Image

copyright for photo, text and overall concept: susanne.haerpfer@bits.de

DER SPIEGEL schreibt in seiner aktuellen online-Ausgabe über Berichte aus dem Erdbebengebiet Chinas. Darin wird auf die Verbindung hingewiesen zwischen den Beben in Sihuan [berühmt seit der Ming und Tang-Dynastie] und Stauseen im weiteren Staatsgebiet der Volksrepublik.

Damit greift das Nachrichtenmagazin frühe Warnungen auf von Chinesischen Journalisten, Wissenschaftlern, Betroffenen, Kritikern und Politikern.

Die amerikanische Nachrichtenagentur upi warnte 2007 vor Plaenen chinesischer Behörden, im Himalaya eine Atombombe zu zünden:

http://www.upi.com/Business_News/Security-Industry/2007/05/14/Walkers-World-The-most-dangerous-place/UPI-87261179157455/

Die Nuklearwaffe sollte ausgerechnet den Teil des Himalaya sprengen, der zuvor von Mitgliedern des Explorers club und der National Geographic Society entdeckt worden war: die Quelle des Tsangpo Flusses.

Dort sollte ein Staudamm nach dem Muster des Dreischluchten-Damms entstehen, wird Professor Chen Chuanyu zitiert.

Weshalb man allerdings den Himalaya radioaktiv verseuchen will und dies nicht mit militaerischer Drohung rechtfertigt, sondern als angebliches Schaffen von Trinkwasservorraeten begründet, laeßt der Artikel offen.

Immerhin waere dann ja auch das Wasser verstrahlt und somit nicht mehr nutzbar.

motto: photographed susanne haerpfer

motto: photographed susanne haerpfer

Es kann sich auch um mißverstandene oder schief übersetzte chinesische Ironie handeln. Vergleichbare Faelle gibt´s. Dann haetten die Chinesischen Wissenschaftler nur sarkastisch das wiedergegeben, was Amerikanische, Französische oder sogar deutsche Unternehmen versuchten, ihnen anzudrehen und die abenteuerlichen Vorwaende, mit denen die Vorstaende und Unterhaendler in China aufgetreten sind. Dann allerdings waere die Kritik daran verloren gegangen im Gestrüpp von Übersetzungsfehlern, Gegen-Stellungnahmen, Schweigen und falschen Dementis.

Immerhin heißt es in dem Beitrag, Professor K.M. Elahi aus Bangladesh warne, das gesamte Areal sei stark Erdbebengefaehrdet. Würden die Plaene des Staudamms verwirklicht – ob mit oder ohne Atombombe – könne dies zu katastrophalen Beben und zugleich zu Überschwemmungen führen und zwar in der gesamten Region von China bis nach Bangladesh. In der Geschichte sind im chinesischen Sihuan durch Erdbeben und der darauf folgenden Flut 100 000 Menschen um´s Leben gekommen.

Auch deshalb rief der Professor andere Laender zu Hilfe, um solche Plaene zu verhindern. Zumal bereits begonnen werde, Menschen aus der Himalaya-Region Tibets umzusiedeln.

2007 habe ich das Thema „geplanter Staudammbau und Sprengung des Himalaya“ deutschen Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern angeboten. Keiner biß an.

Daran sei erinnert angesichts der Erdbeben in dem Gebiet Sihuans, in dem sich der Dreischluchten-Damm befindet.

Dort bebte 2008 schon einmal die Erde so stark, daß auch im Westen im Fernsehen berichtet wurde. Damals schritt die Internationale Atomenergiebehörde IAEA ein, um radioaktive Strahlenquellen wieder zu finden, die bei Erdbeben verloren gegangen waren.

In den vier Uhr Nachrichten des Zdf wurde die Suche nach den Nuklearstrahlern gezeigt.

Sie sollen wieder gefunden worden sein; wohin sie gebracht wurden, weshalb es im Erdbebengebiet 40 Nuklearquellen gab, die verloren gingen und welche Folgen dies hat für die Bevölkerung im Ort und für uns, die von Nahrungsmitteln bis zu Elektronikchips Waren aus dem Gebiet kaufen, wurde nicht mitgeteilt.

on the Chinese ferry from quake striven Kobe to quake striven China; photo: susanne.haerpfer@bits.de

on the Chinese ferry from quake striven Kobe to quake striven China; photo: susanne.haerpfer@bits.de

Kontinuierliche Kontrollen aller Waren, die aus dem Ausland zu uns kommen, gibt es nicht. Nur Stichproben werden gemacht. Dabei findet sich dann radioaktiv belasteter Stahl im Hamburger Hafen. In Rotterdam werden nuklear belastete Nahrungsmittel, Handtaschen, Waschmittelbaelle aus Metall und andere verstrahlte Güter abgefangen. Ein wirksamer Schutz vor verstrahlten Gütern ist dies nicht.  2008 habe ich darüber einen Fernsehmagazinbeitrag für die ARD [PLUSMINUS] gemacht.

