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photographed on Tuesday, May, 28 at Hamburg by susanne.haerpfer@bits.de

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Re-rite

„Du bist das Orchester“ wirbt die Elbphilharmonie Hamburg.

Beziehungsweise die HamburgMusik gGmbH.

„Für eine Stunde“ – aber das steht nur im Kleingedruckten der Eintrittskarte.

Das werden Kulturbeflissene als Anspielung an Andy Warhols Spruch von der Berühmtheit für zwei Minuten verstehen.

Bis zum Rauswurf. Nach einer Stunde werden Besucher rausgeworfen.

Rabiat. Und zugleich konsequent.

Denn: Musiker, Dekorateure, Bühnen-Aufbauer, Lichttechniker, Fotografen, Journalisten – sie alle werden von der Hansestadt zwar gern als kulturelles Aushängeschild vorgezeigt und beschäftigt, aber nicht entsprechend bezahlt.

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photographed at Kaispeicher Hamburg by susanne.haerpfer@bits.de

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Wollen sie auf ihre Kosten kommen, gilt: pay per view. Peep-show im Kulturellen Wirtschaftsbetrieb.

Pay per content – ansonsten fällt die Klappe.

Wie im internet. Fünf Euro für einen Happen internet.

Fünf Stunden für text only oder eine Stunde hochauflösende, schnelle Datenleitung wie sie nötig ist für jene, die solche Ausstellungen fotografieren und an eine Redaktion übermitteln wollen.

Wer nicht genug einnimmt, erhält noch nicht einmal mehr die Möglichkeit, genug einzunehmen.

Hauptmann von Köpenick im Jahr 2013. Hamburg way.

Eine Parabel zugleich auf die Belohnung für Blender. Tun als ob, ohne Substanz, wird viel zu oft belohnt. Und diejenigen, die Substanz bieten, wird suggeriert, sie bekämen eine Chance.

Für eine Stunde.

Oder wirklich für fünf Euro.

Und daß es nur fünf Euro sind, wird denjenigen vorgeworfen, die nicht mehr einnehmen.

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my ticket photographed by susanne.haerpfer@bits.de

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Insofern ist die Ausstellung im Kaispeicher

Zugleich eine visuelle Umsetzung dessen, was der Elbphilharmonie vorgeworfen wird:

Immer teurer zu werden.

Dabei liegt´s daran, daß die Abgeordneten und wirtschaftlich Verantwortlichen nicht lesen können, nicht lesen wollen, zeitlich und inhaltlich überlastet sind, oder sich in die Tasche lügen.

Fünf Euro Eintritt.

Werden auch Erwerbslosen abverlangt.

Fünf Euro – klingt nach einem günstigen Preis.

Wer aber wirklich in Anspruch nehmen will: einmal das Orchester sein.

Ausprobieren, was angeboten wird.

Benötigt mehr als eine Stunde.

Das läßt sich lesen:

–         als unlautere Werbung. Immerhin ist den Machern klar, daß sie für den Preis nicht das halten, was sie versprechen

–         aber vielen derjenigen, die ein Orchester für fünf Euro wollen, scheint nicht klar zu sein, daß exakt dies nicht möglich ist

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Partitur at Elbphilharmonie, photo: susanne.haerpfer@bits.de

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–         Insofern könnte man die unlautere Werbung auch als Didaktik interpretieren.

–         Re-write.

–         Nachhilfestunde in Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Also exakt das, was angeblich Künstler nicht können: Rechnen.

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Entrance to Multi-media-exhibition photographed by susanne.haerpfer@bits.de in HH

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In Wahrheit sind es diejenigen, die das Klischee verbreiten, die nicht rechnen können oder wollen. Die Leistung für selbstverständlich nehmen, statt sie zu entlohnen. Zu lange in „Taliban“-Land Deutschland gelebt. Patriarchen 2013. Gleichberechtigung – Fehlanzeige. Kosten weggerechnet. In der Werbung humorvoll karikiert: die Familien-Managerin – ohne Lohn. In dem Augenblick, in dem jede Leistung Geld kostet, funktioniert das Wirtschaftsmodell nicht mehr.

Genau das soll so genau nicht gesagt werden. Das zur Zeit geltende Aktienrecht führt in den Untergang. Denn es belohnt nur diejenigen, die den Gewinn steigern. Dies ist nach einer gewissen Zeit nur dann möglich, wenn an einem der Faktoren gespart wird:

Zeiteinheit per Ware oder Dienstleistung (= 5 euro pro Stunde)

Qualität

Lohn

An allem zugleich.

Konsequent gedacht, ist der perfekte Ort für share holder value

Nordkorea.

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Am Kaiserkai photographed by susanne.haerpfer@bits.de

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Gefangenenlager, in denen Akademiker für null Euro Höchstleistung erbringen,

ermöglichen eine Gewinnspanne, wie sie von westlichen internationalen Aktien-Käufer als selbstverständlich erwartet werden.

Menschenrechte, Nachhaltigkeit, Gesetzestreue auch und gerade in Bezug auf Umwelt, sind bislang nicht mit Indizes belegt, die den Aktienkurs beeinflussen.

Damit der Aktienkurs stimmt

Und ja nicht einbricht

Muß getrickst werden – Kosten in´s Kleingedruckte verbannt werden

Nach dem Muster

Ein Orchester

Für fünf Euro

die Stunde.

Wer nicht nach dem Prinzip verfährt, sondern eine saubere Rechnung vorlegt,

wird bestraft

erhält einfach keinen Auftrag.

Diejenigen, die tricksen, beschönigen, klauen, geistigen Diebstahl begehen oder es sich einfach machen, indem sie einfach abschreiben (re-write)

Werden belohnt. Werden beauftragt.

Und berechnen selbstverständlich jeden Handschlag.

Um nicht nur auf ihre Kosten zu kommen.

Sondern Gewinn zu machen. Denn der ist ja gesellschaftlich nicht nur gewollt, sondern qua Gesetz vorgeschrieben. Wer nicht genügend Profit macht, wird vom Amtsgericht heimgesucht. Wessen Bilanz nicht soviel Profit ausweist, wie dies erwartet wird, wird vom Amtsgericht als krank erklärt. Zustände wie das Klischeebild der Sovietunion. Realität in Deutschland. Realität in Hamburg. 2013.

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symbolic photo – seen at church in Hamburg: susanne.haerpfer@bits.de

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Ein Orchester für fünf euro

Wird zwar erwartet.

Kultur muß ja bezahlbar sein.

Nicht abgehoben. Nicht elitär.

Doch diejenigen, die der Erwartung entsprechen,

entsprechen nicht der anderen Erwartung vom Star-Dirigenten.

500 Euro die Stunde.

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Hauling down the flag of Hamburg – photographed May 28 th by susanne.haerpfer@bits.de

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5000 Euro die Stunde.

5 Millionen.

Re-rite.

Stellen Sie den Scheck aus, Stadt Hamburg!

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Flag of Hamburg at half-mast photographed on May 28 th by

susanne.haerpfer@bits.de