cover re-photographed by: susanne.haerpfer addbits.de

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Die NSA (National Security Agency) hat hierzulande die Debatte wiederbelebt: was genau wird von wem überwacht und welche Folgen hat dies für jeden. Wiederbelebt. Denn: Neu ist das nicht. Aber wann immer eine solche Debatte in der Vergangenheit angestoßen worden war, wurde sie nie konsequent durchdacht. Es blieb bei medialer Aufregung, konsequente Konsequenz hatte sie nie. Dabei ginge es auch anders.

Das Finanzamt macht es vor: Jahr für Jahr verlangt es vom Bürger Steuern und ausgefüllte Formulare. Arbeitgeber verlangen Ergebnisse. Redaktionen verlangen Artikel und Fernsehbeiträge.

Nur Bürger und ihre Abgeordneten haken nicht in regelmäßigen Abständen nach, was denn aus der Kontrolle der Kontrolleure wurde.

Dabei wäre dies möglich. Wie eine Fernsehserie läßt sich das spannende Thema Überwachung für jeden verständlich umsetzen. Hollywood im Kleinen, Woche für Woche. Robert Redfords Agentenfilme – real. Als Dauer-Rubrik. Arbeitsplatz garantiert für viele Journalisten. Watergate als ständige Lektüre. Als Serie wie die Lindenstraße. Telefonüberwachung, Internet-Ausforschung, Postzensur.

Welcher Skandal ist noch unentdeckt? Eine Fundgrube für investigative Journalisten. Eine feste Rubrik – wie Sport und Wetterbericht, spannender als Derrick, Tatort und 24.

_DSC0357  motto photo: Susanne Haerpfer in Hamburg 2013

DER SPIEGEL hatte dies zur Perfektion gebracht. Journalisten, die sich anstrengten, besser zu sein, als die Beamten, Politiker und Wirtschaftsbosse, die versuchten, alle hinter´s Licht zu führen. Es ist an der Zeit, diese Tradition wieder zu beleben.

Krimis und crime series versuchen nämlich, Kritik aufzuweichen. Sie präsentieren Ungeheuerlichkeiten als angeblich selbstverständlich: Übergriffe durch Ermittler, Rechtlosigkeit, Verstöße gegen den Schutz der Unversehrtheit des Wohnraums, der Privatsphäre, der Würde des Einzelnen werden in Serien als obsolet dargestellt. Zuschauer, die es nicht besser wissen, Zuschauer, die nur solche Sendungen sehen, werden auf diese Weise an Unrecht gewöhnt und wenden es selbst gegen andere an.

Freiheit wird schleichend abgeschafft. Unrecht sickert ein. In´s Bewusstsein. Was angebliche Helden vormachen, machen Zuschauer nach, die es nicht anders kennen lernen.

Deren Opfer sind sie selbst und wir alle.

Die Meßlatte dessen, was von solchen Zuschauern als politischer Skandal bemerkt wird, wird immer abstruser. Zeit, dies zu ändern. Zeit, zu erinnern, worin die Tradition der Washington Post besteht. Die Verfilmung mit Robert Redford war ein Kassenknüller. Ebenso wie „Staatsfeind Nummer 1 – Enemy of the State“. Es geht also. Datenschutz und Überwachung lassen sich filmisch spannend darstellen. So spannend, daß sich Kinosäle füllen, Umsatz machen, Qoten erzielen lassen.

Politisch

ohne Parteipolitisches Postengerangel. Es geht um Sachthemen, optisch brilliant präsentiert.

Beginnen wir also

Mit der aktuellen Rückblende:

1995.

Ein kleiner Ort in Deutschland:

Weilheim in Bayern, bei München.

Ein kritischer Geheimdienstexperte.

Und sein kleines Friedensforschungsinstitut. Overheadkosten niedrig halten, Effizienz groß schreiben, ist die Maxime.

Im Blickpunkt: der große Nachbar Bundesnachrichtendienst BND

Den wiederum andere im Blick haben. Verbündete der USA.

Deren National Security Agency NSA

Haben wir ein wenig kennengelernt in den letzten Tagen.

Welche Akteure gibt´s in den USA außerdem?

Wollte Erich Schmidt Eenboom wissen. Er ist der kritische Geheimdienstexperte. Mit viel Erfahrung. „Nachrichtendienste in Nordamerika, Europa und Japan – Länderporträts und Analysen“ heißt die Studie, die sich mit den James Bond der realen Welt beschäftigt. Als CD´ rom erhältlich, schon damals – 1995.

Klaus Eichner nahm die Geheimdienste der USA unter die Lupe.