Anlaß nachzufragen: wie sieht es aus im Erdbebengebiet – über die menschliche Tragödie hinaus. Wozu werden die radioaktiven Quellen verwendet? Werden Chinesische Arbeiter verstrahlt? Und wenn ja wo in welchem Ausmaß und warum? Wer liefert die nuklearen Quellen? Erhalten deutsche Verbraucher über diesen Umweg zurück, was die deutsch-französische Nuklearkooperation von Areva-Siemens zuvor geliefert hat?

Im Erdbebengebiet gibt es zwei besonders wichtige Produktionszweige:

motto photo copyright: susanne.haerpfer@bits.de

motto photo copyright: susanne.haerpfer@bits.de

Zum einen erzeugen die Menschen in Sichuan Nahrungsmittel: Wertvolle Zitrusfrüchte, Tee, Reis, Weizen – Lebensmittel, wie sie nicht nur Prominente Spitzenköche im Fernsehen bewerben;

Zum anderen Mikroelektronik.

Außerdem kommt Rohseide aus Sichuan.

Nichts davon sollte verstrahlt sein.

Auch nicht, wenn das Gebiet zugleich das Houston von China ist: Tom Hanks in der Sino-Variante startet von hier Raketen in´s All.

Auch Silicon Valley the Chinese way ist mitten im Erdbebengebiet beheimatet.

Wer nach der Atomkatastrophe von Fukushima besorgt fragte, ob sein neuer computer nuklear verstrahlt ist, sollte dies stets tun. Denn was Strahlenquellen anrichten können, ist bekannt. 2008 war die Lage so ernst, daß die IAEA aus Wien Fachleute nach Sichuan reisen ließ. Und jetzt?

Sihuan ist zum einen als High tech- Gebiet deklariert worden, zum anderen als die Region, in der besonders für den Export gearbeitet wird – Verstrahltes aus dem Erdbebengebiet?

fuel-rod like deco on board of Chinese ferry Kobe-Shanghai photographed by susanne.Haerpfer@bits.de

fuel-rod like deco on board of Chinese ferry Kobe-Shanghai photographed by susanne.Haerpfer@bits.de

Es ist möglich, daß ein Machtkampf und Interessenkonflikt ausgetragen wird auf dem Rücken der Bevölkerung im Westen ebenso wie in China und Tibet.

Denn so wie bei uns, wie beispielsweise bei der amerikanischen Luftfahrtbehörde  Federal Aviation Administration FAA, diametral entgegengesetzte Positionen vertreten werden, so gilt dies auch für chinesische Behörden. Wer kann die Konflikte korrekt schildern zwischen Exportvorgaben einerseits und langfristigem Schutz von Umwelt und Bevölkerung andererseits? Wenn Planvorgaben jetzt Aktienkurs heißen, so sind die Auswirkungen dieselben:

Desaster.

Und dies möglicherweise weltweit. Denn der Himalaya beeinflusst nach neuesten Erkenntnissen das Klima so, wie das Gebirge durch Regen, Plattentektonik und Wind zunehmend am Zerbröseln sein soll, so wirkt dieser schrumpfende Himalaya wiederum auf das Wetter. Dies sollen Australische Wissenschaftler zusammen mit Forschern aus München herausgefunden haben:

Schreibt das online-Medium Heise vor exakt zwei Jahren:

HYPERLINK „http://www.heise.de/tp/blogs/10/149664“ http://www.heise.de/tp/blogs/10/149664

Tibetan colors photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Tibetan colors photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Vor diesem Hintergrund ist die Meldung zu lesen des China Meteorological News Press service vor zwei Wochen, also zum Zeitpunkt der Beben:

“in recent years, the meteorological departments carried out rainmaking and made good ecological and economic benefits” 

= Regen machen hat in den letzten Jahren sowohl zu wirtschaftlichen Vorteilen geführt als auch ökologische Vorteile gebracht. Die Aemter und Abteilungen für Meteorologie sind diejenigen, die es haben regnen lassen,“

erklaerte Dr. Zheng vom Chinesischen Zentrum für Wetterbeeinflussung an der Akademie für Wetterkunde und Landwirtschaft CMA:

HYPERLINK „http://www.cma.gov.cn/en/NewsReleases/News/201304/t20130415_210996.html“ http://www.cma.gov.cn/en/NewsReleases/News/201304/t20130415_210996.html

Am 20 April bebte die Erde in Sihuan.

