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Über eine besonders dreiste Art der Geschäftemacherei berichtet die Hamburger Morgenpost MOPO in ihrer heutigen Ausgabe. Die Firma, die hinter dem Angebot „Telio“ steht, verlangt von Häftlingen 50 € für Fernsehen und Telefon. „Fünf Minuten Telefon“ seien darin „frei“ enthalten. Noch nicht im MOPO-Artikel enthalten ist der Hinweis, daß Gespräche an der Telefonzelle im Gefängnis besonders schnell durchrattern. Mehr als ihren Namen können Sie nicht mitteilen, dann sind die Gebühren schon durchgerauscht. Den einzigen, die von diesem System etwas haben, sind ausgerechnet die Mitglieder Organisierter Kriminalität OK. Die verfügen nämlich über unbegrenzte Geldmengen und können auf diese Weise den Erwerb immer neuer Telefonkarten finanzieren. Auch den schwunghaften Handel unter der Hand mit Telefonkarten bzw. Beteiligungen als „Familienangehörige“ nützen nur denjenigen, die eigentlich durch das Gefängnis „geahndet“ werden sollen. Alle andere bleiben auf der Strecke. Ehrbare Menschen. Arme Bürger, die durch Armut, oder durch Mißgunst von Konkurrenten, Nachbarn oder anderen hinter Gitter gebracht wurden. Und das Gefängnis, bzw. die Justiz macht auch noch dabei mit. Im Grunde bietet die Justiz Hamburg die Plattform für Geldwäsche. Denn sie erlaubt nur diesem einzigen Anbieter, und beim Fernsehen nur einer eingeschränkten Anzahl von Läden, überteuerte Elektronikanlagen zu leasen. Das ist das Gegenteil von Gerechtigkeit. Das ist das Gegenteil von Justiz. Jeder unschuldig Verurteilte wird verbittert, wenn er die Bestimmungen der Gefängnisleitung sieht, und feststellt: noch nicht einmal das Recht auf Telefon und Anwaltssuche werden gewährleistet. Für Geldschneiderei ist allerdings selbst im Knast Platz. Zynismus unglaublichen Ausmaßes.
Es ist noch weit schlimmer, als von der MOPO heute beschrieben. Ich habe es leider selbst erlebt, im April vergangenen Jahres. Die Hintergründe sind noch immer nicht ganz aufgeklärt. Aber vielleicht macht die MOPO ja eine Serie draus.

von: Susanne.Haerpfer@bits.de