Überschwemmungen und Stürme haben oft Bürgerkriege ausgelöst und in die Diktatur geführt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung – Globale Umweltveränderungen WBGU. „Hierfür wurde die Datenbank des Collaborating Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED, 2006) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach allen Sturm- und Flutkatastrophen seit 1950 mit mindestens 1.000 Todesopfern als Grundlage genommen.

„Taifun in Ostpakistan, 1970: In Ostpakistan (heute Bangladesch) fielen einem Taifun 300.000 Menschen zum Opfer. Die Unzufriedenheit über mangelnde Hilfsmaßnahmen der Regierung“ führte zu Protest, Repression und Eskalation der Gewalt – heißt es in der Studie: „Es folgte ein Bürgerkrieg mit ca. 3 Mio. Todesopfern und schließlich eine präsidiale Diktatur. Im selben Jahr wurde der Präsident vom Militär ermordet.“

In Indien ist die Lage weniger klar. Nach Überschwemmungen sei es in Bihar und Orissa zu Plünderungen gekommen, schreiben die Autoren. Besonders krass sei die Situation in Westbengalen gewesen: Züge und Hilfskonvois seien geplündert, Helfer angegriffen und Lkw gestohlen worden.

Selbst die Usa sind betroffen: Nach Hurrikan Katrina sollen in New Orleans 2005 die Katastrophenopfer lebensnotwendige Waren aus Geschäften entwendet haben. „Die öffentliche Ordnung konnte nur mit Hilfe bewaffneter Nationalgardisten wiederhergestellt werden. Das unzureichende Katastrophenmanagement stürzte die Regierung in eine Krise“, schreiben die Autoren der WBGU.

Ob die Menschen zu Recht zur Notwehr gegriffen haben, oder ob Kriminelle die Not ausgenutzt oder sogar herbeigeführt haben, das schreiben die Autoren nicht. Ebenso wenig, wie Plünderer zu stoppen sind. Wie könnte verhindert werden, daß die Ärmsten immer mehr Not erleiden? Wie kann die Eskalation verhindert werden? Und wer hat ein Interesse daran, daß die Not durch Unwetter noch vergrößert wird durch verzögerte Hilfe und Überfälle? Wer hat welche Informationen über die Interessen und Machtgefüge? Wem nützt die Eskalation mehr als reibungslose Hilfe bzw. ein normales Wetter, das ohne jegliche Hilfe auskommt und Frieden? Wer löst aus, wer springt auf den fahrenden Zug in den Untergang auf und profitiert?

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2007 hätte sich der UN-Sicherheitsrat erstmals seit Bestehen mit dem Sicherheitsrisiko Klimawandel beschäftigt. 

Aufgrund der zunehmenden Verflechtung sozialer und politischer Krisen mit Umweltveränderungen und Naturkatastrophen wird zudem empfohlen, Informationen zum aktuellen Stand politischer und humanitärer Krisen in das Warnsystem zu integrieren. Nach Ansicht des WBGU ist ein solches System unerlässlich.“-

Eine Übersicht aller zur Zeit existierenden Frühwarnsysteme für Wetter-und Klima-Veränderungen könnten beim Generalsekretär der UN zusammenlaufen.

Valide Informationen und profunde Indizien bekommen einen zusätzlichen Wert, wenn man sie korreliert mit Datenbanken der World Meteorological Organization WMO in Genf, der Vereinten Nationen und weiteren zivilen und militärischen Forschungseinrichtungen über Wetterbeeinflussung. Hagelflieger und Regenmacher bringen seit den 30 er Jahren nicht nur in den Usa Silberiodid aus, um Hagel zu verhindern oder es im Gegenteil regnen zu lassen. Immer wieder ist es dabei zu Katastrophen gekommen. Der Nobelpreisträger Robert Jungk schreibt in seinem Buch „Die Zukunft hat schon begonnen“ über Dürren und Überschwemmungen, die Farmer und Hausbesitzer in die Armut stürzten und von Versicherungen, die vor den Folgen von Wetter-Veränderer schützen sollten. 3SAT griff in einem Feature einen Bericht der BBC auf über britische Militärs, deren Regenexperimente ein englische Dorf in den Fluten versinken ließ. Projekt Popeye sollte während des Vietnamkriegs den Ho Tchi Minh-Pfad unpassierbar machen. 1972 wurde ein Abkommen unterzeichnet, das solchen Wetterkrieg verbietet. In der Vergangenheit fanden Militärs und Politiker aber immer spitzfindige semantische Hintertürchen, mit denen sie formal auf dem Papier Verträge einhielten, aber in der Realität dagegen verstießen [„wir nannten es nicht Napalm, wir verwendeten die chemische Substanz, der Napalm zugrunde liegt, und dieser zweite Teil der Information wurde verschwiegen, nur der erste Teil der Desinfo eines falschen Dementis wurde Journalisten mitgeteilt].

Kriege müssen demnach offiziell erklärt werden. Geschieht dies nicht, handelt es sich um einen „low intensity conflict“. Bei dem sterben zwar unter Umständen mehr Menschen als bei einem „richtigen“ Krieg, aber er heißt nicht so. Die Schlamm-Massen, die Vietnam im Krieg begraben sollten, können weitergeführt worden sein – nur nannte man es anders. Recherchen in Archiven und Anfragen bei Regierungsstellen sind nötig, um mehr Informationen zu erhalten. Dazu gehört auch die Frage, welches Wissen und welche Ausrüstung erhielten die Verbündeten der USA, welches Wissen und welche Ausrüstung zur Wetterveränderung hatte die gegnerische Partei? Japan massakrierte Chinesen mit biologischen und chemischen Kampfstoffen. Vor diesem Hintergrund sind Gräuel nicht automatisch den Usa oder der Sowjetunion anzulasten. Welche Wetterkriegsführung verübten Südostasiatische Länder oder verfeindete Regional-Fürsten, um sich gegenseitig buchstäblich das Wasser abzugraben?

Und was bedeutet dies für die jetzige Situation?

Auf Seite 39 bringen die Autoren des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung es auf den Punkt:

„Unter welchen Bedingungen können durch den Klimawandel Sicherheitsprobleme wie z. B. Unruhen, Bürgerkriege, Gesellschafts- und Staatenzerfall oder grenzüberschreitende Auseinandersetzungen ausgelöst oder verstärkt werden?“

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