Bombenanschläge und andere Attentate bringen in diesen Tagen in Quetta zahlreiche Menschen um.

Quetta liegt im Nordwesten von Pakistan, an der Grenze zum Iran. Das Pendant auf Iranischer Seite ist die Stadt Zahedan. Zwischen beiden Orten gibt es seit Jahrzehnten einen kleinen Grenzverkehr. Traditionell passieren Kamelkarawanen die Grenze. Es folgten Autos, Busse und Züge.

Quetta gilt als Ort, in dem Waffen hergestellt werden. Je nach Blickpunkt des Betrachters und der Zeit der Berichterstattung ist das Lokalkolorit, traditionelle Handwerkskunst, handwerkliche Geschicklichkeit oder Markenpiraterie, Imitate, Gefährdung von Frieden, Sicherheit und Ordnung oder schlicht Kriminelle Fertigungsstätte, Lieferanten von Organisierter Kriminalität und Terrorismus.

Jetzt scheint es wieder so weit zu sein. Machtkämpfe um den Ort, auf der Strecke bleiben die Menschen. Wer will das Wissen der Waffenschmiede unter seine Kontrolle bringen? Wer sind die Guten, wer die Bösen. Das schreiben dieses Mal noch nicht einmal lokale Medien, oder wirklich Interessierte müssen länger und aufwändiger suchen, oder aber selbst hinfahren – wenn eine solche Recherche ermöglicht würde.

Die Anschläge, denen so viele Menschen zum Opfer fallen, könnten das bezwecken, was bereits 2008 versucht wurde, vorweg zu nehmen.

Am 24. April 2008 hielt der Präsident des Bundeskriminalamts – BKA – Jörg Ziercke einen Vortrag in der Stadt München. Er war einer Einladung gefolgt des privaten Sicherheitsdienstleisters „Advanced security“ (AS) und der Firma Mc Donalds. Erschienen waren d i e Experten für security-Themen. Ich durfte teilnehmen, weil mich Helmut Brückmann eingeladen hatte, der Chef der Fachzeitschrift CD-Sicherheitsmanagement, für die ich geschrieben habe.

Den Vortrag Zierckes illustrierte unter anderem eine Karte der Region um Quetta. Doch: Quetta wurde nicht gezeigt als ein Ort, der sich auf einer Linie zum Iranischen Pendant Zahedan befand, sondern

die Stadt war nördlich gerutscht – dorthin, wo sich Kandahar eigentlich befindet;

vgl. auch:

http://www.thenews.com.pk/article-85920-Quetta:-3-suspects-held-during-operation

http://www.thenews.com.pk/article-86183-Man-gunned-down-in-Quetta

und Porträts in den unterschiedlichen Sprach-Versionen von Wikipedia.

photographed at BKA-presentation in Munich

photographed at BKA-presentation in Munich

Bereits damals stutzte ich und fragte nach, doch erhielt keine Antwort. Auch nicht beim anschließenden Abendempfang.

Die jetzigen Attentate sind für mich der Anlaß, darauf hinzuweisen.

Was sollte die Karte mitteilen?

Sollte gewarnt werden? Vor dem, was jetzt geschieht? Nämlich gewalttätige Kämpfe um die Stadt? Warnung vor dem Versuch, die Grenze zu verschieben? Den Ort aus Pakistan zu reißen und Afghanistan einzuverleiben?

Herrschte bereits damals Krieg mit Grenzverschiebung?

Handelte sich bei dem Vortrag um einen Lagebericht, der faktisch

beschrieb, was damals nur insider wussten – dass es bereits zu einer

Grenzverschiebung gekommen war – also Afghanistan nach Pakistan

vorgedrungen war?

Handelte sich um eine Vorwegnahme von Ereignissen? War es ein Hinweis,

dort werde es zu Auseinandersetzungen kommen.

Im Mai 2009 wurden bereits Anschläge gemeldet. Ich fragte bei der Zeitschrift CD-Sicherheitsmanagement, erhielt allerdings keine Antwort.

War die Karte damals falsch? Und das BKA konnte nicht eingestehen, daß die Karte einen Fehler enthielt?

Oder stimmte die Karte, aber dies durfte mir nicht eingestanden werden,

weil die Information noch eingestuft war als vertraulich, geheim, NATO Comic oder noch höher?

War die Karte ein Test? Von Wissen und Aufmerksamkeit? Wer merkt´s? Wem fällt´s auf? Wer fragt nach?

Immerhin war ich 1996/1997 mit einer Kollegin in Pakistan. Wir erhielten vom damaligen Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Pakistan das Angebot, mit ihm nach Zahedan zu reisen. Dafür suchten wir die Iranische Botschaft auf. Denn: wir hatten bereits von Deutschland aus ein Visum für den Iran beantragt, und dieses sogar erhalten: in New York bekamen wir unsere Pässe mit Visum für den Iran per Boten. Doch: unsere Reise hatte länger gedauert, und das Visum war abgelaufen. Also beantragten wir die Verlängerung. Hatten allerdings nicht mit dem Ausmaß von Lokalkolorit gerechnet. Als wir in der Botschaft erschienen und unsere Fotoapparate offen trugen, schrie uns der Wächter an, wir würden heimlich Fotos von der Botschaft machen und jagte uns davon. Das war´s dann. Die Logik erschloss sich uns nicht. Was wäre denn passiert, wenn wir die Kamera nicht offen getragen hätten? Sei es wie es sei, wir gehörten jedenfalls zu den wenigen, die im fernen Deutschland und den USA ein Visum für den Iran erhielten, und es dann im geografisch nahen Pakistan nicht verlängert bekamen. Und so reisten wir nie in den Iran.

von Susanne.Haerpfer@bits.de

my passport with Pakistan visa entry photographed by me, Susanne.Haerpfer@bits.de

my passport with Pakistan visa entry photographed by me, Susanne.Haerpfer@bits.de

Gestern erhielt ich folgende ergänzende Antwort von der Pressestelle des Bundeskriminalamts:

„Sehr geehrte Fr. Härpfer,

nach unseren Recherchen (open source/Internet) sind die Orte in der damaligen Karte

nicht falsch dargestellt – Quetta könnte man ggf. etwas nördlicher einordnen.

Die Karte diente 2008 lediglich der optischen Unterstützung des Vortrags, der sich

in diesem Punkt allgemein mit dem Thema „Rückkehrer nach Deutschland“ aus dem

pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet befasste.

Diese Karte wird nicht mehr verwendet.“