Aus dem Anlaß des Kirchentags, mit Verspätung: 

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foto, text and assignments – to be contacted: Susanne.Haerpfer@bits.de

DIE GROSSE STILLE

KAKOPHONIE überall. GEDUDEL allerorten. Überall ist man Beschallung ausgesetzt.

Die Menschen haben die Stille getötet. 

Vertrieben ist die Ruhe. 

Das größte Luxusgut sind Ruhe und Stille.

Wertvoll, und ausgerechnet das wird zerstört.

Belanglose Boulevard-Aufgeregtheiten und Lala-Beschallung. 

Gequietsche und schlimme Stimmen. Gebölke, Gebrülle, schrilles Geschleime. 

Wohl dem, der über ein Refugium verfügt, an dem man vor all dem Gelärme geschützt ist. 

Der Mensch ist dabei, das zu verlieren, was ihn von Tieren angeblich unterscheiden soll: Intelligenz und kluges Denken. 

Sämtliche Grundvoraussetzungen, die dafür nötig sind, werden systematisch kaputt geaht Plattgewälzt. Vernichtet. 

Nur noch wenige haben:

R U H E.

S T I L L E.

 Saubere, klare Luft.

Den Dokumentarfilm DIE GROSSE STILLE“

ATHMO bestimmt den Film; 

Und bildet auf diese Weise eine Einheit aus Bild und Ton. Geräusche sind zu hören; Stimmen und Stimmungen hat das Kamerateam aufgenommen, ohne in´s Kitschige abzugleiten. Das Feature zeigt das, was jeder gute Kameramann sieht. Details, Texturen – und das große Ganze. Und das, was sich dazwischen befindet. Der Film ist geschnitten, wie GEO-Redakteure ihre Reportagen und Hefte aufbauen: Sinuskurve aus close ups und Totalen, Fakten und Empfindung, Menschen und Tiere und die Dinge, die sie umgeben. Hell und dunkel, Kontraste und Harmonie.

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motto photo: Susanne.Haerpfer@bits.de

Perfektion hat einen Raum gefunden. Perfektion braucht vor allem: Stille. 

Damit Musik erklingen kann, muß es vorher still sein.

Übung braucht Pause.

Wiederholung benötigt Muße.

Zeitgeist-Autoren nennen das „flow“.

Die Mönche würden schmunzeln. 

Vielleicht würden sie sagen. Wir nennen das Leben.

Welche Farbe hat der Atem?

Anthrazit und petrol? Grasgrün und Parkett, Marmor und Rost – wer sehen will, braucht das absolute Gehör.

Wie soll Erkenntnis entstehen, wenn Unvernunft permanent prasselt?

Der Film zeigt: es ginge auch anders.

Die große Stille spricht. 

Die große Stille sagt auch, was Stille nicht ist: verschweigen. 

Dann kreischt der Raum, dann kracht das Beil und spaltet mehr als nur das Feuerholz. Stille braucht Reden. Stille fordert Fakten. Statt Lügen und Nichtigkeiten und Nichts. 

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SI-E-H

Damit Stille lebt, braucht es die freie Entscheidung.

Wer fort kann, bleibt. 

 

Verzweifelt dennoch vor der Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Chancenlosigkeit.

Wenn Stille schreit.

Zusammengefasst in einer Momentaufnahme:

Virtuosität benötigt Möglichkeiten. Ausrüstung.

Ein Journalist ohne notebook, ohne internet, ohne Kamera könnte nicht zeigen, was er kann, worin sein Wesen und das der anderen besteht.

Ein Journalist ohne Arbeitswerkzeug ist wie ein Weltklasse-Klavierspieler, dem man ein quäkendes, ausrangiertes Kinderspielzeug in die Hand drückt. 

Zu sehen in „Die große Stille“ – dann herrscht der Verzweiflungs-Schrei der Grabesruhe.

TOD.

Denn Stille heißt nicht, seinen Beruf nicht ausüben.

Im Gegenteil.

Stille bedeutet, die perfekten Voraussetzungen zu erhalten, um seinen Beruf zu perfektionieren – nach eigenen Vorgaben.

Chancengleichheit.

Nur dann kann Reduktion zur Adelung führen, nur dann wird schlicht zu edel statt zu arm.

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photo in the manner the documentary has been filmed: susanne.haerpfer@bits.de
 

Wenn alle (technischen) Voraussetzungen erfüllt sind, kann eine Kamera mit geringer Auflösung als back up zusaetzlich 

für stilistische Mittel genutzt werden.

Die Autoren des Features haben genau dies gezeigt. Worin der Unterschied besteht.

