construction site - photo: susanne.haerpfer@bits.de

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Aufträge sind keine Aufträge.

Zu dieser paradoxen Aussage kamen die Experten, die zum DJV-Treffen geladen hatten. Wer einen Themenvorschlag macht und daraufhin eine Auftragsbestätigung und eine Produktionsnummer erhält, habe keinen Auftrag erhalten, vernahmen staunend die Journalisten, die in´s Madison-Hotel bei Gruner und Jahr gekommen waren.

Den tieferen Sinn dieser semantisch-juristischen Spitzfindigkeit erfuhr man allerdings nicht.

Ebenso wenig wie den Grund, weshalb sich Referenten darüber

echauffierten, daß sie ihre Rechercheunterlagen den Redaktionen zur Verfügung stellen sollen.

Immerhin basiert darauf der Ruhm des Spiegel.

Die Dokumentationsabteilung verlangte stets, die Belege zu sehen, prüfte diese und sorgte so für die hohe Glaubwürdigkeit des Blatts und hielt Klagen gegen Artikel in Grenzen. Einwände gegen diese Tradition lassen sich höchstens dadurch erklären, daß der Begriff Journalismus aufgeweicht wurde. Bebilderte Klischées, die als vermeintliches „reality tv“ daher kommen, sind noch Journalismus, oder eben nicht. Crowd financing kann anspruchsvoll sein wie der hehre Spiegel oder bebilderte Stammtischparole – die Spannbreite ist groß.

Laiendarsteller, die Stereotype verkörpern, die geronnen wurden aus den Klischées der Macher und Rechtsanwälten, die versuchen, aus der Vita ihrer Klienten eine schnelle Mark zu machen, sollten allerdings keinen Anspruch auf die echten Daten und Akten der Juristen und Mandanten bekommen. Eigentlich eine Binse, aber in Zeiten verluderter Sitten, vielleicht doch ein Credo, das formuliert und dezidiert vertreten werden muß.

Bein Treffen machte eine Zuhörerin auf dieses Problem aufmerksam. Sie sprach davon, daß Redakteure „Journalisten“ buchen. Das machte hellhörig. Denn mitnichten „buchen“ Redakteure Journalisten. Die Reisekostenstelle bucht Flüge und Hotels f ü r Journalisten, aber nicht Journalisten. Nur Schauspieler werden gebucht. Der Begriff deutet also darauf hin, daß sich Laiendarsteller als Journalisten fühlen. Ein Problem für Journalisten, die Fakten recherchieren, und nicht Klischées bebildern oder ein Surrogat aus nicht belegbaren oder für zu teuer befundenen Informationen filtern. Auch wenn diese Form immer mehr um sich greift, und sich so eine verführerische Einnahmequelle für den Deutschen Journalistenverband djv ergäbe.

Fakten zu recherchieren erfordert Zeit, Geld, journalistische Erfahrung und Handwerkszeug. Nur weil Journalisten finanziell unter Druck gesetzt werden, sollten  Journalisten und der djv nicht klein beigeben. Journalisten sollten nicht dazu beitragen, statt Fakten nur noch bloße Anscheinsware zu liefern. Nur, weil´s dafür (vielleicht) Geld gibt.

Vielleicht war der Einstiegssatz auch so gemeint. Journalisten sind keine Schauspieler. Sie sind keine Laiendarsteller. Sie verstellen sich nicht. Sie segeln nicht unter falscher Flagge, außer in ganz raren Ausnahmen – im Bürgerkrieg beispielsweise. Journalisten tragen keine Maske – außer im Licht von Tagesschau und n24. Auch wenn dies nicht so viel Geld bringen mag wie eine Show. Insofern wird nicht groß aufgetragen im Journalismus, die Tafel ist selten groß, das understatement hingegen schon.

Von: Susanne.Haerpfer@bits.de