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the perfect location from my perspective: susanne.haerpfer@bits.de

Bruce Willis has been quoted as longing for producing a movie in Germany. Well, in case you are looking for elegance, why not give it a try in Hamburg.

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Atommaterial und Autos, Elektronik und Ereignisse in Moskau, und leider auch einiges im Film ist „out of control“.

Gestern hatte der Film „Die harder 5 – Ein guter Tag zum Sterben“  Premiere in Hamburg.

Material erschlägt die Message.

An manchen Stellen wirkt der Film wie ein „making of“.

Dennoch ist der Film amüsant anzuschauen. Es gibt wundervolle, wirklich liebevoll gedrehte Stadtaufnahmen. Moskau ist in das Licht von Vatikanstadt getaucht, und die Innenaufnahmen sehen so aus wie damals – Grandios.

Das timing stimmt. Und die Ereignisse in der realen Welt geben Bruce Willis Recht. Zum Filmstart hagelt´s Trümmer aus dem All. Meteoriten-Einschläge meldet Spiegel online gerade:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/meteoriten-hagel-in-russland-a-883565.html

Zeit, den Film „Armageddon“ mit Bruce Willis in der Hauptrolle zu wiederholen.

Symbolic photo by me, Susanne.Haerpfer@bits.de

Symbolic photo by me, Susanne.Haerpfer@bits.de

Im Film unterhält sich Bruce Willis höchst amüsant mit dem Taxifahrer über „Traffic“ – das heißt Autoverkehr und Stau, aber auch Handel und Schmuggel und internet-Übertragungsrate. 

Der Insider lacht, am Rest geht der Witz und die Liebe leider vorbei. Und das ist die Krux; nicht nur von „die harder 5“, sondern von fast allen Filmen, die zur Zeit beworben werden.

Materialschlacht. Immer gewalttätiger, immer mehr Trick. Auf der Strecke bleibt der Ideenreichtum, den einige der crew-Mitglieder entwickelt haben. Am Schluss des Films wird eine Schrifttafel eingeblendet. Sie zeigt, wie viele Arbeitsstunden drin sind in „Ein guter Tag zum Sterben“. Doch die Zahl kann man sich noch nicht einmal aufschreiben, schwups, ist die Tafel auch schon weggeblendet.

Größe ist, wenn´s einfach aussieht. 

motto photographed by me, susanne.haerpfer@bits.de at Stefan´s

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Diese Weisheit trifft zu, aber wenn die Masse Größe gar nicht mehr als Grandezza erkennt, sollte etwas verändert werden.

Slow food machte den Anfang. Weshalb also nicht auch „Die harder“ und andere Filme im slow down-Modus. Show down spielt sich in der Wahrnehmung der Beteiligten auch in Show motion ab. Weshalb also nicht den ganzen Spielfilm in dem Rhythmus konzipieren, wie es in einigen Bildern zu sehen ist.

Der Saal mit den bronze-farben ausgeleuchteten Kronleuchtern und Holzstühlen, die in ihre einzelnen Atome zerlegt werden, während Bruce Willis und sein Film-Sohn durch´s Fenster springen – schnell und doch langsam. Das Glas splittert, die eisblaue Anmutung entspricht unseren Sehgewohnheiten.

Zu entdecken für diejenigen, die wissen: es gibt diese Details. So könnte der ganze Film aussehen. Wenn…

genügend Zeit wäre.

Wenn…:

Die Fassung der sneak preview wirkte jedenfalls, als sei Hauptdarsteller Bruce Willis nicht einverstanden mit dem, was er am Drehort vorfand. O-Töne schienen keine Statements zu sein, sondern sarkastisches Runterputzen der Crew vor Ort.

Worum geht es eigentlich? fragt McClain. Offiziell geht es um Nuklearhandel. Doch wer da eigentlich womit handelt und wieso, scheint Niemanden so wirklich klar zu sein. Die Handlung und der Inhalt gehen unter in Trickgrafik, Stunts und Bilder, die Betrachter erschlagen.

Außer in dem Augenblick, wenn der Protagonist vor hunderten von Aluminium-Transportkisten steht, wie sie bei Filmproduktionen verwendet werden. „Whatis in those boxes?“ will er wissen. Filmproduktionen können  missbraucht werden;  für Atomschmuggel zum Beispiel.  Fachleuten wird das klar. Aber der Rest versteht´s nicht. Denn niemand sagt´s. Auch keine Handlung führt dorthin. Filmische Auflösung? Fehlanzeige.

