Das Politik-Magazin „FAKT“ des MDR zeigt optisch aufwändig gedrehte Bilder, um das abstrakte Thema Überwachung zu bebildern:

http://www.mdr.de/fakt/bnd110.html

In schönen Hochglanzbildern werden die Macher des Beitrags damit dem Inhalt gerecht.

Optik und Inhalt bilden eine hochwertige Einheit. Gern hätte ich an einem solchen Beitrag mitgearbeitet – wenn ich gefragt worden wäre.

Ich hätte angeknüpft an meinen Film über Wirtschaftsspionage und „Abhören per Computer“ für „Plusminus“ (ARD-WDR) sowie meine freiberufliche Arbeit für FAKT, Plusminus und Umschau des MDR,

und meinen Artikel bei SPIEGEL-online:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/lauschangriff-am-heim-pc-teil-2-es-gibt-ein-schweigekartell-a-125030.html

Gegen das Schweigekartell: wenn es um einen Produktionsauftrag geht, um einen Arbeitsvertrag, um das, was ich seit langem als Fernseh-Journalistin mache: erinnert euch, und fragt mich: susanne.haerpfer@bits.de

Ich bin Journalistin, und ich will arbeiten – an solchen, an diesen meinen Themen.

Im Magazin-Stück geht es um Technik, die der BND anwendet für Überwachungs- und Auswertungszwecke.

Besonderes Schmankerl des Beitrags: die Autoren erinnern an den Polygon-Skandal. Ein Datenbanksystem, das im O-Ton folgendermaßen charakterisiert wird: „Die Spezialität von Polygon ist, dass man in diese mit Polygon betriebene Datenbank alles einfüttern kann, egal ob man vorher daran gedacht hat, ob man es speichern kann oder nicht. Wir hatten also beispielsweise nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA den plötzlichen Bedarf, dass man suchte nach Studenten mit arabischem Hintergrund, die eine Flugausbildung gemacht hatten. So etwas war natürlich vorher in einem System von Sicherheitsbehörden nie bedacht worden und Polygon ist in der Lage solche Informationen aufzunehmen, selbst wenn das System vorher nicht darauf ausgelegt ist.“ Die Filmemacher weisen darauf hin, daß der Bundesnachrichtendienst BND versucht habe, „mit unlauteren Mitteln, bis hin zum Betrug in den Besitz der Software zu gelangen.“

Damit konterkarieren sie bisherige Berichterstattung. 2005 war bekannt geworden, daß der Bundesnachrichtendienst gezielt start-up-Unternehmen für die Entwicklung von Spracherkennungs-software gegründet und den wahren Eigentümer BND gegenüber einigen verschleiert hatte. Wer was wußte, wissen bislang nur die Beteiligten und einige Insider. Ein update könnte den Wirtschaftskrimi beleuchten, in dem sich plötzlich wiederfindet, wer Techniken entwickelt, die für Sicherheitsbehörden interessant sind.

 von: Susanne.Haerpfer@bits.de

Das Beispiel Polygon zeigt auch, wie präzise Verträge sein müssen, will man sich als Entwickler absichern und abgrenzen von behördlichen Interessen und Avancen.

Zu oft sind Technikentwickler naiv, denken nur an eine Anwendung, nicht aber, wofür ihre Entwicklung missbraucht werden wird. Oder sie sind dankbar, einen Auftrag zu erhalten und hinterfragen noch nicht einmal theoretisch, welchen Interessen sie mit ihrer Arbeit dienen könnten.

TEXT BAU STEINE photo: Susanne.Haerpfer@bits.de

TEXT BAU STEINE photo: Susanne.Haerpfer@bits.de

Investigative Journalisten haben sich stets gewünscht, all ihre Akten, Notizen und Artikel wirklich nutzen zu können.

Polygon macht das möglich. Plötzlich kristallisieren sich Zusammenhänge heraus, die zuvor nicht sichtbar waren.

Namen tauchen gleich in mehreren Skandalen gleichzeitig auf. Blieben sie in Akten, gerieten sie in Vergessenheit. Das Datenbanksystem hingegen hebt die die verborgenen Schätze. Macht aus vermeintlich totem Kapital (alte Artikel) eine Schatzgrube.

Vergangenheit lebt. Das Programm macht aus der Binsenweisheit lebendiges Reporterglück. Das Archivprogramm erinnert – es mahnt, vor lauter Aktualität nicht den großen Zusammenhang zu vergessen. Was wurde aus – die Rubrik des „STERN“ als Lebensphilosophie. Jeder Artikel beginnt im Archiv. Diese Grundvoraussetzung journalistischer Tätigkeit wird durch das Computerprogramm in die moderne Zeit transferiert.