Seine 129 Seiten lesen sich aktueller denn je. Sie toppen die Aufregung über die NSA bei weitem. Liefern Ansatzpunkte für weitere Recherchen für Reporter-Scharen. Brächten Erkenntnis; Hebel, um zurück zu gewinnen, was es einmal gab: ein gemeinsames Verständnis darüber, was nicht in Ordnung ist.

Wer sind die Akteure?

Von Klaus Eichner erfahren wir:

Es gibt nicht nur die NSA.

Es gibt Myriaden amerikanischer Geheimdienste.

Mitten in Deutschland.

Verschleiernd heißen diese demnach „Aufklärungskomponenten“.

Dies ist wichtig. Denn nur, wenn man weiß, hinter welchen Worten sich Geheimdienste verbergen, kann nach diesen fragen.

Klaus Eichner hat solche „Aufklärungskomponenten“ gefunden.

lupe0072 motto photo: susanne.haerpfer add bits.de

Beim amerikanischen Außenministerium

Beim US-Finanzministerium

Beim Energieministerium

Drei US-Ministerien

Mit Geheimdiensten.

Allein das ist Stoff für drei Titelgeschichten des SPIEGEL (und andere Medien).

Was machen die? Wieso haben Ministerien Geheimdienste? Und: gibt es das auch in Deutschland?

Doch es geht noch weiter.

Als ob das noch nicht genug wäre, gibt es außerdem:

„Querschnittsabteilungen“ des NSC – National Security Council, „für

– Verteidigungsprogramme (Defense Programs)

– Aufklärungsprogramme (Intelligence Programs)

– Globale Angelegenheiten (Global Issues) und

– Internationale Wirtschaftsfragen (International Economic Affairs)

sowie mit geographischen Abteilungen für Angelegenheiten in Westeuropa, (…) Davon war die Hälfte für die Informationsbeschaffung aus Osteu­ropa vorgesehen.“[i]

Die Angaben stammen aus der Studie, die von der VW-Stiftung finanziert wurden. Sie geben den damaligen Erkenntnisstand wieder. Was aus all den Geheimdiensten wurden, was sie heute tun, das herauszufinden, bedarf umfangreicher Recherche. Die Studie wurde damals von der Volkswagenstiftung finanziert. Dies zeigt, wie viel Aufwand betrieben wurde und welche Gelder dafür nötig waren und bereit gestellt wurden. Dies weiter zu recherchieren bedarf entsprechend Zeit und Geld.

_DSC0912 photo and text and tv: Susanne.Haerpfer addbits.de

Daher ist dieser Beitrag zu verstehen als pitching text, also als Themenvorschlag für journalistische Aufträge von Redaktionen oder interessierten Lesern (crowd financing).

Die Studie ist der Ausgangspunkt. Daher handelt es sich bei diesem Beitrag um Zitate. Erst, wenn Redaktionen den Themenvorschlag angekauft haben, eine Produktionsnummer erteilt und somit Gelder zur Verfügung gestellt haben werden, ist es möglich, bei einer aktuellen Weiter-Recherche auch zu erfragen, ob die Darstellung stimmt, oder es andere Sicht gibt.

Medienrechtlich ist dies relevant.

Denn die redaktionell-finanzielle Realität,

die journalistisch-pekunäre Praxis macht es erforderlich, die Darstellung als Ausgangspunkt zu nehmen und bis zum Beweis des Gegenteils als Fakt zu nehmen.

Alles andere ist Praxis-fern.

Hintergrund dieser etwas umständlich erscheinenden Differenzierung:

Gewiefte Anwälte und Richter werfen Journalisten vor, sie hätten sich mit Aussagen der Zitate identifiziert, ohne diese zu hinterfragen oder sich zu distanzieren. Damit hätten sie diese Äußerungen als quasi Lexikon-ähnliche, allgemein gültige Fakten präsentiert, obwohl es auch andere Interpretationen gibt. Sich also gemein gemacht mit den Äußerungen. Dies sei Journalisten vorzuwerfen und zu ahnden.

Ziemlich an der Realität vorbei. Bzw. ein Vorwand, um kritische Journalisten mundtot zu machen. Um darauf aufmerksam zu machen, die Sensibilität zu schärfen und etwaigen Versuchen entgegen zu treten, nochmals:

Dies ist ein Themenvorschlag.

Für einen Fernsehbeitrag. Und Artikel.

Basierend auf der Studie von Erich Schmidt Eenboom und Klaus Eichner.

Watergate

Hieß im Original

„All the presidents´ men“

Doch die wurden nie gefragt.

Dabei gibt es sie.

