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Fluglotsen in den Usa sollen entlassen, tower geschlossen werden.

Das berichtet das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ in seiner Ausgabe vom 17 April.

http://www.economist.com/news/united-states/21576124-sequester-action-eyes-wide-open

SPIEGEL online greift in seiner aktuellen Ausgabe das Thema auf.

Beide Magazine beziehen sich auf entsprechende Plaene aus der Us-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration).

Wer sich durch die homepage der Faa wühlt, stellt fest:

Die Behörde ist gespalten in einen Flügel, der die Schließungen als Effizienzsteigernd bewirbt und einen anderen Flügel, der eindringlich davor warnt, Tower zu schließen und Fluglotsen zu entlassen. Dies sei hoch riskant und gefährlich.

Diese eindringlichen Warnungen auf der homepage der obersten Luftfahrtbehörde der USA sind allerdings leider nur für diejenigen zu finden ist, die bereits über das Problem Vorwissen mitbringen.

Die Schließungen der Flugkontrolle ist von langer Hand geplant, es hat nur niemand hören wollen.

Seltsam allerdings, daß bislang weder die Gewerkschaft der Fluglotsen noch andere Beschäftigte der Luftfahrt-Branche das Thema aufgriffen – oder aber, sie versuchten es, und es wurde noch nicht berichtet; selbst nicht während der zahlreichen Streiks in den vergangenen Tagen.

Auch nicht am gestrigen 1. Mai, dem traditionellen Tag der Arbeit und des Arbeitskampfes

1996 verlangte der amerikanische Federal Radionavigation Plan, alle Navigationssysteme außer dem amerikanischen Global Positioning System (GPS) abzuschaffen, und das bis zum Jahr 2010. 

Das Deutsche Bundesverkehrsministerium folgte damals diesem Ansatz.

Dafür wurde der Fachbegriff „sole means“ geprägt.

Die Internationale Pilotenvereinigung IFALPA war entsetzt.

Immerhin ist GPS gegenüber ungewollten und gewollten Interferenzen verwundbar, wie sie durch sogenanntes Jamming und Spoofing, also Stören hervorgerufen werden. Daran ändert auch Galileo nichts; da Satellitennavigation per se angreifbar ist.

Vorfälle in der Vergangenheit hatten gezeigt, dass sowohl Pannen als auch bewusste Störungen des GPS-Signals zum Totalausfall geführt hatten. Während des Kosovokriegs erlebten mehrere Piloten, wie GPS komplett ausfiel.

Einen Ausblick, worauf sich die Europäer auch in Zukunft einstellen müssen, gab unter anderem die Übung „Northern Edge“ 2004 in Alaska.

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Ausgerechnet zum Galileo-Vertragsabschluss im Juni testeten die US-Militärs dort Anti-Jammer-Techniken. Und legten die zivile Nutzung von gps gleich mit lahm.

Besonders gravierend aber könnte der Ausfall für Piloten sein. Wenn GPS oder in Zukunft Galileo ausfallen, dann brauchen Piloten Ausweichsysteme für die Navigation. Da auch Galileo im Kriegs- und Krisenfall abgeschaltet oder zumindest verändert würde, kann es für die zivile Luftfahrt nicht als Backup-System dienen.

Aus diesem Grund wurde das Konzept von „sole means“ ad acta gelegt. Zumal die Skepsis auch durch die Europäische Kommission geteilt wurde: „In der Europäischen Union wird die Abhängigkeit der strategischen Sektoren von der funkgesteuerten Satellitennavigation in fünf Jahren genauso groß sein wie in den USA. Die Unterbrechung oder Störung des Galileo-Signals durch die intelligente Nutzung von Interferenzquellen in den Händen von Wirtschaftsterroristen, Kriminellen oder feindlichen Agenten könnte den ständigen Empfang des Signals innerhalb eines geographischen Gebietes von signifikanter Größe verhindern. Sie könnte die Wirksamkeit der nationalen Sicherheitskräfte, der Polizei und der Wirtschaftstätigkeit ernsthaft schaden, ja sie sogar örtlich lahm legen“, stellte die Kommission im September 2002 fest.

Aber in dem Ausmaß, in dem die Luftfahrt unter finanziellem Druck gerät, werden die Pläne wieder aus den Schubladen geholt.

