Etwas makaber war es schon: 

Bruce Willis film „Die harder 5 – A good day to die“ hat Premiere, und New Yorks früherer Bürgermeister Ed Koch stirbt. 

NY photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

NY photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Es ist, als ob der „Große Göttliche Abberufer“ Bruce Willis-Fan wäre und sich dachte, stimmt eigentlich, warum nicht – das Timing stimmt, die Zeit ist abgelaufen, warum also nicht New Yorks Bürgermeister dann abtreten lassen, wenn der Hauptdarsteller von „State of emergency – Ausnahmezustand“ seinen Film vorstellt. Motto-gerecht. Und: auch Amerikaner können zugleich den Tod des New Yorker Bürgermeisters betrauern, und dennoch über die filmische Glanzleistung jubeln und sich freuen: zumindest Bruce Willis ist noch am Leben, also würdigen wir die Leistung, so lange es noch geht.

Und: es ist sehr wohl möglich, vom Todesfall zu erfahren, und drei Stunden später einen aufwändig geplanten Dreh zu bewältigen. Vorausgesetzt, es kommen nicht weitere Querschüsse. Irgendwann ist es auch für den Belastbarsten zu viel. Wie für den Bürgermeister von New York. Herzinfarkt. Wodurch dieser verursacht wurde, was genau den auslöste, schrieben die Zeitungen nicht. Noch nicht.

„Die harder“-Filme handeln of von elektronischen Waffen, Kriegführung und Terroranschlägen mit elektronischen Angriffen. So begann es: ein Flugzeug im Landeanflug. Terroristen haben einen gps spoofer, einen gps Jammer und gaukeln dem Flieger eine bestimmte Position vor. Doch anders, als die Abstandswarner und Entfernungsmesser es suggerieren, befindet sich die Passagiermaschine bereits viel näher zur Erde. Touch down. Die Maschine crasht, die Menschen sterben.

Solch ein Eingriff in die elektronischen Steuerungssysteme ist in der militärischen Kriegführung bekannt. Dieselbe Technik lässt sich auch im Straßenverkehr einsetzen. Im realen Leben. Für Polizisten, um Flüchtige zu stoppen. Aber auch Terroristen können erst Anschläge verüben, dann Polizei-Wagen am Wegfahren hindern oder sie bei voller Fahrt stoppen. Technik funktioniert immer. Gegen die Guten, und gegen die Bösen. Daran versuchen Bruce Willis-Filme zu erinnern. Eindringlich, eindrücklich, die Fakten stimmen, und sind dennoch keine drögen Konferenzpapiere, die kaum jemand liest. Sondern sie geben den Betroffenen die Chance, worum es geht, wenn sie sich elektrische Autos kaufen, oder sich von einer Technik abhängig machen, oder Politiker wählen, die entweder die Technik fordern, die gegen Bürger eingesetzt wird, oder die nicht wissen, was sie da eigentlich tun. Und: Bruce Willis-Filme sind die besten Präsidenten-Berater, und geben Politikern die Chance, komplizierte Sachverhalte auf leicht-verständliche Art zu lernen – wenn sie es denn wollen. Bruce Willis-Filme haben optisch aufgezeigt, was drin steht in den Papieren von security-Konferenzen, Übungen und Ernstfällen, die als Katastrophenschutz-Übungen bezeichnet wurden.

NY befor 911, photography Susanne.Haerpfer@bits.de

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Ein guter Anlaß also, um über ein weiteres Thema zu berichten, das Teil war der Workshops unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Energieministeriums Department of Energy [DOE].

„Die gefaehrlichsten Bedrohungen und schlimmsten Albträume“

(„Most severe threat scenarios /worst nightmares„), so die Selbstbeschreibung, wurden am 17 August 2001 veröffentlicht.

Die Szenarien lesen sich wie ein countdown zu den Anschlaegen am 11 September 2001.

Diese waren zunächst als vertraulich bis geheim eingestuft. Der Präsident setzte die üblichen politischen Wege, Gremien und parlamentarische Beteiligung außer Kraft. Der Präsident ermächtigte dazu Menschen, Institutionen, Behördenvertreter und Firmen-Repräsentanten – vorbei an politischen, behördlichen, parlamentarischen Wegen, Befehlsketten und Befugnissen. Er stattete diese Gruppe mit Sonderbefugnissen aus. Im Grunde wurde vor dem 17.8.2001 eine Parallelregierung gebildet. Die Regierungsvorschriften, wie man die Regierung außer Kraft setzt (Ermächtigung), gibt´s auch – auf dem Papier alles legal und daherkommend in unscheinbaren Formulierungen. Welche Konsequenzen das hat, was auf dem Papier so leicht überlesen wird, ist unter anderem im Film „Wargames“ und „Wargames II“ zu sehen. Plötzlich marschieren Regierungsvertreter und Militärs ein und verdrängen die anderen Regierungsvertreter und Militärs von ihren Posten und Möglichkeiten.

„Q: Did the Commission have the ability to classify its work?

