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motto photo: Susanne.Haerpfer@bits.de

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Ahnungslose zur Geldwäsche missbraucht

Von Andrea Böll und Susanne Härpfer

Betrüger schaffen Millionenbeträge ins Ausland – und Staatsanwälte, Banken und ahnungslose Jobsuchende helfen ihnen auch noch dabei. Unfassbar, aber Realität in Deutschland. Täglich kommen neue Fälle dazu. Es kann jeden treffen, der ein Konto hat.

So wurde eine Studentin direkt am Bankschalter verhaftet. Dabei war sie nur per Internet auf ein Jobangebot eingegangen und wurde plötzlich der Geldwäsche verdächtigt. Der Trick funktioniert so: Ein angeblicher Reiseveranstalter bietet besonders Studenten einen lukrativen Job an. Sie sollen für ihn Flugtickets an Kunden ausfahren. Die komplette Bezahlung sollen die Studenten über ihr privates Kontos abwickeln. Die denken sich nichts dabei, da tatsächlich Geld auf ihrem Konto eingeht und sie nicht in Vorkasse gehen müssen. Sobald sie allerdings die Summen an den Reiseveranstalter weiter leiten, sind sie in die Falle gegangen. Denn der ist ein Betrüger, der vom Ausland agiert. Die Beträge hat er mit gefälschten Überweisungsformularen ergaunert.

Das geht ganz einfach: aus dem Internet, von Briefbögen oder Rechnungen sucht sich der Betrüger die Kontoverbindungen von Fremden. Mit diesen Angaben füllt er ein Überweisungsformular aus – er trägt eine Summe ein und erfindet eine Unterschrift. So wird Geld von der ausspionierten Firma abgehoben und an den ahnungslosen Studenten ausgezahlt. Da diese Summen angekündigt wurden (der Betrüger weiß ja, wen er um welche Summe erleichtert hat), glauben die Studenten, daß alles rechtmäßig sei, transferieren die Summen an ihren angeblichen Chef und ziehen ihren Lohn ab. Erstatten die Banken oder die ausgeraubten Firmen Anzeige, sind sie dran.

Diesen Trick machen sich seit Jahren auch die Banden der Zaire-Connection zunutze. Dabei handelt es sich meist um organisierte Banden, die gleich zu dutzenden oder hunderten Überweisungsformulare fälschen. Und sie haben gute Karten: die meisten Banken kontrollieren die Unterschriften gar nicht und meist haften sie dann auch für die Beträge.

Im Fall eines hereingelegten Studenten wurde der allerdings zur Rückzahlung verdonnert und das, obwohl die Bank offensichtlich die Unterschrift gar nicht kontrolliert hatte.

Und die Staatsanwaltschaften stellen nur allzu gern schnell die Ermittlungen wieder ein. Denn sobald eine ermittelt, landen alle Fälle auf ihrem Tisch. Viel Arbeit, mit wenig Aussicht auf Erfolg. Und so kann der Studenten-Betrüger fröhlich weiter machen. Da hilft es wenig, das ein emsiger Ermittler weiß, wer der Verbrecher ist und wo er sich aufhält. Ohne ermittelnde Staatsanwaltschaft, kein Haftbefehl – und so macht der Mann aus dem Ausland immer weiter – das perfekte Verbrechen.

ARTE sendete zu diesem Thema eine 45-Minuten Dokumentation:

http://www.arte.tv/de/programm/244,broadcasting

Num=1506463,day=4,week=6,year=2013.html

Mit meiner Kollegin habe ich zu diesem Thema für die ARD für „Plusminus“ einen 12-Minuten-Magazinbeitrag gemacht – und dies zu einem Zeitpunkt, als das Thema noch gar nicht bekannt war.

Zumindest ich wurde nicht gefragt, ob ich den Beitrag zu einem feature erweitern will. Von meiner Kollegin weiß ich es nicht.

Ich arbeite als freie Journalistin. Ich bin darauf angewiesen, eine Produktionsnummer zu erhalten. Nur mit einer solchen Auftragsbestätigung kann ich arbeiten.

Das nächste Mal fragen Sie mich bitte.

Susanne.Haerpfer@bits.de