14 Reaktoren wurden im Nordmeer versenkt. 

„Das ist eine Katastrophe“, bestätigt selbst der frühere Leiter der Bundesatomaufsicht Wolfgang Renneberg im Feature „Atomfriedhof Arktis“, das ARTE heute ausstrahlte. 

Damit widerspricht er seinem Doppelgänger vom Bundesamt für Schiff-Fahrt BSH, der Atomkraft verharmlost. Bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA soll er jetzt Fische mit radioaktiv verseuchtem Futter vergiften. Welchen Sinn das haben soll, vermittelt er nicht – schließlich ist bekannt, daß Radioaktivität giftig ist. Dafür muß man keine Fische quälen. 

Die Dokumentation konzentriert sich auf versenkte Atom-U-Boote. 

14 Reaktoren wurden ebenfalls versenkt. 

Dies sagen die Autoren im Kommentar, zeigen sie aber nicht und gehen auch nicht näher auf die Gefahr ein. 

Norwegische Aufklärer sollen die Reaktoren lokalisiert haben. 

Die Filmemacher vom SWR zeigen U-Boote am Meeresgrund. Eine britisch-russische Kooperation habe dorthin geführt. 

Wieso Briten und Russen bei Atom-U-Booten kooperieren, informiert das Feature nicht. 

Auftrag für ein Follow up – zum Beispiel an den Militärexperten Otfried Nassauer, wenn er sich endlich finden ließe. 

Eine Aufnahme zeigt einen für zwei Sekunden im Hafen, der ihm ähnelt. 

Ebenso wie die Frage, ob die U-Boote gar nicht havarierten, sondern absichtlich dort quasi „stationiert“ wurden; 

jederzeit abschußbereit inmitten natürlicher Kühlung, ohne daß es Fragen gäbe. Permanent kreuzende U-Boote würden misstrauisch machen, als „havariert“ Deklarierte hingegen gelten als Atomschrott. 

Immerhin wurden die U-Boote mit Titan-Deckel versehen, heißt es im Beitrag. 

Perfekte Zündkapseln also. 

Potential für weitere Magazin-Stücke. 

Die Kollegen von der Umweltschutzorganisation „Bellona“ erzählen vom Zeitaufwand, und es klingt, als ob sie vom Aufwand erzählen, den Freiberufliche Journalisten erfahren, wenn sie eine Filmproduktion wie diese planen. Vor-Recherche, anbieten, einen Produktionsauftrag vom Sender erhalten, Drehreise planen und drehen, sichten, schneiden, texten, produzieren, tatsächlich auf Sendung gehen und die Produktion bekannt machen – all dies kann bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen. Klingt wie ein Klischee über Russland, beschreibt aber die real-existierenden Verhältnisse im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, vor allem dann, wenn es sich um investigative Auslandsberichterstattung handelt, die nicht von den Korrespondenten gedreht wird. 

Die Filmemacher springen auch für den Dissidenten und Atomkritiker Alexander Nikitin in die Bresche. Er hatte in einem Report über die versenkten Atomreaktoren berichtet und wurde verhaftet. 

Angesichts der Verharmlosung der Gefahr durch Westler, stellt sich die Frage, inwieweit nicht nur einige russische Stellen ein Interesse am Kritiker hatten, sondern Westliche Geldgeber der Atomindustrie. 

Nikitin hat seine Freiheit und sein Leben auf´s Spiel gesetzt, damit Menschen im Westen von der Atomgefahr erfahren – unabhängig vom Land.   

Doch im Westen sitzen die Haupt-Verharmloser – und dies in Amt und Würden und mit der Kraft von Bundesbehörden. 

Nikitin wurde 2000 freigelassen. Im Jahr zuvor habe ich für die Sendung „AKTE“ für SAT.1 bei metaproductions in St. Petersburg gedreht. Dort hat die Spezialeinheit Rubop Californium 252 und Blei sichergestellt und die Schmuggler verhaftet, die das Atommaterial aus Murmansk nach St. Petersburg gebracht hatten. 

Von der Verhaftung des Atomexperten zur gleichen Zeit hatte ich nichts gewusst, sonst wären wir/ wäre ich darauf ebenso eingegangen wie auf die Verhaftung des Deutschen Helmut Hofer im Iran. 

von: Susanne.Haerpfer@bits.de