Die praktischen Metallkisten sind eben auch lauter Mini-Atombomben, oder die Hülle dafür. Big shitsky, würde ein bekannter deutscher security Experte sagen. Vielleicht könnte er auch die Frage beantworten, was philippinische vigilante Gruppen in Moskau zu suchen haben.  Im Film-Text und im richtigen Leben. So manches Gezeigte könnte sich so auch in der Wirklichkeit abgespielt haben. Dann treffen die Produzenten und Regisseure und Stunt-Lehrer Menschen, die sie vom gemeinsamen Training her zu kennen glauben bei Leuten, mit denen man so gar nichts zu tun haben will. Out of control.

Man hat den Eindruck: Bruce Willis ist unter Stress. Ein vielbeschäftigter Mann (klar ist er das). Der Arbeit delegiert. Und die Leute, an die er die Arbeit delegiert, beschaeftigen ihrerseits Subunternehmer, und die wiederum vergeben auch Unterauftraege. Ebenso wie die  Regisseure und location scouts und script Entwickler und Cutter etc usw. Bis am Schluss die Darsteller anreisen und erkennen: sie dienen als staffage für Rufmord, Rache,  Rüstungswerbung. Weil Subsubunternehmer am Werk waren, denen egal ist, was sie tun. Hauptsache, die Kohle stimmt, und es gibt genügend stunt-Szenen, an denen all diejenigen viele viele Rubel verdienen, die eigentlich kritisiert werden sollten.

Es gibt aber auch aufwändige Ausleuchtung. Kronleuchter. Lichtführung Sergej? Großes russisches Fernsehen? Im guten Sinn.  Mit viel Liebe für´s Detail gemacht.  So wie damals bei meinen Dreharbeiten über Atommord für metaproductions. Einige Aufnahmen im Film sind so aufwaendig ausgeleuchtet, als wollte das Kamerateam sagen: soll es so werden wie damals? Ja? Gerne.  Es ist uns eine Ehre!

In Moskau für metaproductions, ich Susanne.haerpfer@bits.de

In Moskau für metaproductions, ich Susanne.haerpfer@bits.de

Das sind die Momente, in denen man Bruce Willis recht gibt: Was soll´s, wir hatten doch einen recht guten Tag, oder? Ja, das haben wir. Wir lachen über all die Autos, die gekonnt zu Stahl geschrottet werden. So wird´s bald überall aussehen. Wagen, die wie früher Spielzeugautos nur für eines gut sind: Crash. Ein einziger Klumpen Metall – das ganze rasant geschnitten.  Die Musik stimmt, der Takt, die Empfindung trifft´s ziemlich genau. Nur der Schnitt nicht, der scheint wie beim Lotto oftmals zwei, drei Takte daneben zu liegen.

It´s time for total Destruction.  Nun denn:  die Zerstörung möge beginnen. Wenn da nicht das schlechte Gewissen wäre: Gewaltverherrlichung, und den falschen Leuten eine Plattform bieten.  An einigen Stellen wirkt der Film, als sei er von denen verantwortet worden, die auch GI Joe verbrochen haben.  Wie der Versuch, mit allen Mitteln Bildaussagen unter zu schieben, die rechtsradikal sind.

Pauschales Vertrau mir? Nein, besser nicht. Nur wer die absolute Kontrolle über Bildaussage, Inhalt und den kompletten Film hat, kann sich nicht nur auf sich selbst verlassen. Die Erfahrung hat die crew bereits in Nigeria gemacht. Jetzt also Nigerianische Verhältnisse in Moskau , und das ist wieder ziemlich nah dran an der Wirklichkeit. Hoffen wir also, daß der Star des Films nicht gezwungen wird, zu sagen: I wanted to help and now I get offended; sondern sich alles in wirkliches, wahrhaftiges, befreiendes Lachen auflöst.

Urkomisch, wie Bruce Willis vom Flughafen in die Moskauer Innenstadt wie Ulrich Wickert in Paris die Straße überquert: Die harder…

motto photographed by me, susanne.Haerpfer@bits.de at Stefan´s

motto photographed by me, susanne.Haerpfer@bits.de at Stefan´s

Ironie für die Insider, denen sich die vielen kleinen Anspielungen erschließen, die Wortspiele und Hinweise auf Akten beispielsweise:

Durch einfaches, logisches Denken, Kombinieren, Schlussfolgern und ein Quentchen Aufmerksamkeit kommen  Interessierte auf  das, was staatliche Dienste „geheim geheim“ stempeln und viel Bohei drum machen.