Die Präsidenten-Männer

Sind ein Geheimdienstgremium der Vereinigten Staaten von Amerika:

“President’s Foreign Intelligence Advisory Board – PFIAB

Die Tätigkeit des PFIAB ist durch die Executive Order 12537 vom 28. Okto­ber 1985 geregelt.

Der Vorsitzende war bisher Admiral William Crowe, früher Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, der  durch Präsident Clinton zum Botschafter der USA in Großbritannien ernannt wurde“,

schreibt Eichner.

Er hat noch mehr herausgefunden. Wer nur die CIA kennt, weiß zu wenig. Es gibt so viele amerikanische Geheimdienste wie das Telefonbuch Blätter hat. Hierzu gehören nach seiner Erkenntnis:

„Senior Interagency Group – Defense Policy (SIG – DP)

 Erarbeitung eines zusammenfassenden Jahresüberblicks für den NSC über die Bedrohung der Interessen der Vereinigten Staaten durch ausländische Nachrichten- und Sicherheits­dienste sowie internationale terroristische Aktivitäten, einschließlich einer Bewertung der Effektivität der Spionageabwehr der USA;

(…)

subic wald schöner2

SUBIC rainforrest, Philippines – photographed by Susanne Haerpfer

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Die Abteilung für Inlandkontakte (Domestic Collection Division – DCD) realisiert nachrichtendienstliche Befragungen von USA-Bürgern, die in das Ausland reisen.“

Weil´s so unglaublich ist,

nochmals. Laut Eichner gibt es den US-Geheimdienst Domestic Collection Division. Dieser verhört Amerikaner, die verreisen.

Klingt wie Stasi auf amerikanisch, oder?

Diesen Ausfrage-Dienst soll laut Eichner Thomas Alan Twetten geleitet haben: “Er arbeitete 28 Jahre in getarnten Positionen im Nahen Osten und Asien, u.a. als Emissär zu Saddam Hussein und als Spezialist für Afghanistan.“

Was „Emissär

Zu

Saddam Hussein“ heißt, schreibt Eichner nicht. Könnte aber wichtig sein, um zu verstehen, was im Irak geschieht. „Emissär zu Saddam Hussein“ klingt jedenfalls, als ob er Helfershelfer Saddams war.

„das Office of Technical Service gewährleistet technische Unterstützung, wie die Bereitstellung von speziellen Kommunikationstechniken, exotischen Waffen oder speziellen Chemikalien für nachrichtendienstliche Operationen.“

Von Barschel bis zum Tode Arafats – das Office of Technical Service könnte zumindest dabei helfen den Richtigen die wichtigen Fragen zu stellen, um Antworten zu bekommen.

Was können Zuschauerquoten mit Geheimdienst zu tun haben, copy tests und Meinungsumfragen – u.a. der Foreign Broadcast Information Service könnte darauf mehr als eine Antwort haben. Die Nachfrage nach Seichten verstärken, zum Beispiel.

„Das National Photographic Interpretation Center (NPIC) fungiert als Bildauswertungszentrum und der Foreign Broadcast Information Service (FBIS), mit Außenstellen in einigen Ländern (u.a. in Köln und Wien),

dient der Aufzeichnung und Auswertung ausländischer Rundfunk- und Fernsehsendungen“,

schreibt Eichner.

Thema für Weltspiegel, Zapp und Medienzeitschriften wie „Journalist“: was machen die und welche Auswirkungen auf den Journalismus hat das, was das FBIS in Köln und Wien tun?

Auslandsjournal, Monitor, Panorama, Kontraste und weitere Magazine könnten der Frage nachgehen:

Was eigentlich macht das „Office of the Coordinator and Special Advisor – OCA (diplomatische Tarnung des COS als Botschaftsrat für Koordinierung)

Berlin: US-Mission, United States Army Field System Office – USAFSO[i] (militärische Tarnung des COS

als Special Advisor to the Commander Berlin Brigade)

_DSC0680  photo: Susanne Haerpfer

Mitarbeiter mit diplomatischer Abdeckung (diplomatische Tarnung des DCOS als Special Advisor to the  Minister)[i] Detachment B, (militärische Tarnung der speziellen Wacheinheit)“,

schreibt zumindest Klaus Eichner in der Studie.

Die liest sich, als ob Deutschland Tummelplatz amerikanischer Geheimdienstler ist wie man es nur aus den Krimis von John Le Carré kennt.