Vom 1 bis zu 24 Maerz wurden in Sihuan und weiteren chinesischen Provinzen Massnahmen zur Wetterveränderung durchgeführt, schreibt Herausgeber Kong yan für die chinesische Behörde für Wetterkunde und Landwirtschaft CMA und beruft sich dabei auf China Meteorological News Press:

“It is reported from CMA that from March 1 to 24, Sichuan, Yunnan, Chongqing and Guizhou in Southwest China took weather modification by plane, which played an important role in agricultural drought relief, forest fire prevention and air quality improvement.”

Am 12 April trafen sich 12 Experten vom “Institute of Atmospheric Physics of Chinese Academy of Sciences”, der Universitaet Peking, der Uni Nanjing und der “Chinese Academy of Meteorological Sciences”, um zu besprechen, wie es mit der Wetterveraenderung in China weiter gehen solle. In der Englischen Zusammenfassung steht nicht das Ergebnis. Es soll aber zahlreiche Chinesische Stellungnahmen zum Thema Wettermachen geben, heißt es explizit in der summary.

Zwei Tage nach dem Beben wandte ich mich daher an die chinesischen Wissenschaftler und die zustaendigen Behörden, um von ihnen mehr zu erfahren. Seit wann wird wie das Wetter veraendert? Welche Folgen wurden festgestellt und zwar nicht nur in den Orten, in denen Flugzeuge aufstiegen, sondern auch in weit entfernten Gebieten Chinas. Per mail fragte ich, ob das Erdbeben mit Absicht ausgelöst wurde, falls ja wie und weshalb? Wer den Himalaya mit einer Atombombe sprengen will, um einen Staudamm zu bauen, der verändert die Landschaft auch auf solchem Wege. Auch nach den Staudammplaenen erkundigte ich mich, und ob man noch immer vorhat, den Himalaya in die Luft zu jagen.

Eine Antwort erhielt ich noch nicht, was aber auch daran liegen kann, daß erst von Chinesisch auf Englisch übersetzt werden muß.

Der SPIEGEL allerdings stellte den Artikel online, in dem über die Gefährdung der jetzigen Staudaemme durch das Beben berichtet wird, und im Januar hatte die deutsche Ausgabe des New scientist über Plaene Indiens berichtet, im Himalaya Staudaemme zu errichten:

HYPERLINK „http://www.newscientist.de/inhalt/wasserkraft-indien-plant-300-neue-staudaemme-im-himalaya-a-877344.html“ http://www.newscientist.de/inhalt/wasserkraft-indien-plant-300-neue-staudaemme-im-himalaya-a-877344.html

Von der chinesischen Landesregierung, Abteilung Wissenschaft und Department für Landesverteidigung, habe ich am selben Tag per mail wissen wollen, ob wieder Nuklearquellen verloren gegangen sind, falls ja, wie viele, was getan wird, um sie wieder zu finden und in Zukunft zu sichern, wieviele Menschen, Tiere, Pflanzen bestrahlt wurden, und weshalb es überhaupt im Bebengebiet Strahlenquellen gibt. Ich fragte auch nach dem Bezug zum geplanten Staudammbau und ob es Interessenskonflikte gibt zum Ministerium für Hydroelectric Engineering and Resettlement (Umsiedlung ) und dem department fuer Wasserresourcen, und falls ja, wie diese ausgefochten werden mit welchen Konsequenzen. Auch die Vorgeschichte interessiert mich.

Immerhin verfügen deutsche und Amerikaner seit den 30 er Jahren Kenntnis über die Möglichkeit es regnen zu lassen und das Wetter zu veraendern. In China weiß man um die technischen Möglichkeiten vielleicht noch laenger.

Das Erdbebengebiet Sihuan war das Rückzugsgebiet der Kuomintang, dem Erzrivalen der chinesischen Zentralregierung.

Von

Susanne Härpfer

Image