Und damit zugleich die Probleme. Denn: es können sich auch Fehler eingeschlichen haben. Je teurer Prozesse werden, desto weniger gilt die alte Regel: hat jemand nicht (juristisch) widersprochen, stimmt die Berichterstattung. Inzwischen können es sich immer weniger Menschen leisten, auf ihrem Recht zu bestehen. Fehler vervielfältigen sich mit Hilfe der Datenbanktechnik.

Erschlagen - motto photo by: susanne.Haerpfer@bits.de

Erschlagen – motto photo by: susanne.Haerpfer@bits.de

Und: es sind eben nicht nur hehre Reporter, die versuchen, Licht in´s Dickicht aus vernebelnden Akten zu bringen. Es sind die Akten-Produzenten selbst, die das Suchsystem für ihre Zwecke nutzen. Sie haben mehr Geld, als der kleine, freiberufliche Journalist.

Besonders fatal ist, wenn sich ausgerechnet Medienhäuser und Behörden zusammentun. Exakt dies ist geschehen.

Die Bertelsmann-Tochter „Arvato“ arbeitet für Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden.

Auf der jährlichen Security-Messe in Berlin wirbt die Verlagstochter mit dem System, das ursprünglich entwickelt worden ist, um Artikel, Musikstücke und Filme des Multi-Media-Hauses für das Archiv und die Redakteure nutzbar zu machen.

Die Fähigkeit, Bilder, Sprache, Filme und Inhalte zu durchsuchen, zu verknüpfen, und dies auch noch in mehreren Sprachen – weckte auch die Begehrlichkeiten von Strafverfolgungsbehörden. Ob sich Bertelsmann-Arvato wehrte, zierte, oder gleich von Anfang an bedenkenlos kooperierte, ist bislang nicht bekannt. Auch nicht, ob möglicherweise sogar die Avancen vom Medienhaus an die Strafverfolger herangetragen wurden.

Ein Thema. Denn: wie sollen investigative Journalisten für STERN, GEO und andere Publikationen arbeiten, wenn ihr eigenes Haus das, was sie erarbeiten feil bieten – ausgerechnet bei denen, über die und gegen die Journalisten schreiben. Die 4. Gewalt im Ausverkauf – durch das eigene Haus.

Weshalb wird mit zweierlei Maß gemessen? Freiberufliche Journalisten sollen zusichern, frei von PR-Interessen Dritter zu handeln. Aber: diejenigen, die dies von ihnen vertraglich verlangen, dienen selbst anderen Interessen: den Strafverfolgungsbehörden. Durch die Bertelsmann-Arvato-Behörden-Kooperation. Damit sind die vertraglichen Auflagen eigentlich obsolet.

Wie sollen Leser, Zuschauer und Informanten Vertrauen haben, wenn sie drangsaliert werden von den Inkasso-Eintreibern des Bertelsmann-Arvato-Konglomerats?

Land unter - motto photo: susanne.haerpfer@bits.de

Land unter – motto photo: susanne.haerpfer@bits.de

Wie sollen Leser, Zuschauer und Informanten Vertrauen haben, wenn dasselbe Haus, das Journalisten beschäftigt, zugleich Hand in Hand mit Strafverfolgungsbehörden arbeitet, und alles dafür tut, um Menschen hinter Gitter zu bringen.

Zu kurz gedacht? Nicht nachgedacht? Nicht für wertvoll befunden? Letztendlich könnte sich das Medienhaus um seine ursprünglichen eigentlichen Kunden gebracht haben: Leser.

Und unabhängige Journalisten.

Das Beispiel (Polygon) zeigt allerdings auch, daß der beste Vertrag und die lautersten Absichten nichts nutzen, wenn eine Behörde sich in den Kopf gesetzt hat, eine Erfindung unter den Nagel zu reißen. Im Zweifel bleibt dann der ehrliche Erfinder auf der Strecke – in den Ruin getrieben, ausgerechnet von „Sicherheitsbehörden“.  Das R-Archiv und Heise-Telepolis schrieben über das Schicksal der Erfinder. Jeder Beitrag sollte mit einem Gang in´s Archiv beginnen. Auch der nächste Fernsehbeitrag.

Dann von der Co-Autorin Susanne.Haerpfer@bits.de

two of a kind, when the heat is on - motto photo: Susanne.Haerpfer@bits.de

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