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photo: susanne.haerpfer@bits.de

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Sand-Strand wird geraubt,

um Hotels zu bauen für Menschen, die wegen des Sandstrands kommen –

über dieses Paradoxon berichtet ein Feature, das zur Zeit im internet auf ARTE zu sehen ist:

http://future.arte.tv/de/thema/strande-gefahr#article-anchor-1781

Wunderschöne skylines sind zu sehen.

So daß

–         die Dokumentation gern gesehen wird

–         zu verstehen ist, wieso die Städte gebaut werden

–         aber

–         leider auch versteckt wird, was fehlt:

Kritik am Bau von Atomkraftwerken. Denn die verbrauchen einen Großteil des Sands, der geklaut wird.

„Zwölf Millionen Tonnen“, so heißt es auf der homepage des Senders, werden für ein Atomkraftwerk benötigt.

Diese Information geht allerdings unter in den Bildern.

Von Sand-Raub ist die Rede. Ebenso wie von einer globalen Sand-Mafia, die von Stränden den Sand wegkarrt. Das klingt kritisch. Das klingt investigativ. Doch ist dies nicht in Einklang zu bringen mit einer Botschaft die im Meer der schönen Bilder versteckt ist: Die Natur werde auch damit fertig. An einem leergeräumten Strand sei Glas aufgeschüttet worden, und nun gebe es >einen wunderschönen> Strand aus Glas.

?

!

Wie bitte?

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motto photo: where does the glass come from, and what is included?

© susanne.haerpfer@bits.de

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Exakt. Ging so über den Sender bei ARTE.

Scheint bei der Abnahme niemandem aufgefallen zu sein.

Strand voller Glasabfall. Ruft normalerweise Urlauber, Regressforderungen, Anwohner, die lokale Bürgerinitiative, Politiker und den Weltspiegel auf den Plan.

Nicht so bei ARTE. Die message, die als unlauterer Versuch einer PR-Agentur des agenda-setting mindestens fünf Nachfragen hätte hervorrufen müssen, scheint bei der ARTE-Redaktion d´accord zu sein.

Weshalb?

Aufmerksamkeitstest?

Sieht uns noch jemand zu? Hört jemand, was eigentlich gesagt wird?

Liegt´s am Pro-Atomkraft-Zeitgeist, der in Frankreich vorherrschen soll?

Glas am Strand statt Sand – das wurde im Feature verkauft als ökologisch wertvoll, als Beispiel gelungenen Recyclings.

Niemand fragte nach, woher das Glas eigentlich kam.

Ob es sich um atomaren Abfall handelt – eingeschlossen in Glas.

Dies ist nämlich eine Methode, strahlendes Material zu ummanteln.

Vitrifizierung heißt es, wenn

Elektromagnetische Wellen

Radioaktives Material

Zum Schmelzen bringt

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motto photo: melting by induction

© susanne.haerpfer@bits.de

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(also das, was beim Gau

Größten Anzunehmender Unfall

Kernschmelze heißt)

Und mit anderen Materialien sowie Glaspartikeln

Per Induktion (wie bei der Koch-Herd-Platte)

Miteinander verrührt wird

Und dann zu Glas erkaltet.

Verseuchte Handschuhe aus den Heißen Kästen werden so beseitigt.

historical steam train at nuclear power plant of Geesthacht photographed by Susanne.Haerpfer add bits.de

historical steam train at nuclear power plant of Geesthacht photographed by Susanne.Haerpfer add bits.de

Früher ummantelte Bernstein einen Wasserfloh. Jetzt werden spätere Generationen Glasklumpen finden mit Handschuhpartikeln aus Akw-Kästen.

Das kann man Recycling nennen. Und einfach die Folge vom Akw-Bau. Nuklearer shredder an den Stränden der DOMTOMS

Départements d´outre mer.

Das wäre der eigentliche Beitrag.

Kritik.

Mit schönen Bilder, ja durchaus.

Aber zu Ende erzählt.

Wer Atomkraftwerke betreibt, entkommt den Konsequenzen nicht. So weit man auch fliegt: der Atom-Abfall ist schon da.

Erst wird der Sand geraubt, dann Akw damit gebaut und schließlich landet der Abfall und die zurückgebauten Meiler auch noch dort, wo einst Sandstrand war.

Unter dem Pflaster liegt kein Sand mehr,

sondern radioaktiver Müll.

Es lohnt sich, nicht nur genauer hinzusehen,

sondern auch hinzuhören.

Und nachzulesen.

Über das Verfahren, radioaktiven Abfall in Glas einzuschließen, berichtet beispielsweise der Koreanische Betreiber von Atomkraftwerken, der von New York, London bis zur Arabischen Halbinsel seine Büros und Meiler überall unterhält:

Kepco

Zu lesen auf Englisch. Niemand kann sich also herausreden und behaupten, Südostasiatische Akw-Betreiber würden schlecht informieren. Im Gegenteil. Sehr detailliert ist zu lesen, was da wo steht und wie es funktioniert; bis zum technischen Handbuch – fast schon wie eine Betriebsanleitung. Man muß allerdings diese Informationen wissen wollen. Ungefragt, wie Telefonwerbung, flattern solche Informationen nicht in´s Haus. Das ist richtig. Japanische Nuklearfirmen sind kritisiert worden, weil sie angeblich so viel verschwiegen hätten. Nun, ich würde wissen wollen, wie viele denn tatsächlich versucht haben, aus Japan Informationen zu erlangen.

Und, in Zeiten von outsourcing in allen Berufen:

Welche Redaktion möchte es wirklich so genau wissen?

mikroschwarzrotgelb

Gamma rays are a form of electromagnetic waves. Motto foto: electromagnetic waves melt radioactive waste and mix it with glass.

A gigantic microwave oven.

© susanne.haerpfer@bits.de

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Und bezahlt die Zeit, die nötig ist, im internet eine erste Recherche zu machen. Zu lesen. Per mail nachzufragen. Nochmals nachzuhaken. Womöglich anzurufen in Tokyo. New York. London. Dubai. Südkorea. Und dann auch noch eine Bibliothek aufzusuchen und dort zu recherchieren und zu lesen. Fachkongresse zu besuchen. Interviewpartner vorab zu besuchen. Das Koreanische Kernkrafts-Betriebshandbuch und die Kontaktdaten zu finden und zu lesen, hat mich vier Stunden gekostet.

Gibt es Menschen, die das zu schätzen wissen?

Kraftwerksbetreiber sind womöglich die einzigen, die diese Frage mit ja beantworten.

Dann ist die Frage, wie sehr man in´s Detail einsteigt, bevor selbst ich auf´s Glatteis geführt würde und den atomaren Abfall am Strand nicht bemerken würde:

http://cyber.kepco.co.kr/kepco/EN/B/htmlView/ENBBHP001.do?menuCd=EN020201

© susanne.haerpfer@bits.de