OCA (IG-Hochhaus)(diplomatische Tarnung der Mitarbeiter)

Operative Dienststellen:

Frankfurt/M: Abrams Building, Regional Operations Center – ROC (diplomatische Tarnung im Rahmen der Botschaft Bonn und des Generalkonsulats); U.S. Army Scientific Evaluation Team[i] (Militärische Tarnung) – Dienststelle der wissenschaftlich-technischen Spionage

Zentrale Koordinierungsstelle:

Stuttgart: USEUCOM, Plans and Analysis Staff[i]

Zentrale Auswertungseinheiten:

Frankfurt/M: Abrams Building, United States Army General Research Detachment – USAGRD (militärische Tarnung der Mitarbeiter)

Rhein-Main-AB, United States Army Special Assessment Unit – USASAU militärische Tarnung)

– Einsatz von Funk- und Chiffriertechnik“

_DSC0525  photo: Susanne Haerpfer

Wenn es tatsächlich so viele amerikanische Geheimdienstler in Deutschland gibt, ist:

–         die derzeitige Aufregung über die Überwachung durch die NSA ein Klacks, und sie lenkt ab von den Aktivitäten der anderen.

–         Der Terroranschlag am 11. September 2001

–         Durch Studenten aus Deutschland nicht so unbekannt und überraschend, wie dies seitdem behauptet wird.

–         Oder all die Agenten haben alle ihren Job nicht gemacht.

–         Oder die Erkenntnisse der einen, wurden durch die anderen wieder zunichte gemacht und gelöscht, bevor sie weitergegeben werden konnten, oder diejenigen hätten erreichen können, die Anschläge verhindert hätten.

Vor allem, weil die Chancen offenbar groß sind, daß die Terroristen ihre Flüge gebucht haben bei Mitgliedern eines amerikanischen Geheimdienstes und dort auch bezahlt haben. Denn: Klaus Eichner schreibt in der VW-Studie:

motto photo: Susanne Haerpfer

motto photo: Susanne Haerpfer

US-Agenten „wurden unabhängig von den offiziellen staatlichen Einrichtungen der USA im Einsatzland aufgebaut und stützten sich u.a. auf Vertreter von Firmen, Banken, Handelseinrichtungen und auf im Einsatzland ständig lebende USA-Bürger.“

„Nach dem Zusammenbruch der DDR stellten Analytiker der CIA-Zentrale in Berlin fest, daß alle in der DDR tätigen Agenten der CIA durch das Ministerium für Staatssicherheit als Doppelagenten gegen die CIA geführt wurden.[i] – … –  Eine der Hauptaufgaben der Unterresidentur in München bestand in der Aufrechterhaltung der Verbindungen zur Zentrale des BND. Dazu hatten die Geheimdienste der USA in München ein komplexes Verbindungsbüro unter der Bezeichnung „Combined Group Germany – CGG“ eingerichtet, das mit Standleitungen für den Fernmelde- und Fernschreibverkehr mit der BND-Zentrale verbunden war. Im Informationsaustausch mit dem BND nutzte die CIA ebenfalls die Tarnbezeichnung „OCA“.[i] Die Combined Group Germany ist mit Stand 1993 im Bereich der Vermittlungsstelle Bad Aibling/Chiemsee des militärischen Fernmeldenetzes der USA stationiert.[i]

akwbunt0081blau  nuclear power plant – motto photo: Susanne Haerpfer

Department of Energy, Office of Intelligence

1990 verfügte der Energieminister die Zusammenführung aller Aufklärungskomponenten des Ministeriums zu einem Office of Intelligence, das ihm direkt unterstellt ist. Beobachter werteten diese Entscheidung als Bestandteil der verstärkten Bemühungen der Bush-Administration zur Entwicklung der Wirtschaftsspionage, insbesondere zur Koordinierung der Aufklärung der konkreten Situation der Vereinigten Staaten auf dem Sektor des Zuganges zu Öl und anderen Energiequellen. Als Leiter wurde Robert W. Daniel Jr. ernannt, ein früherer Mitarbeiter der CIA, der von 1973 bis 1983 als Kongreßabgeordneter den Bundesstaat Virginia vertrat.[i]“

Ein extra-Geheimdienst nur für´s Energieministrium. Das bestätigt sämtliche Klischées, die man von amerikanischen Geheimdiensten seit den 60 er Jahren hat.