Nur dann,  wenn diese Voraussetzung gegeben wird. 

Kann aus grobkörnig Kunst werden, aus unscharf Schärfentiefe, aus verwischt Bewegung im Stillstand.

Laienaufnahmen mit dem richtigen Blickwinkel erfahren Anerkennung.

Ohne daß Mittelmaß zum Maßstab wird, Fähigkeiten nivelliert.

Achtsamkeit. Nicht pingelig.

Weit weg  aber, nur scheinbar. Vermeintlich fern ab vom Weltgeschehen, finden sich Kamerateam und Zuschauer plötzlich mitten im Zentrum der Information. 

Kein Radio schwatzt über „interkulturellen Dialog“ – die Bildsprache teilt mehr mit, als so manche „Informationssendung“. 

Voraussetzung ist allerdings – zugegebenermaßen – ein gewisses Vorwissen oder ein Erkenntnisblitz beim Betrachten. Um die Virtuosität des Films ganz würdigen zu können. 

Zu erkennen, was gezeigt wird und dennoch vielen weiterhin verborgen bleibt. 

Sehen heißt nicht automatisch 

begreifen. Dazu bedarf es Zeit. Zeit zu lesen. Zeit zu fragen. Zeit, Informationen gesagt und gezeigt zu bekommen. Erklären. Nachhaken. Harte Fakten, statt fühlen, denken, meinen. Empfinden braucht Verlässlichkeit. Und ein Quentchen Begabung. Wie der Kendo-Kaempfer, der sich auch in Mönchskutte unterscheidet von den anderen. Das wirkliche Topmodell schreitend, statt stöckelnd und staksend. Leon der Profi-Killer, der sorgsam das Pflänzchen beschützt. Der Grenzbereich, das letzte wahre Tabu über das im Kontext Kirche nicht außerhalb der Mauern gesprochen worden ist. Wie absolut werden die zehn Gebote eingehalten?   Wann schlägt Notwehr das Gebot nicht zu töten? 

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symbolic photo: susanne.haerpfer@bits.de
 

Kämpfende Mönche in Tibet, kämpfende Mönche in Burma könnten das Thema aktuell werden lassen. 

Shaolin ist eben mehr als eine show-Veranstaltung. Sie haben eine Tradition und einen sehr ernsten Hintergrund. Er sei nur der Koch, sagt Stephen Seagal im Film und spielt damit an auf die Verharmlosung so manches Kreuzritters; auch der modernen Zeit, die nicht nur lebendige Pflanzen mit ihren Elektrolyt-Leitungen und Duftkommunikationskanaelen mit Insekten zu pesto rühren, sondern auch Menschen um´s Leben bringen. Nicht nur Griechisch-orthodoxe Priester haben Kampfverbände. Wie weit geht der Selbsterhalt, wann beginnt das Unrecht? 

Im Film „Die große Stille“ sehen Protagonist und Kameramann in den Himmel. Ein Flugzeug führt fort und zugleich zurueck zum Betrachter. 

Eine Gruppe strikt religiöser Menschen mit großer Ernsthaftigkeit lebt zusammen, liest und schreibt und tauscht sich aus und singen auch mit größter Inbrunst. Sie schlagen die Glocke und stapfen auf, wischen mit raschen Schritten über den Boden; bedachtsam und unermüdlich. 

Man hülle ihn in weiße Tücher, kein Nichtgläubiger solle ihn berühren, eine bestimmte Anzahl Gesaenge und Gebete sind zu erfüllen. Die Vorschriften sind detailliert, und sie sind ungewöhnlich. Sie wurden im Gepäck eines Flugreisenden gefunden. Keiner gaengigen Glaubensgemeinschaft in der niedergeschriebenen Form ad hoc zuordbar. 

Wann war das doch gleich nochmal? 

  …

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assignments please!! susanne.haerpfer@bits.de

 

Man solle die Gesichter nicht zeigen, lautete die Auflage, als bei der Gemeinschaft gedreht wurde. Wurde sich damals so strikt an das Gebot gehalten, daß auch die Visionen, Weißsagungen und Warnungen nicht veröffentlicht wurden? Oder blieben nur die Identitaeten derjenigen im Dunkeln, die sahen? In einer Zeit, in der immer mehr veröffentlicht, aber immer weniger verstanden wird, könnte die Zeit kommen, in der auch die Mönche reden müssen, um sich und ihrem Glauben treu zu bleiben. 

 

3sat zeigte 

Die Grande Chartreuse, das Mutterkloster des legendären Karthäuserordens  in den Französischen Alpen

 

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 susanne.haerpfer@bits.de