Rot

tropft

der Siegel-Lack,

die Tusche

der Nagellack

die Farbe

das Blut

und formt Zeichen, wie sino-japanische Kalligraphie.

Electronic tiger - symbolic photo beyond PI by me, susanne.haerpfer@bits.de

Electronic tiger – symbolic photo beyond PI by me, susanne.haerpfer@bits.de

Mit diesem Grafik-intro

beginnt der Film

über die Yakuza.

ARTE zeigt ihn am 15. März ab 9.55 Uhr im Fernsehen,

ab heute als Video-stream im internet

und als Wiederholung am 7. März um 0.50 Uhr.

http://www.arte.tv/guide/de/047089-000/yakuza

Der Film-Beginn und Abspann wirken beeindruckend wie ein James Bond-Start. Als ob die Macher rund um die Familie Brokkoli sich bereit erklärt hätten, für die Produktion ihre Arbeitsstunden und Zeit zur Verfügung zu stellen.

Die geschätzte Minute wirkt, als ob – unter normalen Produktionsbedingungen – hunderttausend Euro bereit gestanden hätten; so viel, wie das Feature gekostet haben dürfte.

Image

symbolic photo of what is mine: Susanne.Haerpfer@bits.de

Yakuza

bietet einen ersten Einblick in die Welt, die unter dem Sammelbegriff zusammengefasst werden.

Dahinter lassen sich weitere Ebenen erahnen, die sich demjenigen erschließt, der zu sehen versteht und die Erlaubnis erhält, teilzuhaben und zu dokumentieren.

Wenn der Maßanzug fällt

entfalten sich manchmal Tattoos; befremdlich – und doch in Nahaufnahme erinnern die Körperbemalungen an

die Wandgemälde in den Winter- und Sommerpalästen des Dalai Lama in Tibet, dem Potala.

Es sind dieselben rotgesichtigen Gottheiten, blaufüßigen Diener und bunten Dämonen, die in prachtvollen coffee-table-books zu sehen sind. Zufall? Oder steckt mehr dahinter? Die Yakuza im Feature der Firma Sound & Vision berufen sich auf Shinto – der traditionellen japanischen Religion. Sie falten Servietten und setzen viele kleine Zeichen, die – je nach Zugehörigkeit zu Betroffenen, fremden Experten, Unbefangenen Neulingen – unterschiedlich interpretiert werden.

Wer sind Gangster? Wer wurde zum Outlaw gemacht? Wer kokettiert nur mit dem Status? Zu welchen Verbrechen ist der ganz normale Anzugträger in Büro-Etagen bereit? Grundsatzfragen. Wie im „Experiment“. Wer ist gewalttätig? Wer profitiert? Wer will es genau wissen? Und wer lieber nicht? Könnte ja die Geschäfte vermiesen. Was wissen Manager und Geschäftsleute in Deutschland? Über ihre counterparts? Zwischen Pauschal-Vorverurteilung, Klischee und Verherrlichung. Was ist die Wahrheit? Wie unterwandert ist die deutsche und internationale Geschäftswelt?

Abseits der holzschnittartigen Warnung vor „der“ Gefahr aus China, die dann doch Sicherheitstechnik aus Deutschland erhält, mit der Chinesen und Deutsche gleichermaßen überwacht werden.

Warnung als bloßes Lippenbekenntnis. Was, wenn diejenigen, die das nicht wollen, nur noch Schutz finden bei Gruppen, die als Yakuza bezeichnet werden? Rückkehr zu den Mythen und Bekenntnissen, auf die sich berufen wird, an die sich aber nur die wenigsten halten. Seien sie nun Yakuza oder ganz normale Büro-Angestellte.

Image

photo: SI-e-H

Hintersinn bewiesen die Programm-Macher, die gestern im Anschluss an die Erstausstrahlung des Yakuza-Films das Feature sendeten

„Staatsgeheimnis Bankenrettung“. 

In Zeiten der globalen Wirtschaftskrise und Hartz IV werden zig Menschen direkt in die Arme von Gruppen getrieben, die unser Staat zu bekämpfen vorgibt. Immer wieder läuft es exakt auf die Zuspitzung hinaus. Wer zahlt? Und wer will Hintergründe wissen.

Wer privaten Sicherheitsdienstleistern fünf Euro die Stunde zahlt, darf sich nicht wundern, wenn die Loyalität dem Meistbietenden gehört; selbst wenn es Gangster sind.

Bei „Sound & Vision“ ist ein Yakuza zu hören, der das Prinzip erläutert, das Terrorismus erleichtert. Menschen, die keine Fragen stellen, dort hinfahren, wo man sie hinbestellt, das ausführen, was man ihnen befohlen hat, und nur inständig hoffen, daß keine Angehörigen zu Schaden kommen.

Wer staatliche Sicherheit flächendeckend privatisiert, und als Vergabe-MUST festlegt, nur derjenige erhält den Zuschlag, der das billigste Angebot macht, darf sich nicht wundern, wenn das angeblich Wertvollste direkt an Verbrecher geht. Organisierte Kriminalität bietet die Gewinn-Margen, die es ermöglicht, die (deutschen) staatlichen Vorgaben des billigsten Angebots, zu erfüllen.

inside - symbolic photo of components; SI-e-H

inside – symbolic photo of components; SI-e-H

Teile des Films bzw. der Protagonisten wirken, als seien sie in den Philippinen gedreht, bzw. aus Malaysia.

