, hatten Ausbilder des israelischen Nachrichtendienstes genau das Gleiche verlangt. Dies ist nichts Landes-Typisches. Vielmehr verlangen Geheimdienste in aller Welt von ihren Rekruten, Waffen durch Sicherheitsbereiche zu schleusen. Gehörten sie selbst zu einer Fraktion eines Geheimdienstes, und falls ja welcher? Heißt es deshalb, Geheimdienste hätten die Information eines bevorstehenden Anschlags erhalten? Die Polizei jedenfalls dementierte. Sie zumindest hätten keine Kenntnis gehabt. Hatten aber die Attentäter von einer solchen Prüfung erfahren? Und wussten, daß wiederum andere wussten, daß ein „redteam-Einsatz“ angesetzt war. Und nutzten genau dies aus? So wurde aus der Übung, die keine Übung sein sollte, tatsächlich blutige Realität.

Ist deshalb der Film vom Anschlag gedreht wie ein Videospiel? Sicherheitsleute pflegen mit der Bewegung einen Raum zu sichern, mit der die Aufnahmen gedreht wurden. Was Übung ist, was Realität, ist unter diesen Bedingungen schwer auseinander zu halten. Zeigt der Film genau das? Weist der Film daraufhin, daß Simulation und Wirklichkeit, Terror und Terrorbekämpfung nicht mehr von einander zu trennen sind. Die Lage ist unübersichtlich. Der Name des Flughafens Programm – „Domodedowo“.

http://german.ruvr.ru/2011/01/24/41067502.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741403,00.html

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/acht_auslaender_unter_terror-opfern_in_moskau_1.9214376.html

http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/NachrichtenTicker/2097791-53/anschlag-in-moskau—zwei-briten-tot.csp

http://german.ruvr.ru/2011/01/25/41107111.html

http://german.ruvr.ru/2011/01/25/41106102.html

HYPERLINK „http://german.ruvr.ru/2011/01/24/41099796.html“ http://german.ruvr.ru/2011/01/24/41099796.html

http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4204300/create

Spiegel TV Beitrag 27. 2. 2004

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,804596,00.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804231,00.html

Image

Text und Foto Susanne.Haerpfer@bits.de (free lance)

HINTERGRUND

Domo.de Dowo

VON SUSANNE HÄRPFER

Ein Deutscher sei unter den Verletzten des Anschlags auf dem Moskauer

Flughafen, wird gemeldet. Doch sind auch Deutsche unter den Attentätern?

Diese Frage könnte Ermittler in beiden Ländern beschäftigen.

Terroranschläge in Moskau, in Tschetschenien und im Kaukasus scheinen weit

weg zu sein. Ein fataler Trugschluß.

Darauf machte bereits 2004 der Generalstaats -Anwalt Moskaus Sergej

Fridinskij die Autorin aufmerksam. Damals wurde im Rahmen des größten

Schleuserprozeßes Europas öffentlich, daß auch mutmaßliche Terrorhelfer

von Moskau nach Deutschland gereist waren. Als Visa-Skandal war die Affäre

bekannt geworden. „Durch dieses Verfahren der ungeprüften Visaerteilung

kamen hunderttausende Menschen. Schwarzarbeiter, Prostituierte,

anständige, rechtschaffene Menschen, aber auch wie man jetzt erfahren

konnte, tschetschenische Terroristen, die am Anschlag in Moskau

offensichtlich beteiligt waren“, fasste damals Dr. Hans-Peter Uhl, Leiter

des Auswärtigen Ausschusses die Ereignisse für die Autorin bei Spiegel TV

zusammen.

23. Oktober 2002. Ein tschetschenisches Terrorkommando stürmt das Theater

Nordost in Moskau. Bei der Befreiung durch russische Sondereinheiten

sterben fast 160 der Geiseln. Keiner der Terroristen überlebt. In die

Vorbereitung dieses Anschlags sollen zwei Tschetschenen verwickelt gewesen

sein: „Unser Spezialdienst sammelt ständig Informationen über die

Aktivitäten der Terroristen und insbesondere der Brüder Daudov. Wir

glauben, daß diese zwei Brüder und ihre Verwandten an einer Reihe von

Terroranschlägen beteiligt waren, darunter an der Geiselnahme im

Musicaltheater Nordost“,  fasste der damalige Moskauer Generalstaatsanwalt

die Erkenntnisse zusammen. Bereits im März 2002 hatte der russische

Geheimdienst FSB das Bundeskriminalamt (BKA) vor dem clan gewarnt. Dennoch

hinderten weder russische Behörden die beiden an der Aus-, noch deutsche

Behörden an der Einreise. Auch die Wiedereinreise nach Moskau war den

beiden Tschetschenen möglich. Waren also Behörden beider Länder blind? Und

warum? Geschah dies auf Geheiß, und falls ja, von wem aus welchen Gründen?

War der Name der mutmaßlichen Terrorhelfer Programm? Ein DAU steht in der

computer-Welt für den „dümmsten anzunehmenden user“. Und genau das

geschah, der Warnhinweis des FSB an´s BKA wurde nicht in´s europäische

Computernetz gestellt, das alle Einreisen aus Problemstaaten in die

Schengenländer registriert. Da Russland nicht als Problemstaat gilt, griff

die Regelung nicht. Die Brüder reisten im April und Juli 2002 nach Dresden

und telefonierten von dort mit konspirativen Wohnungen in Moskau. Dies

ergaben Überprüfungen von LKA und BKA. Schauten also Dienste beider Länder

gezielt weg, geschah das Attentat auf „Dubrovka“ gewissermaßen unter den

Augen der Behörden beider Länder? Galten die Brüder als „über jeden

Zweifel erhaben“? Oder sollten Abweichler ausgeschaltet werden? Beides

wäre eine weitere Lesart des Namens in „Denglish“ – doubt off. Auch

Deutsche Ermittler sind zum Handeln aufgefordert.

Zumal „Zwei der Beschuldigten verstorben sind“.

Dies teilte mir Marcus Köhler, Staatsanwalt beim Bundesgerichtshof auf meine Anfrage mit. „Die Bundesanwaltschaft hat daher die Ermittlungen im Zusammenhang mit der

Geiselnahme im Moskauer Musical-Theater vom 23. bis 26. Oktober 2002 eingestellt“, so der Pressesprecher Bundesanwaltschaft (Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof) auf Anfrage

von Susanne.Haerpfer@bits.de