Gustl Mollath wird aus der Psychiatrie entlassen. Dies hat das Oberlandesgericht Nürnberg angeordnet.

Seit sieben Jahren war er gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebracht.

blauschön 0004 seven winter – motto photo: © susanne.haerpfer@bits.de

Dies wird heute von mehreren Zeitungen und Fernsehsendern gemeldet.

Bei n24 heißt es: „Mit der Entscheidung hob der 1. Strafsenat des OLG Nürnberg ein Urteil des Landgerichts Regensburg auf. Dieses hatte erst am 24. Juli 2013 die Wiederaufnahmeanträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung als unzulässig verworfen.“

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/3300874/gustl-mollath-kommt-sofort-frei.html

Dies sei selten, berichtet Frontal21:

„O-Ton Steffen Ufer, Fachanwalt für Strafrecht: Hier kommt Druck von außen. Da ist die Justiz allergisch. Die Justiz hält sehr viel von ihrer Unabhängigkeit. Und man will sich gegenseitig kein Auge aushacken.“

http://www.zdf.de/Frontal-21/Sendung-vom-30.-Juli-2013-29051434.html

Die Reporter berichten über Mollaths Entrechtung. Die begann demnach vor zehn Jahren: „Seine Frau zeigt ihn an – unter anderem wegen Körperverletzung. Er zeigt seine Frau an, eine Bankerin bei der HypoVereinsbank – unter anderem wegen Geldwäsche.“

Das reichte aus, um ihn erst zu entrechten und dann einzusperren.

In der Sprache der Täter wird Entrechtung beschönigend und Wahrheitswidrig „Betreuung“

Genannt.

Das ist wichtig zu wissen.

Denn kein Tag, an dem nicht in den Hauptnachrichten berichtet wird über „Betreuung“ in Kitas, von „Betreuung“ von Kundengeldern.

So werden Durchschnittsbürger hinter´s Licht geführt und eingelullt.

Betreuung bedeutet: Erwachsene erhalten weniger Rechte als Kinder, und sie werden um ihr Geld gebracht. Damit beginnt Entrechtung häufig. Wenn Banken mit Amtsgerichten Hand in Hand arbeiten. Erst werden Menschen um ihr Geld gebracht. Dafür erhalten die Opfer Schuld und werden vom Amtsgericht nochmals bestraft – mit Entmündigung. Ein perfides Unrechtssystem unter dem Tarnmantel von Rechtsstaatlichkeit.

Wer nur mit halbem Ohr hinhört, gestresst und desinteressiert ist, fällt rein, wenn deutsche Amtsgerichte gegen jemanden eine Betreuung verhängen.

Betreuung ist Entmündigung.

Jeder, der euphemistisch, also beschönigend etwas anderes behauptet, lügt.

Wenn also jemand das Wort „Betreuung“ verwendet: reagieren Sie allergisch.

Denn damit sollen Erwachsene Menschen entrechtet und Schritt für Schritt um ihr Hab und Gut gebracht werden.

Das ZDF bestätigt:

„O-Ton Prof. Norbert Nedopil, Psychiater und Gerichtsgutachter: Dass die forensische Psychiatrie benutzt wird, um auch missliebige Leute sozusagen einzusperren, das ist durchaus eine Denkmöglichkeit. Und das kommt auch vor.“

Kritiker, Journalisten, Bürger, die Rechte wahrnehmen –

Gefährdet, eingesperrt zu werden.

Das wirft man Ländern vor wie China und Russland, Rumänien oder Pakistan; alle mit dem Attribut „Diktatur“ versehen.

Doch exakt dies geschieht in West-Deutschland. Im Deutschland unserer Zeit.

Das ZDF-Magazin Frontal 21 zitiert:

„O-Ton Gerhard Strate, Anwalt von Gustl Mollath: Es ist natürlich klar, psychologisch zumindest verständlich, dass die Gerichte sich mit Zähnen und Klauen gegen jede Anerkennung eines Fehlurteils wehren. Es ist wirklich da schon ein gewisser Korpsgeist in der Strafjustiz.

Dieser Korpsgeist und die hohen rechtlichen Hürden erschweren Wiederaufnahmeverfahren. Sie sind in Deutschland die Ausnahme.

(…)

O-Ton Prof. Holm Putzke, Strafrechtler Universität Passau: Da wird eine große Mauer gezogen, um ein Wiederaufnahmeverfahren. Und möglichst soll niemand diese Mauer übersteigen können. Das sollte so nicht sein.

Wenn wir Fälle haben, wo Fehler gemacht wurden, die eklatant sind, dann muss es eine Möglichkeit geben, diese Fehler nachträglich zu beseitigen.“

Fehler gab es reichlich.

„Originalfotos, die die Verletzung von Mollath genau zeigten, seien bei der zweiten Einsichtnahme von ihr verschwunden gewesen und durch unscharfe Kopien ersetzt worden. Nach den Worten von Lorenz-Löblein war außerdem ein Bild weniger in den ihr vorgelegten Unterlagen gewesen“, schreibt die online-Plattform „Telepolis“ des Heise-Verlags.

http://www.heise.de/tp/artikel/39/39540/1.html

Insofern hat Mollath Glück im Unglück. Eine Bank, gegen die er Vorwürfe erhob, gab ihm Recht. Ihm nutzte, daß große Einheiten zwar denselben Namen tragen, aber durchaus unterschiedliche Auffassungen haben.

Richter, Staatsanwaltschaft, Steuerbehörden – niemand glaubt Mollath damals. Die Bank aber geht seinem Vorwurf nach. Sie ermittelt intern und stellt in einem Revisionsbericht, der erst Jahre später bekannt wird, fest:

„Alle nachprüfbaren Behauptungen haben sich als zutreffend herausgestellt,“

bestätigt das ZDF.

http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/29081636/1/data.pdf

Der Fall Mollath ist einer von vielen. Die Dunkelziffer von Menschen die entrechtet eingesperrt wurden, ist hoch.

„Immer mehr landen in der Psychiatrie“, meldete das ZDF am 31. Juli dieses Jahres um 11 Uhr 10.

Der Sender warnt, Entmündigung (beschönigend „Betreuung“ genannt) wird in diesem Land benutzt, um mißliebige Leute einzusperren. Sich gegen Richter durchzusetzen, sei schwierig, denn noch immer decken alle an der entmündigenden „Betreuung“ Beteiligten sich gegenseitig. Die Opfer sind nahezu ohne Lobby. Dies muß sich endlich ändern.

von:

© susanne.haerpfer@bits.de