Doch es geht noch schlimmer. Sämtliche Vorbehalte gegen über dem Finanzamt scheinen sich zu bestätigen. Laut Eichner arbeitet das Finanzamt mit einem Geheimdienst zusammen; zumindest das Amerikanische:

„Das Büro für Aufklärungsunterstützung

im Finanzministerium

ist verantwortlich für die offene Beschaffung von Informationen auf dem Gebiet der internationalen Finanzpolitik und der ausländischen Währungen. Es gewährleistet die Erarbeitung und Weitergabe von Wirtschaftsinformationen

im Verantwortungsbereich des Finanzministers. Dem Finanzministerium untersteht außerdem der Secret Service. Neben seiner Funktion als Abwehrorgan zum Schutz der Regierung  ist der Secret Service verantwortlich für die Bekämpfung der Falschgeldkriminalität und des Kreditkartenbetruges. Dazu sind ca. 1.500 Mitarbeiter des Secret Service in allen Zentren der USA eingesetzt.[i]“

Selbst das Verkehrsministerium ist laut Eichner nicht einfach ein Verkehrsministerium, kümmert sich um mehr als um Busse und U-Bahnen.

Die sind nämlich Sicherheitsrelevant. Zumindest in den Usa. Klaus Eichner hat herausgefunden:

„1990 wurde das Büro für Aufklärung und Sicherheit im Verkehrsministerium der USA eingerichtet. Diese Entscheidung geht auf eine Forderung der Kommission für Luftsicherheit und Terrorismus (Commission on Aviation Security and Terrorism) der Bush-Administration, die zur Untersuchung des Lockerbie-Attentats eingesetzt wurde, zurück.

(…)

Im gleichen Zusammenhang soll für die Bundesluftfahrt-Verwaltung (FAA) die Position eines Direktors für Forschung und Entwicklung in Sicherheitsfragen und einer Aufklärungsabteilung (Intelligence Division) eingerichtet werden.[i]“

Was heißt das für

Den Berliner Hautpstadtflughafen?

Den HVV?

_DSC0351 motto photo: Susanne Haerpfer

Die Berliner Verkehrsbetriebe?

Den neuen Bergedorfer Busbahnhof?

Wie machen´s die anderen?

Welche technischen Möglichkeiten gibt es?

Eichner listet das Arsenal auf, über das das amerikanische Pendant von „Q“ verfügt:

„Abstrahlungen von Geräten, besonders Waffen) und                                                                                         Waffenleitsysteme

* FISINT Foreign Instrumentation (Signalkennungen fremder Instrumente)

Signals Intelligence      

* RADINT Radar Intelligence (Aufklärung der Charakteristika fremder Radarsysteme),

* LASINT Laser Intelligence (Laseraufklärung)

* IMINT Imagery Intelligence (Bildaufklärung, besonders Auswertung von Satellitenaufnahmen),

  • ACOUSTINT Acoustical Intelligence (Auswertung von
  • Schallaufzeichnungen).

Mitnutzung bestehender Peil-, Erfassungs- und Auswertungsstationen in allen bedeutsamen Regionen der Welt.

(…)

Der W-Group unterstehen die Erfassungs- und Auswertungszentren Defense Special Missile and Astronautics Center (DEFSMAC), das gemeinsam von NSA, CIA und DIA betrieben wird, und das National Telemetry Processing Center, in dem alle telemetrischen Daten von Raketenstarts erfaßt und ausgewertet werden.

Dem Office of Signal Intelligence Operations untersteht weiterhin das National SIGINT Operations Center (NSOC), das im 24-Stunden-Dienst“

Arbeitet.

Das Büro für Forschung und Entwicklung  (Office of Research and Engineering; R-Group) ist

die

zentrale Führungsstelle für die wissenschaftlich-technische Grundlagenforschung und die Entwicklung entsprechender Technologien und Ausrüstungen zur Erfassung elektromagnetischer Abstrahlungen,

für die Dechiffrierung fremder Codes und für die Sicherung der eigenen Chiffriersysteme und Kommunikationstechniken.

In diesem Büro arbeiten Abteilungen für mathematische Grundlagenforschung (Mathematical Research Techniques Division), für Erfassungstechnik (Intercept Equipment Division) und für Chiffriertechnik (Cryptographic Equipment Division).

_DSC0446   motto photo Susanne Haerpfer

(…)

Den Bataillonen stehen entsprechend ausgerüstete Flugzeuge für Aufgaben der Erfassung feindlicher Kommunikationen (System GUARDRAIL) bzw. für die Erfassung elektromagnetischer Abstrahlungen (System QUICKLOOK)“

Gegenüber sowie

„Strategische Aufklärung (Strategic Division) mit den Referaten Raketenwaffen (Missiles Branch), Kern- und Strahlungswaffen

(Nuclear/Directed Energy Weapons Branch),

Weltraum und Verteidigungssysteme (Space & Defensive Systems Branch) sowie Operationen (Operations Branch)“

Elektromagnetische Abstrahlung

Mathematische Grundlagenforschung

Zeigt, Wissenschaft sollte nicht Wissenschaftsredakteuren (allein) überlassen werden. Zu wichtig ist, wofür die Ergebnisse ge- bzw. missbraucht werden.

