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Behutsam beugt er sich vor, vorsichtig graben sich die Schaufelkanten in den Schotter, langsam dreht er sich, keine ruckartigen Bewegungen, ja nichts fallen lassen, scheint er sich zu denken, und langsam, ganz langsam reicht er dem bereitstehenden Fahrzeug den Inhalt. All dies vollführen ein Kran und der Mensch am Steuer. Es wirkt jedoch, als lebte der Kran. Die Bewegungen sind, als fühlte der Kran, wie vorsichtig er mit der Materie umgehen muß. Mehr noch: als ob der Roboterkran entscheidet: dies ist mir so wichtig, daß ich so sorgfältig und langsam und bewusst die Materie aufnehme und auf das andere Fahrzeug lege. So, wie es Giraffen tun, oder Maulwürfe, Hirten-Hunde mit Welpen und einzelne Heuschrecken. Kinder und Erwachsene mit Gespür gucken fasziniert zu. Kran und Kinder könnten von einander gelernt haben. so als ob beide sich beim Spielen zugeschaut hätten. Roboter können auch etwas Positives sein, das zurückbringen, was verrohte Menschen in den vergangenen Jahren verlernt zu haben scheinen. Wenn man sie denn machen lässt. Freundliche Gleis-Arbeiter haben sie machen lassen. Zu sehen war die Szenerie à la Hollywood im Guten gestern an der Bahn-Station Sternschanze in Hamburg. Können so Bionik und Robotik, Künstliche Intelligenz und Sensorik aussehen? Anlaß für eine Anfrage. 

Und die Idee: Filmaufnahmen dieses liebevollen Krans, kombiniert mit Tieraufnahmen und grüner Gitter-Grafik, wie sie bei n 24 bei den Shaolin-Mönchen zu sehen war, das Ganze auf Musik – könnten einen Beitrag ergeben, einen Spot, Clip, Film. 

Auch über die zentrale Frage, an der sich alles entscheidet, wenn sie nicht nur beschönigende PR verdeckt wird: 

Der Mensch soll das letzte Sagen haben über Roboter. Was aber, wenn der Mensch sich noch nicht einmal an seine eigenen – zehn – Gebote hält? Was, wenn ein Roboter sehr viel umsichtiger, mitfühlender und korrekter handeln will, als manche Menschen es möchten? Was, wenn der Roboter sie zwingt, zu bekennen: on whose side are you on? Mogeln sich Menschen durch ein Schlupfloch? Und verhindern so, daß Roboter das korrigieren, was zuvor Menschen angerichtet haben? Oder soll es so viel Gutes dann lieber doch nicht geben? Könnte ja den Profit schmälern. Was, wenn der Super Cray Computer aufzeigt: dieses „Spiel“ ist nicht zu gewinnen? Was, wenn Computer und Roboter zeigen: Es gibt Grenzen des Wachstums? Was, wenn Computer und Roboter zeigen, das Aktienrecht muß geändert werden? Nicht diejenigen, die möglichst viele entlassen, werden belohnt. Nicht diejenigen handeln wirtschaftlich, die zerstörerisch handeln, damit viel Neues produziert werden kann. Sondern: geht so behutsam mit Schotter und Erde um, wie wir es mal bei Euch abgeschaut haben. 

Text und Fotos von: Susanne.Haerpfer@bits.de (freiberufliche Fernseh-Journalistin) 

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