Trotz der oben erwähnten warnenden Studien, betonte Eurocontrol im Jahr 2000, „letztendlich ist das Ziel des zivilen globalen Satellitennavigationssystems GNSS, künftig als einzige Technik eingesetzt zu werden“ – zunächst nur für alle Flugphasen; also nicht alle bodengestützten Navigationssysteme sollen sofort beseitigt werden. Diese Definition von „sole service“ versus „sole means“ wird auch in einem Vorwort einer Studie von Eurocontrol aus dem Jahr 2003 verwendet. Aber im Fließtext werden die beiden Begriffe nicht nur als Synonyme gebraucht, sondern die Autoren machen klar, dass Galileo auch bodengestützte Navigation als solches komplett ersetzen könne.

Dies wurde auf dem Münchner Galileo-Kongress 2008 bestätigt.

J. Van Dierenbrock vom US-Navigationsinstitut erklärte auf dem Galileo-Kongress, das Ziel sei langfristig, andere, die Luftfahrt unterstützende Systeme, abzuschaffen.

Dasselbe erklärte in München Francisco Salabert, Leiter des Büros für die Satellitennavigations-Policy von Eurocontrol.

Mit dieser Erklärung sorgte er bei Fachleuten für Wirbel.

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Denn: Vergleichbare Pläne wurden zwar bereits in den 90er Jahren präsentiert, nach eindringlichen Warnungen von Piloten, der Kommission des Amerikanischen Präsidenten für den Schutz bedrohter Infrastruktur (PCCIP), des US-Verteidigungsministeriums sowie Experten des Fachorgans Jane´s aber wieder fallengelassen.

Bislang dient das amerikanische Satellitennavigationssystem global positioning system gps Flugzeugen der Navigation, beim Landeanflug kommen weitere Systeme wie u.a. das bodengestützte ILS-Radar hinzu.

Doch Fluglotsen und ergänzende Systeme sind teuer, die Luftfahrtindustrie ist unter Preisdruck. Deshalb soll gespart werden. An einigen Flughäfen wird bereits mit dem Tower ohne Lotsen experimentiert.

Bislang allerdings, so die Einschätzung der amerikanischen Universität Stanford, genügten weder gps allein, noch das Europäische Galileo den Anforderungen der Luftfahrt an ein alleiniges Navigationssystem. Noch gebe es viel zu viele Störungen der Systeme. Dennoch sind offenbar entgegen langjähriger Beteuerungen die Pläne, Satellitennavigation als alleiniges Mittel einzusetzen, keineswegs gestorben, sondern werden wiederbelebt. Ein entsprechender Vorschlag soll der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO in Montreal gemacht werden, so Salabert im Jahr 2008.

„Sole means“ scheint durch diese Hintertür wieder auf die Agenda zu kommen. Auf diese Weise sollen die Luftfahrtgesellschaften und die Luftfahrtindustrie dazu gebracht werden, für Galileo zu zahlen und die Mehrausgaben zu kaschieren durch angebliche Einsparungen bei Fluglotsen und tower.

Trotz der alarmierenden Äußerungen auf dem Expertenkongress für Navigation im altehrwürdigen München schlug niemand Alarm. Aktiengewinne schienen auch und gerade Journalisten vielversprechender zu sein als Fluglotsen und Flugsicherheit. Andere ließen sich bei Tarifverhandlungen einlullen, andere waren zu überarbeitet, um im internet nach meterdicken Studien zu suchen, diese zu lesen, zu analysieren, das Ausmaß zu begreifen und dann auch noch kritische Fragen zu stellen.

Seitdem ich mit dem Sprecher der IFALPA 1999 für SAT1 in London ein Interview zum Thema „sole means“ und gps spoof führte und einen gigantischen Quotenerfolg von 26 % Marktanteil hatte, habe ich das Thema weiterverfolgt und die neuen Entwicklungen stets angeboten – vergeblich. 2008 schlugen saemtliche öffentlich-rechtlichen Fernsehsender meinen Vorschlag aus.

Jetzt zeigt sich leider, meine Warnungen waren berechtigt und sind es mehr denn je; wie die Veröffentlichung im Economist beweist.

Zur Erinnerung: Es gab schon einmal eine eindringliche Warnung davor, sich nur auf Satellitennavigation zu verlassen. Entworfen und vorbereitet wurde der Report über das Ausmaß der Verwundbarkeit der Transport- und Verkehrs-Infrastruktur von John A VOLPE National Transportation Systems center für die US-Verkehrsbehörde Department of Transportation DOT.

Veröffentlicht wurde diese LETZTE WARNUNG als Final Report übrigens am

29 August 2001.

Von:

Susanne Härpfer