Telemetrie als NSA-relevant,

sollte Umweltschützer hellhörig werden lassen.

Bislang promoten Greenpeacer nämlich diese Technik. Und verkennen, welchen Interessen die Technik (auch) dient.

Die Studie, die mit Hilfe des Weilheimer Friedensforschungsinstitut entstand, nennt weitere US-Geheimdienste:

„Die S-Group (Office of Information Security) ist verantwortlich für alle Informationssicherheits-Programme der Regierung, des State Department sowie der anderen Dienste der Intelligence Community.[i]“

Die weiteren amerikanischen Geheimdienste sind in Deutschland über Militärs:

„Die NSA-Zentrale unterhält ein Europakommando NCER (NSA/CSS Europe) mit seinem Stab im Europakommando der US-Streitkräfte (USEUCOM) in Stuttgart/Vaihingen. Außenstellen (Field Offices) des NCER operierten auch 1993 in Augsburg, Berlin (bis zur Auflösung des Objektes in der Field Station Berlin-Teufelsberg) sowie in Brüssel.[i]

map of London photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de
map of London photographed by Susanne.Haerpfer@bits.de

Für die speziellen Kontakte der NSA-Zentrale zu Großbritannien im Rahmen des UKUSA-Vertrages existiert in London das Büro für Sonderverbindungen (Special United States Liaison Office – SUSLO).

Die grundlegenden Aufgaben der NSA werden in der Executive Order 12333, Punkt 1.12.(b) definiert:

Die bisherige Field-Station Augsburg wurde ca. 1991 umbenannt in 701. MI-Brigade & Field Station Augsburg.

Die Field-Station Berlin-Teufelsberg wurde per 16.1.1992 durch INSCOM aufgegeben.[i]

Eine bedeutende Station in Europa war die U.S. Army Field Station Sinop (auch unter der Bezeichnung Station „Diogenes“ bekannt) in der Türkei, sie wurde per 1.4.1993 geschlossen. In Sinop waren rund 500 Angehörige von INSCOM bzw. der Naval Security Group tätig.[i]

Unterstützungsfunktionen für alle kryptologischen Aufgaben im Bereich des Europakommandos werden zentral von der U.S. Army Cryptologic Support Group (CSG), Standort: Heidelberg, wahrgenommen.

Dazu ist das ESC an einem Europa-Hauptquartier des „Joint Electronic Warfare Center – JEWC“ in Stuttgart/Vaihingen beteiligt.

Die operativen Einheiten des ESC sind in Electronic Security Groups (ESG), Electronic Security Wings (ESW) und Electronic Security Squadrons (ESS) gegliedert und tragen in Europa taktische Nummern der Serie 6900 – 6999:

Ein Office of Protective Intelligence sammelt und analysiert alle Informationen, die für die Arbeit des Secret Service notwendig sind.[i]

Anfang 1993 waren Beamte des Secret Service im Einsatz, um in der Technischen Universität Texas eine Gruppe festzunehmen, die auf Software-Raubkopien spezialisiert war.[i]

Dem USEUCOM nachgeordnet sind die Europakommandos der Landstreitkräfte (U.S. Army Europe – USAREUR, Heidelberg/BRD), der Luftwaffe (U.S. Air Force Europe – USAFE, Wiesbaden/BRD) und der Marine (U.S. Navy Europe – USNAVEUR, London/UK), in denen eigene Aufklärungskomponenten tätig sind.“

_DSC0477  motto photo Susanne Haerpfer

Über sämtliche Ereignisse und Skandale der Bundesrepublik

Gibt es also amerikanische Akten, Wissen und Interviewpartner. Olympia-Attentat, Lockerbie, Barschel, Terroranschläge – bis in die jetzige Zeit.

Eichner fand heraus:
Geheimdienstler seien „auf der McDill Air Force Base in Florida stationiert. Die Elitetruppen werden ausgebildet und eingesetzt für die Bekämpfung des Terrorismus, bei Unruhen in der Dritten Welt und gegen illegalen Drogenhandel.“

„Das Hauptquartier des U.S. Army INSCOM, Europe ist in Augsburg/Deutschland stationiert. Es besteht aus einer Stabskompanie, sowie je einer Kompanie für Dienstleistungen und für Versorgung/Instandhaltung.[i]

Als seine Aufgaben werden u.a. bezeichnet

1)       Durchführung von Aufklärungs- und Gegenspionageoperationen in Europa“

Was heißt das?