In der Dokumentation ist ein Yakuza zu sehen, der seine tattoos zeigt; und zwischen all den Gottheiten, Drachen und Koi, strahlt Mickey Mouse. Psychologie? Erinnerung an Kindheitstage, als der Yakuza ein kleiner Junge war, der sich für Mickey Mouse begeisterte. Und gerne ein Leben geführt hätte, wie man es erzählt bekommt, wenn man fünf Jahre alt ist, bis man entdeckt, daß Erwachsene lügen, nicht standhaft sind und nicht kämpfen für das, was sie als Ideal ihren Kindern erzählen. Die dann als Sicherheitsleute bei den Yakuza anheuern. Weil´s sonst keinen Platz gibt. Und entweder auf diese Weise zum Organisierten Verbrechen wechseln, oder tatsächlich Aufnahme finden bei „rebels with a cause“. Kaum etwas ist nur so wie es den Anschein hat. Bei den Yakuza lässt sich diese Erkenntnis besonders gut verständlich machen. Abseits aller Naivität. Von Kulturbeflissenen. Bildungsbürgern.

Wer ist Verbrecher? Wer ist Verbrecher, getarnt als honoriger Geschäftsmann? Wer ist unter der Oberfläche brutal? Wer ist honoriger Geschäftsmann, wird aber als Outlaw verleumdet?

Grundsatzfragen.

Wie wichtig ist uns was, und wer finanziert dies wie?

Welchen Preis zahlen wir wem, weil das vernünftig (= englisch: Sound) kalkulierte Angebot als zu teuer abgelehnt wurde.

Wer hält was aufrecht? Wer darf, wer soll, wer muß Wachmann sein, in Vergnügungsparks weltweit?

Auf ARTE ist ein Yakuza zu sehen, der zugleich Filmfachmann ist. Zu sehen sind Plakate von Filmen, die von Yakuza handeln. In wievielen Filmen spielen aber Yakuza mit, ohne daß der Regisseur es weiß? Der nur nach dem Aussehen geht. Und eines können Yakuza: „bella Figura“ machen – gut aussehen. Perfekt für eine oberflächliche Welt, die nur nach dem aussehen geht und keine inhaltlichen Hintergrundfragen stellt. Wie viele Hollywoodstreifen sind durch Yakuza-Gelder mit finanziert? Wieviele Serien können nur deshalb produziert werden, weil Yakuza das Geld geben? Immer weniger Geld für immer mehr Arbeit – das geltende Aktienrecht treibt die Menschen in die Hände von Organisierter Kriminalität.

Wie viele leitende Büro-Angestellte betreiben und erstreben das, was die Grundlage bildet von Organisierter Kriminalität? Wetten, Prostitution, häusliche Gewalt, Erpressung und Verrat, Doping und Drogen, die erst vermeintlich die Leistung steigern und von Büros beworben und verlangt werden, bis die Folgen sichtbar werden. Wer bekämpft diese kaschierte Organisierte Kriminalität, die sich als normaler Büro-Alltag in unser Leben geschlichen hat?

Welche Gruppe der Yakuza beruft sich zurecht auf die Tradition der Samurai?

Auf 3sat wurde eine Dokumentation über den Kampf um Tibet gezeigt; in der Historie sickerten britische M I 5 und 6 – Agenten als Kartographen und Geographen in die Region, sprangen amerikanische Piloten in der Nähe ab. Angesichts der Bedeutung Tibets als Wasser-Reservoir, Rückzugsgebiet bei Klimakatastrophen, Wissens-Hort, Atom-Testgelände und Kälte-resistenter Ackerbau – mit welchen Mitteln wird der Krieg geführt? Bei den Yakuza gibt es gute und böse, wie überall in der Gesellschaft; aber sie können kämpfen und fallen nicht auf – sind firm in Religionsfragen und Sprachgewandt. Sie können auf beiden Seiten kämpfen; für gute oder für böse Chinesen, für gute oder böse Tibeter. Wer schürt die Gewalt in Tibet, und wer versucht, friedlichen Frieden wieder her zu stellen? Vielleicht müssen wir mit Yakuza sprechen, um auf diese Fragen eine Antwort zu erhalten.

Image

photo & text: Susanne.Haerpfer@bits.de – free lance journalist for television 

Übliches journalistische procedere ist, die einzelnen möglichen Ansprechpartner zu kontaktieren, um mehr zu erfahren. Eine andere Maxime lautet, so zeitnah wie möglich zu reagieren. Schnelligkeit vor Schönheit, Präzision vor Geschwindigkeit. In diesem Fall handelt es sich um eine Fernseh-Film-Besprechung, und ich entscheide mich dafür, erst zu zeigen, wie unmittelbar meine Reaktion ist. In einem anderen Fall von security-Bedeutung habe ich mich dafür entschieden, erst zu fragen und die Antwort abzuwarten, bevor ich online veröffentliche.

Rot

tropft

der Siegel-Lack,

die Tusche

der Nagellack

die Farbe

das Blut

und formt Zeichen, wie sino-japanische Kalligraphie.

Mit diesem Grafik-intro

beginnt der Film

über die Yakuza.