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Susanne.Haerpfer@bits.de

Haben Sie nachgerechnet?

Wie viel bleiben von 350 Euro, wenn hundert Euro für internet, Telefon und Fax drauf gehen und 30 Euro für die U-Bahn?

Dann ist noch kein Datenspeicher [14 Euro mindestens] erworben,

keine Batterie [7 Euro Minimum]gekauft,

Papier, Fotokopien, Bürobedarf [20 Euro Minimum]

Visitenkarten für Vorstellungsgespräche, alltäglicher Umgang und Geschäftskontakte fressen einen Tagessatz auf.

Briefmarken [zehn Euro] sind nötig, um das Geld einzufordern, das eigentlich so gezahlt werden müßte – oder was würde passieren, wenn Sie am Monatsende Ihr Gehalt nicht erhielten?

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Richtig. Da wären Sie aber so schnell bei Chef, Betriebsrat, der Presse und Rechtsanwalt, wie e-bay meins sagt.

A propos e-bay – dafür sollte man Kreditwürdig sein, mindestens ein, möglichst zwei Bankkonten und eine Kreditkarte zur Geschäftsabwicklung haben.

Ansonsten wird´s auch schwierig mit dem internationalen internet-affinen“, auf das heute wieder so staatstragend gepocht wurde. Für internet-affine Erwerbslose ein Hohn.

Denn wehe, notebook und Drucker gehen kaputt. Reparaturen sind zwar in den Broschüren des Arbeitsamts als Zusatz-Leistungen vorgesehen. Dennoch werden Anträge abgelehnt, das Geld nicht gezahlt.

Beten Sie, daß Ihnen kein Glas runterfällt und der Wasserkocher ewig lebt. Ansonsten laufen Sie Gefahr, sich für Selbstverständlichkeiten zu verschulden, wenn Sie das „Glück“ haben, dies noch zu können.

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Zum Beispiel für Versicherungen. Nach Versicherungen fragt das Arbeitsamt zwar in den eigenen Fragebögen, doch weigert sich regelmäßig für das Erfragte auch zu bezahlen.

Einmal ganz abgesehen von Betriebsmitteln, die aufstockende Freiberufler darüber hinaus benötigen.

Was tun?

Zunächst einmal fünf Euro an die Post zahlen, wenn Sie Ihr Erwerbslosengeld per Scheck erhalten, sonst sind Bankgebühren fällig.

Sie sind gut im Kopfrechnen? Haben festgestellt, daß bereits jetzt nur noch

63 cent pro Tag übrig sind für sämtliche weitere Ausgaben.

63 cent. Das ist weniger, als ein Durchschnitts-Haitianer am Tag hat.

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Nahrungsmittel lassen sich von 63 cent am Tag nicht kaufen.

In Deutschland muß niemand Hunger leiden? Glauben Sie das noch immer?

Sie sagen, es gebe doch Lebensmittelspenden?

Die für viel Bus-Geld von weither zu schleppen sind; und dann nicht unbedingt das sind, was man unter gesunder, abwechslungsreicher Ernährung versteht. Einmal abgesehen davon, daß es sich um eine Milchmädchenrechnung handelt, davon auszugehen, daß die Lebensmittel ja nicht zu bezahlen seien. Und zugleich ein Eingeständnis: da haben sich Politiker wohl verrechnet, als es um Hartz IV ging. Denn: erkennbar ist: die Rechnung geht nicht auf. Mathematisch ist es unmöglich, von dem Geld zu existieren.

Selbst dann nicht, wenn der gesamte Satz gezahlt würde.

Was aber, wenn einfach hundert Euro weniger angewiesen werden, als bewilligt?

Was wäre, wenn Sie auf ein Drittel Ihres Gehalts verzichten müssten?

Stünde dann der Gerichtsvollzieher vor der Tür?

Von 240 Euro kann niemand existieren.

Genau das aber muten Sie mir zu.

Ja. Sie haben richtig gelesen.

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converting color slides into digital data – costs money – who is willing to pay for me the photographer Susanne.Haerpfer@bits.de

Ja. Sie haben richtig gelesen.

Sie finden die Fotos elegant. Das Konzept klar. Sie lesen meine Artikel gern? Ja? Weshalb zahlen Sie dann nicht?

Finden Sie, ich, die ich diese Seite entworfen habe, die Fotos fotografiert, konvertiert, die Themen recherchiert und die Artikel geschrieben habe,

ich sollte nur 63 cent am Tag „Zum Leben“ erhalten?

und wie eine Schwerbrecherin und Aussätzige behandelt werden?

Exakt das geschieht. Bislang. Tag für Tag. Jahr um Jahr. In Deutschland.

Die Beiträge der beiden letzten Tage bedeuten: Arbeitsbeginn 6 Uhr morgens bis zum nächsten Tag um 2.40 Uhr nachts. Dann wieder 6.30 Arbeitsbeginn bis jetzt 21.30 Uhr.

Noch Fragen? Weshalb Erwerbslos mitnichten „Arbeitslos“ sind,

sondern überarbeitet. Und deshalb manchmal um Fristverlängerung bitten. Weil sie nämlich gezwungen werden, zusätzlich zur Arbeit auch noch den Beruf des Rechtsanwalts auszuüben und um das zu kämpfen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: die Bezahlung.

63 cent

für 20 Stunden Arbeit.

Das ist der Grund, weshalb ich immer wieder schreibe:

Ich brauche assignments. Ich muß bezahlt werden.

Sonst hat die „Freiheit“ im internet zwei Opfer:

die Freiheit und mich

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even plants cost money photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

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Denn:

weil bzw. wenn weder das Arbeitsamt, noch Investoren, Redaktionen oder Leser und Fernsehzuschauer zahlen, dann sprechen Künstlersozialkasse Ksk und das Amtsgericht nicht diejenigen schuldig, die das Gehalt nicht zahlen, sondern geben ausgerechnet dem Opfer die Schuld.

Wer sein Geld nicht erhält, der könne ja wohl nicht mit Geld umgehen, lautet das zynische Urteil deutscher Amtsgerichte.

Unlogisch? Die Welt auf den Kopf gestellt? Empörend?

Ja. Aber leider Realität in Deutschland.

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