In heutigen Zeiten.

Wenn es zumindest noch 1995 „Aufklärungs- und Gegenspionageoperationen in Europa“ gab?

Wer wird von Amerikanern weshalb ausspioniert? Und welche Folgen hat das?

Und warum gibt es im kleinen Dorf Schleswig

Eine Peilstelle?

Was macht die?

“Military Intelligence Battalion. Augsburg (mit Peilstelle in Schleswig)

Verbindungsoffiziere in den Bundesländern (Land Liaison Officer – LLO).[i]  Für die zentrale Koordinierung unterhält das Büro des DCSINT ein Verbindungs­referat im Bereich der CIA-Residentur in der USA-Botschaft in Bonn/Bad Godesberg (

ODCSINT Liaison Office).[i]

(…)

Das 18. Military Intelligence Battalion mit dem Standort in Augsburg,.Reese-Kaserne.[i] (1992 verlegt von München, Sintpert­str./Traunsteiner Str.)

war eine Struktureinheit für das nachrichtendienstliche Befragungswesen. Es unterhielt mit seiner 5. Military Intelligence Company Außenstellen

in den Aufnahmelagern für Flüchtlinge oder Aussiedler,

z.B. Gießen, Zirndorf, Friedland.

Mitarbeiter des 18. MI-Bn waren in dem Vereinigten Alliierten Operationszentrum für Flüchtlinge

(Joint Allied Refugee Operations Center, Berlin)

(JAROC/B) mit dem Standort in Berlin, Sven-Hedin-Str. 9-11[i]

gemeinsam mit Befragern anderer alliierter und deutscher Geheimdienste tätig. Außerdem gehört zum 18. MI-Bn ein TAREX Detachment, welches Informationen, Proben oder Muster über wissenschaftlich-technische Entwicklungen und über Waffen und Ausrüstungen sicherstellt und analysiert.

1993 unterhielt das 18. MI-Bn Außenstellen in

Grafenwöhr, Kaiserslautern, Karlsruhe, Mainz, Stuttgart und Würzburg, eine Gruppe Gegenspionage im Europakommando der Streitkräfte (USEUCOM) in Stuttgart/Vaihingen sowie eine Außenstelle in der NATO mit Standort Chievres/Belgien.[i]“

nasa agne0358 besser   Magnet motto photo Susanne Haerpfer

Was bedeutet dies für Asylbewerber? Weshalb gibt es Übergriffe gegen Flüchtlinge, obwohl nach der Schilderung Eichners auf jeden Asylbewerber ein US-Agent zu kommen scheint.

Nimmt man die Studie beim Wort, müßte sich in Deutschland slapstick ereignen. Ein Asylbewerber, begleitet von seinem persönlichen Agenten der USA, der wiederum beobachtet werden muß, von jeweils einem Agenten aus dem Ursprungsland, mindestens einem Deutschen und einem Russen sowie vermutlich weitere Agenten aus zusätzlichen Ländern, die wiederum ein Interesse haben an den Auswirkungen für ihre Länder von Gabun bis Island.

Wenn dies aber so ist, warum schreiten all diese Agenten nicht ein, sobald auch nur ein bösartiges Wort fällt? Warum gibt es feindliche Übergriffe und Auseinandersetzungen? Oder sind die beteiligt?

Wieso gibt es Armut, wenn zur gleichen Zeit eine ganze Armada von Geheimdienstlern unterwegs ist?

Eichner schildert bei Schmidt-Eenboom Szenen wie aus „Mission Impossible“:

„Das Polygraph-Detachment

in München ist neben einer Einheit mit gleicher Funktion in Korea die einzige Struktur außerhalb des Territoriums der USA, die für den Einsatz des Lügendetektors

und anderer moderner Techniken der Untersuchungstätigkeit

(z.B. Stimmenanalysen)

stimmregler0378orient  motto photo: Susanne Haerpfer

im Rahmen der Militärabwehr verantwortlich ist.

Die E-Company ist die Führungsstelle für das Aufklärungsobjekt auf dem Hohen Meißner (Detachment Meissner – Hessisch-Lichtenau).[i]

Außenstellen des 165. MI-Bn sind als Detachments in Ansbach und Frankfurt

sowie als Grenzaußenstelle (Border Residence Office) in Fulda disloziert.Standort Augsburg bzw. Gablingen.[i]“

Die New York Times machte öffentlich, daß Post überwacht wird, die zwischen den USA und Deutschland befördert wird.

