„Der Jahrhundertraub von Quedlinburg – Jäger verlorener Schätze“

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 Umschlaggestaltung Agentur ZERO – photographed by susanne.haerpfer@bits.de

dieses FEATURE zeigt ZDFneo

am

Mittwoch, den 08.05.2013 von 04:45–05:30

und am

Freitag, den 10.05.2013

um 9:10–09:55

In dem Film geht es um Evangelien von unschätzbarem Wert und um Reliquien aus Gold und Elfenbein, Edelstein und Bergkristall.

Sie wurden im Zweiten Weltkrieg geraubt und in die USA gebracht.

Der Sender Phoenix zeigte die Dokumentation am Freitag den 12. April 2013.

Hoffentlich erhalten die Macher des Films Wiederholungshonorare, die über drei Euro fuffzig hinausgehen.

Der Sender selbst weist auf „das Schicksal des Historikers und Juristen Willi Korte“ hin, „der für die Fahndung seine Existenz aufs Spiel gesetzt hat“, so die Pressemitteilung.

Der Film zeichnet den Krimi des Kunstraubs nach

und zeigt die langwierige und aufregende Suche nach den Pretiosen.

Weitere Aspekte sind noch immer nicht erzählt:

Was steht drin in den wertvollen Bibeln und Manuskripten?

Was machte das Buch so wertvoll, daß sich die schreibenden Mönche entschlossen, es möglichst wertvoll zu verzieren, so daß auch des Lebens und Schreibens Unkundige und solche, die selbst nach Lesen den Inhalt noch immer nicht begriffen, es dennoch nicht achtlos wegwarfen, es als Klo-oder schmierpapier benutzten, sondern es über Jahrhunderte sorgsam aufbewahren würden?

Diese Frage wurde noch nicht filmisch umgesetzt.

Wertvolle Gemälde werden manchmal überpinselt, wird die äußere Schicht entfernt, wird eine zweite, faszinierendere Sicht möglich. Auch dies Potential gibt es in der Geschichte um den Quedlinburger Schatz. Was geschah noch in Quedlinburg, was in den USA? Was machten 3000 Soldaten in der Kleinstadt? Und warum erkannten die Vereinigten Staaten die DDR an, in der Quedlinburg lag?

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Ansatzpunkte für weitere Filme. Allerdings gilt es, solche Arbeit auf solide, finanzielle Füße zu stellen.

Die Features werden zwar von öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt. Doch meistens sind die Filme-Macher Freiberufler;

Wie ich es bin. Jeder Freiberufler weiß: Zeit ist Geld. Doch solche Filme benötigen viel Aufwand. Erst für den Inhalt, dann für die filmische Umsetzung.

[Gelungenes Beispiel in der ARD: „Der Agent“ über Werner Stiller]

Wer hingegen am Inhalt spart, erhielte zwar schöne Bilder, aber das Fundament fehlt. Ein solches Negativbeispiel war gestern „Entführt in Damaskus“ beim ZDF.

Manche sind akribisch beim Inhalt, doch für die filmische Umsetzung fehlen Zeit, Geld, Wille, Wissen oder Begabung. Das gilt für viele Politmagazinbeiträge.

Wem seine Arbeit etwas bedeutet, trifft auf Ungerechtigkeit und ungleiche Bezahlung – selbst als Mann.

Der Sender 3sat zeigte ebenfalls die Dokumentation

„Der Jahrhundertraub von Quedlinburg – Jäger verlorener Schätze“

und schreibt, worin der Raub ebenfalls bestand:

Doch für Korte bedeutet dieser Fund kein Happy End: Während Millionen an die Meador-Erben fließen, mühsam als „Finderlohn“ deklariertes Lösegeld, bleibt der Finder auf Schulden in sechsstelliger Höhe sitzen.“

http://www.3sat.de/print/?url=/specials/146230/index.html

Der Film beruht auf 512 Seiten des Buchs

QUEDLINBURG –

TEXAS

Und zurück

Schwarzhandel

mit

geraubter

Kunst

Im Droemer Knaur Verlag von

Siegfried

Kogelfranz

Willi

A.

Korte

„Dabei gerät der kleine Willi Korte, auf sich allein gestellt und von der Konkurrenz als lästiger Scharlatan abgetan, jäh in den clinch mit hochmögenden Kulturstiftungen, der deutschen Kulturbürokratie, mit Weltinstitutionen wie den Auktionshäusern Christies´und Sotheby´s sowie einer Schar von Advokaten, also einem ganzen Haufen übermächtiger Gegenspieler. Er wird amtlich ausgebootet, während andere, die bei ihrer vorgeblich so „eleganten“ Lösung Steuermillionen bei halbseidenen Vergleichen ausgegeben und damit ein böse Beispiel für die Ruckgewinnung weiterer verschollener Kunstschätze setzen“, schreiben die Autoren auf Seite 16.

Die Diskrepanz könnte größer nicht sein: Ruhm und Ehre einerseits, doch von all der Seriösität kann man sich nichts kaufen. Im Gegenteil.

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„Er hatte seit über einem Jahr all seine Arbeitskraft ausschließlich in dieses Projekt gesteckt, aber auch sein ganzes Geld. Jetzt, da er mit allen diesen Menschen in dem stickigen Zimmer der Provinzbank saß, hatte er kaum noch einen Dollar in der Tasche, keine Kreditkarte mehr, die er noch einsetzen konnte, aber hunderttausend Dollar Schulden, und das konnten gleich noch viel mehr werden,“ heißt es auf Seite 9 des Buchs.

So werden ausgerechnet jene zu Opfern, die Monate- und Jahre gearbeitet haben, und sogar Recht erhielten.

Rechercheansatz und -Wege haben sich als richtig herausgestellt.

Doch die Millionen gehen ausgerechnet an diejenigen, die alles getan haben, um diesen Erfolg zu verhindern. Oder an Anwälte, die sich dazwischenschalten, nachdem künstlich Streit entfacht wurde.

Solche finsteren Methoden werden noch immer angewendet.

Insofern ist das Buch und die Geschehnisse um Quedlinburg zugleich eine Parabel für Ereignisse der jüngsten Zeit.

Übrigens:

„Gegen ein Wochenhonorar von 2500 Mark plus Spesen sollte Korte sich noch mal in geeigneten Archiven umtun“, ist auf Seite 67 zu lesen.

Das war 1994.

Seitdem gibt es bekanntermaßen eine Teuerungsrate.

Doch manche Verlage, Sendeanstalten und Produktionsfirmen wollen heutzutage noch nicht einmal mehr das Honorar zahlen, das bereits vor 20 Jahren zu wenig war.

D A S ist der eigentliche „Jahrhundertraub“.

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Von: Susanne Härpfer

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