A: Yes, in February 1997 the Chairman of the PCCIP was granted original classification authority by the President of the United States. (…)

It was a Presidential grant of authority in accordance with the provisions of Executive Order 12958″

http://www.iwar.org.uk/cip/resources/pccip/faq.html

http://cgsr.llnl.gov/CGSR/Document.jsp?T=D&ID=14″ \t

Details:

http://www.osti.gov/ostihistory.html

http:/ /www.ntis.gov/

http:/ /www.llnl.gov/tid/Library.html

http://cgsr.llnl.gov/CGSR/Document.jsp?T=D&ID=28)

45 Arten, Terror zu verbreiten, wurden beschrieben.

Dazu gehören neben nuklearer Bedrohung, biologischer Kriegführung, Raketen- und Weltraumtechnik, auch elektronische Kriegführung, und zwar über den Einsatz in und durch computer hinaus. Die Gruppe beschäftigte sich mit der Frage: was geschieht, wenn der Geist aus der Flasche kommt? Was wird zerstört, wer stirbt wie, wenn die Elektronik die überall vorhanden ist, für Vernichtung eingesetzt wird? Wie wird ein Handy zur Waffe? Wie tödlich ist die Elektronik in U-Bahnen, Fahrstühlen und Lüftungsanlagen? Was geschieht, wenn keine konventionellen Bomben eingesetzt werden, sondern frustrierte, skrupellose, Geldgierige Angestellte Sabotage betreiben? Was, wenn gewissermaßen Wall Street angreift? Aktienrecht außer Kontrolle – Zerstörung steigert das Bruttosozialprodukt, überspitzt formuliert. Erst wird alles in Schutt und Asche gelegt, dann wieder aufgebaut. Und trader und Elektroniker und Informatiker, die dabei mitmachen, verdienen immer. An Wetten auf die Vernichtung, und am Wiederaufbau. Es verlieren: die Betroffenen.

„All the genies are out of the bottles“, schrieben die Autoren des 2000/01-Papiers.

„Interconnectedness: Disinfrastructurization“, heißt die Mode-buzz-Worte, die so harmless klingen und dabei Bedrohungen benennen, die gefährlicher sind als jede Smith and Wesson.

„Besonders „interessant“ sei an den „weltweiten Verbindungen“, daß die Täter nur von anderen Tätern mit entsprechender Ausstattung geortet werden können. Und: es macht das Mafia-Prinzip einfacher. Jeder erfährt nur einen minimalen Teil und ist abgeschottet von den anderen. Das wahre Ausmaß, die wirklichen Beweggründe, die Folgen des eigenen Handelns, wozu die Aufgabe, die man erhält, wirklich dienen soll, wird immer schwerer überschau- und nachprüfbar.

Einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte, erhielten einige bereits im Jahr 2000. Kein internet mehr. Internet, also der Zugang zu Information und Kommunikation war plötzlich abgeschnitten. Und so erlebten plötzlich Angestellte und Beschäftigte in security-Bereichen dasselbe wie Arme.

Das Wort „cyberwar“ erweckt den Eindruck, nur klassische Terroristen würden Netze angreifen und lahmlegen. So wird verschleiert, daß es oft politische Entscheidungen und wirtschaftliche Überzeugungen sind, die dazu führen, daß Lebenswichtige Dinge und Leistungen fehlen. „Denial of service-Attacke“ klingt vornehmer als Sachbearbeiter, die einfach Gelder nicht überweisen, Gerichte, die kein Recht sprechen, Erpressung und Betrug durch Telefon- und internet-Abzocke.

In den Workshops vor dem 17.8.2001 und in den Spielfilmen wird sichtbar:

„Denial of service and cyber pathology Attacke“ – davon sind alle betroffen. Nicht nur diejenigen, die in Regierungsbüros arbeiten oder Militärprojekten. Sondern auch diejenigen, die Unteraufträge abarbeiten und deren Alltag weniger glamourös ist, als Bezeichnungen wie Isotopenanreicherung, Robotics, precision machining und satellite imaging klingen.

Und: selbst diejenigen, die in Büros arbeiten, die aussehen wie bei Jack Bauer in der Serie „24“ haben ein Problem, wenn das Auto nicht anspringt, die Bahn nicht fährt und die Telefonanlage (TK) ausfällt.

Und jeder Fernsehzuschauer und Kinogänger sollte sich fragen: wie erpressbar ist man? Was wäre, wenn Regierungsbeamte oder Firmen etwas wollen, was der eigenen Überzeugung zu wider läuft. Ist es das wirklich wert? Das, was im Film „Enemy of the State“ dem Protagonisten widerfährt, geschieht tatsächlich. Menschen werden entzweit. Leute, die Regierungshandeln aufdecken wollen, greifen manchmal zu denselben Mitteln, die sie der Regierung vorwerfen. Werden sie dann erwischt, knicken viel zu viele zu rasch ein. Und fallen so weit hinter dem zurück, was sie sonst gedacht und getan hätten. Völlig unnötig noch dazu. Denn: um wirklich Skandale aufzudecken, braucht man nur in den seltensten Fällen Geheimpapiere. Das meiste ist nicht eingestuft. Das meiste ist öffentlich. Man braucht die Zeit und die Ernsthaftigkeit, sie zu suchen, zu finden, sie aufzuspüren, zu lesen, zu verstehen, nachzufragen bei den Betroffenen und dann drüber zu berichten. Wer sich darauf beschränkt, wird feststellen, bekommt plötzlich Probleme von unerwarteter Seite, und dies gleich so heftig, daß man meint, mittendrin zu sein in „Enemy of the State“, nur ohne Sicherheitsleine eines Produktions-Etats.

„Adding a sixth element, “de-motivation,” nannten die Autoren des 2001-Papiers das.

Ebenso wie die Filmtitel „Fifth Element“ und „Sixth Element“.

Manhattan and beyond - SI(e)H

Manhattan and beyond – SI(e)H

Photography and article by susanne.haerpfer@bits.de