Eichner nennt, wer daran beteiligt ist:

„Die Special Operations Group in München

und deren Westberliner

Außenstelle Special Intelligence Support Company – SISCO (bis Mitte der 80er Jahre Special Operations Field Office – SOFO) sind Dienststellen

der Post- und Telefonkontrolle.

Bis 1990 war die Dienststelle SISCO mit ihrem Stab im

Flughafen Tempelhof

und der operativen Außenstelle in der Winterfeldstraße

in Westberlin

allein verantwortlich für die Post- und Telefonkontrollmaßnahmen.

Die deutschen Behörden

mußten einen entsprechenden Auftrag bei SISCO einleiten und erhielten über diese Dienststelle die Kontrollergebnisse zugeleitet.“

!

Postkontrolle

In Deutschland

Mit Wissen Deutscher Behörden,

die sogar mitmachten.

Allein das bietet genug Material für einen Monat Titelgeschichten.

Was geschieht von Deutschland aus?

„Dem Direktorat für Aufklärungsoperationen untersteht das Tactical Fusion Center – TFC in Boerfink,

in dem Aufklärungsergebnisse aus allen Quellen verarbeitet und zu Informationen in nahezu Echtzeit

zusammengefaßt werden.[i] Das zu dem Direktorat gehörende Ramstein Warning Office steht über Boerfink in Direktverbindung mit dem Kommandeur und dem Stab von USAFE, um Informationen zur Frühwarnung zu übermitteln.

Für Europa war das AFSAC unter der Bezeichnung European

Special Activities

Area – ESAA mit Stab in Wiesbaden

(Lindsey Air Station) und den Detachments 11 in München

(verantwortlich für Befragungen),

12 in Nierrod (verantwortlich für Agentenführung), 13 in Bitburg (Funkführungsstelle) und 14 (Chiffrierwesen)  auf der Air Station Lindsey tätig.

(…)

Umfang und Intensität der Aufklärungstätigkeit des Marinegeheimdienstes kann z.B. an einem Special Report „Inside the Navy“ vom Juni 1994 mit globalen Bewertungen für das Jahr 1994 ermessen werden. In diesem Bericht werden u.a. folgende Komplexe dargestellt:

Regionaler Überblick Europa,

mit Abschnitten über Jugoslawien, Griechenland und Türkei, Bewertungen der Marinekräfte in Osteuropa,

Westeuropa/NATO sowie der Nuklearmächte

Großbritannien/Frankreich.

In speziellen Trendeinschätzungen

der Seestreitkräfte werden

Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Deutschland

beurteilt.“

Was genau tun die und welche Folgen hat dies für Fragen, die aktuell debattiert werden, wie Schutz vor Piraterie?

Welche Auswirkung hat ihr Handeln, welche Informationen gibt es über Ereignisse, die Deutschland erschütterten? Zum Beispiel der Todesfall Barschel. Immerhin weist Eichner darauf hin, daß:

Per 30.9.1987 waren in Europa insgesamt 117 Mitarbeiter des Marinegeheimdienstes stationiert.[i]

In Deutschland ist ein Verbindungsbüro in Augsburg stationiert; in Berlin ist der Vertreter des Marinegeheimdienstes unter der Tarnung des US Naval Advisor-Berlin tätig.[i]“

(…)

In Europa operieren Einheiten des AFOSI-Distriktes 70 in Stützpunkten auf den Azoren, in Belgien, Frankreich, Deutschland,

Griechenland, Italien, den Niederlanden, Spanien und in Großbritannien.[i]

Per 30.9.87

waren in Europa insgesamt 444 Mitarbeiter

stationiert, davon 379 Militärangehörige und 65 Zivilangestellte.[i] Für Deutschland

existiert eine Verbindungsreferat des AFOSI im Bereich der CIA-Residentur mit der Bezeichnung OCA/Air Force in der USA-Botschaft in Bonn/Bad Godesberg.

Weitere Einheiten mit Sicherheitsaufgaben

[i]Der Standort war das Gebäude 6A im Bereich des Hauptquartiers in Berlin, Clayallee, Eingang Saargemünder Str. 1993 war diese Dienststelle noch in Berlin nachweisbar; vgl. Telephon Directory USAREUR Juli 1993““

Ansatzpunkte für Fernseh-Beiträge gibt es also reichlich.

_DSC0081        Susanne Haerpfer in London for metaproductions

Fernsehen mache ich seit Jahren;

Festangestellt und freiberuflich

Für´s Privat-Fernsehen

Und öffentlich-rechtliche.

Aufträge, Ankäufe, Produktionsnummer, -Mittel und Veröffentlichungen sind mehr als willkommen!

©susanne.haerpfer@bits.de