Lesen und Reisen und Aufmerksamkeit und Nachfragen – dann braucht man in 98 % aller Fälle nichts Geheimes.

Es könnte so leicht sein, es könnte so einfach sein.

Wenn.

Wenn nicht diejenigen, die sich dann auf der Verliererseite wähnen, alles zerstören würden. Durch Gewalt. Durch brutale Telefonate. Bis man vor Wut und Verzweiflung wie im Film nur noch das Handy gegen die Wand schleudert. Worte können eine Waffe sein. Worte können töten. Leider.

Die harder 5 zeigt leider, wohin es führen kann, wenn nur noch das System von tit for tat -von Rache und Vergeltung regieren.

Wenn „Jurij, Siegfried, Dimitri, Alexander Solzenishin“ in unangenehmen Bilder schlecht behandelt wird. Wie soap opera-Serien-Geschrei, aufgeblasen auf Hollywood-Leinwand. Wenn nur noch Bilder von Menschen in Rage die Leinwand beherrschen, ohne das zumindest in einem ruhigen Erzählstrang hergeleitet wird, wie es zu dem einen Moment im Affekt hat kommen können.

Vielleicht gibt´s eine andere Version? Irritierenderweise hakt der Schnitt öfters im Film . Irgendwie scheinen alle aus dem Rhythmus geraten.  Drei Sekunden zu früh, zwei Sekunden zu früh, es hakt und ruckelt, Totalen auf Totalen, Bewegung in Bewegung täuschen Rasanz vor. An einigen Stellen wirkt der Film, als sei man gezwungen, sich darüber weg zu mogeln, daß leider das meiste Geld für die Stunts, die Grafik und das Material drauf gingen. Dann blieb keine Zeit, sprich kein Geld, um all die liebevoll gestalteten und aufwändig ausgeleuchteten Orte auch tatsächlich zu nutzen. Für  bildliche Auflösungen. Um die Füße des tanzenden Gangsters zu zeigen, zu drehen in close ups und in Halbtotalen hätte das team allein einen Drehtag benötigt. Das kostet. Und ausgerechnet an der Kunst und an dem Handwerk wird gespart. Schade. Dabei hätten die Arrangements der Stühle, ausgeleuchtet wie in einem Gemälde, es verdient, en Detail gezeigt zu werden. Den Raum und die Optik zu bieten für:  Dialoge, für Zwischenschnitte, für all die Handlungsstränge, die nötig sind, um Tiefe zu geben. Rasanz und Action und Inhalt in eine Balance zu bringen. Bild-Möglichkeiten gibt es eigentlich genügend. Es wird wirklich Zeit, sich Zeit zu nehmen.

Dann käme die Action auch wieder zur Geltung.

Und würde Wertschätzung erfahren. Statt verrohten kids immer mehr Reizüberflutung in den Rachen zu werfen. So war es eigentlich nicht gedacht. Also: Zeit es zu ändern. Wachrütteln. Durch Filme. Heißt: Menschen dazu zu bringen, Kompliziertes zu verstehen oder Fakten, die vertuscht werden sollen. Reine Materialschlacht hingegen verschüttet die Wahrheit. Begräbt sie. 

photographed by Susanne.haerpfer@bits.de; remember when electronics disturb the trains

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Und weshalb es Action gibt und Gewalt. Wenn sie eingebunden sind. In Handlung. In Gründe. Wenn das Versprechen eingelöst würde, mit dem man Bruce Willis gelockt haben scheint:

„Double 07 – plain/plane field New Jersey“, zischt McClain fast höhnisch.

Sei doppelt so gut wie James Bond. Es geht um einen Anschlag auf die USA. Und ganz nebenbei klären wir sogar auf, was wirklich geschah am 11. September 2001.

Das könnte man. In der Tat. Wenn nicht am falschen Ende gespart würde.

Wer Bruce Willis so mag wie ich, der kann in „Die harter 5“ die gute Absicht erkennen.

Menschen, die bereit sind, für Bruce Willis Dinge zu ermöglichen, die aufwändig und teuer und etwas Besonderes sind:

Zum Beispiel mit hochauflösenden Kameras zu zeigen, welche Wirkung es hat, einen Hubschrauber in ein mehrstöckiges Gebäude zu fliegen. Die 2001-Anschläge nachgestellt. Katastrophenschutzübung vom Feinsten. Jede berstende Stahlstrebe wird gezeigt. Beeindruckend.

So schön und aufregend kann Materialforschung sein. 

VON: SUSANNE.HAERPFER@BITS.DE