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Google

Gee, òu le?

Wo um alles in der Welt ist bloß ?

So lautmalerisch könnte einmal der Name für die Suchmaschine entstanden sein. Im kosmopolitischen Nerd-Sprech.

Doppel-Null steht zwar durchaus für James Bond und für bits und bytes –

Aber: die eins fehlt

So daß nur das Klo übrigbleibt.

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Exakt diese Häme und das Klischée grassiert in Deutschland.

Manche setzen google gleich mit dem Sieg des Banalsten. Immerhin funktionieren nach dem Prinzip copy-tests für deutsche Zeitschriften.

Die Firmen, die copy-tests durchführen, bauen ihre Fragen so auf, daß beim sogenannten Test stets das Vorgegebene herauskommt: das, wovon Marketingstrategen meinen, es entspräche ihrem Klischée der Zielgruppe: Rezepte, Konsum von Billigprodukten, unerreichbare Glitzerwelt, passives Sehen von Unterhaltungsprogrammen

Das war lange die Rezeptur für Billigzeitschriften für das untere Marktsegment.

Dies wurde dann mit wünschenswerten Attributen versehen, etwas anderes gab es nicht, also wurde das, was es gab, verkauft. Eine angebliche Bestätigung der sogenannten Marktforschung.

Mit der Wirklichkeit hatte das nichts zu tun.

Man kann nur nach etwas fragen, was man kennt.

Aber das sollte ja mit aller Macht verhindert werden.

Das Adenauer-Taliban-Land Deutschland sollte auf keinen Fall bevölkert sein von gleichberechtigten Wissenschaftlerinnen, die auch noch Qualität zu schätzen wussten.

Also wurde das Angebot künstlich verknappt.

Und so ist es im Prinzip bis heute.

Technisch machbar ist eigentlich ein ganz anderes Informations-Angebot.

Technisch ist es möglich, alles Interessante, Wissenswerte und Schöne der Welt ausfindig zu machen und es zu präsentieren – so, daß es jeder versteht.

Manche Informationen müssen dafür erst verstanden und journalistisch aufbereitet und adäquat visuell aufgepeppt werden.

©susanne.haerpfer@bits.de in Hamburg

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Doch genau das wollen jene verhindern, die selbst mittelmäßig sind, die gegen Klugheit und Intelligenz sind, die Herrschaftswissen für sich behalten wollen, die selbst nur Banales wollen, die zwar vorgeben, das Besondere zu wollen, in Wahrheit aber exakt dies verhindern.

Solch fatales Wirken von pseudowissenschaftlichen Marketing-Leuten habe ich selbst erlebt. Sie hatten die Aufgabe, mit aller Macht zu verhindern, daß es wirklich um ein Ergebnisoffenes Präsentieren von überraschenden Neuigkeiten gegangen wäre. Die Klischée-Vorgaben standen vorher fest und die sollten erst bestätigt und dann umgesetzt werden. So war der Fragekanon und der Marketing-copy-test konzipiert.

Jeder, der an der Universität Journalismus, Politik oder Wirtschaft studiert hat, konnte dies durchschauen.

Geändert hat sich bislang nichts.

©susanne.haerpfer@bits.de in Hamburg

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Komplementär-Grund-Farben sollten signalisieren: Gegensätze ziehen sich, ergänzen sich und bilden die Basis dieses Planeten

Eine Gruppe innerhalb der google company wollte an diesen Gedanken anknüpfen.

Jedenfalls ergab sich das aus den 45 Seiten, die 2012 auf der homepage von google veröffentlicht wurden.

Journalistische Inhalte sollten erarbeitet werden, hieß es vielversprechend bei google.

Sie sollten in google eingespeist werden und so Interesse wecken. Journalistische Inhalte sollten einem banalen Abwärtstrend gegensteuern. Nachfrage gestärkt. Nicht nur ein Algoritmus. Der ebenfalls Informationen gewichten und so verhindert, daß nicht reine Menge von Banalem dazu führt, daß sich das Banale ausbreitet.

Statt immer mehr von immer weniger, sollte der ursprüngliche Sinn vom internet wiederbelebt werden: Spezialwissen aus aller Welt sollte jedem zur Verfügung stehen. Wer etwas nicht versteht, sollte es erklärt bekommen. So fing das internet einmal an. Militär im guten Sinn. Welche Auswirkung haben Erkenntnisse aus Biologie, Physik und Chemie für jeden von uns? Statt affirmativer Industrie-PR sollte journalistisch-kritisch verdeutlicht werden: wozu führt Atomtechnik? Was richtet Chemie an? Was gibt es an Schützenswertem in anderen Ländern? Es betrifft alle. Weltall und Erde gehören zusammen. Sind als Einheit zu betrachten.

Weltweit suchen Menschen nach Wissen, nach der Weltformel.

Dieser Geist des ursprünglichen DARPA-net sollte wiederbelebt werden.

DSCI0145

„Goo“ wie „gurr“ von Friedenstauben ©susanne.haerpfer@bits.de in Hamburg

Das interessierte mich. 2012 bewarb ich mich im Wissenszentrum von google: in Boulder. Dort, wo auch Luftfahrt, Militärtechnik und Elektrotechnik ihre wissenschaftliche Heimtat haben.

Ich hörte nichts von google.

In Hamburg stolperte ich über die Adresse, unter der google in Deutschland firmiert. Also beschloß ich, einmal selbst und direkt nachzufragen.

Das andere, das kritische google

Das Recherche-Sympathische für das in der Tiefe der homepage geworben wurde

„Alle Besucher müssen sich anmelden“, heißt es auf dem Bildschirm am Empfang. Nach dem Grund des Besuchs wird gefragt. Geschäftlich, Interview, privat, Besuch wird gefragt. Doch eine Antwort wird verhindert. Von der Frau am Empfangs-counter.

Counter trifft´s.

Im Negativen.

sw nichts übrig143

Bis nichts mehr übrigbleibt… photo: ©susanne.haerpfer@bits.de in Hamburg

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Die Begrüßung fällt aus, wie es dem das Klischee von google-Kritikern in Deutschland entspricht. Der Empfang entspricht dem, was ich als festangestellte Focus-TV-Redakteurin einst erlebte, als ich in Stockholm mit einem Schwedischen Kamerateam zum Thema Scientology drehte. Erst filmten wir einen Aussteiger. Dann wollten wir eine Stellungnahme von der Landeszentrale. Dazu kam es nicht. Wir wurden aggressiv weggescheucht.

Exakt dasselbe, in genau demselben Tonfall und exakt derselben Attitude trat die Empfangsdame von google auf.

Erschreckend.

Bei meinem Dreh bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau Kfw für den Mitteldeutschen Rundfunk MDR, hatte ich zuvor Ähnliches erlebt. Das Interview bei der Kfw konnte nur stattfinden, während fünf (5!) Vertreter der Rechtsabteilung der Kfw anwesend waren.

Ein unfassbarer Vorgang.

Wie es sich Reporter Klischéehaft wünschen, wenn sie einen 70er Jahre Journalisten-Auftritt im Stil von Watergate hinlegen wollen.

So was gibt´s eigentlich nicht.

Im Negativen.

Und auch ich habe solch Unglaubliches nur zweimal erlebt: in Stockholm und bei der Kfw.

Und jetzt also bei google.

Was das heißt, das können vermutlich nur Ehemalige von google sagen, oder von Konkurrenzbüros aus anderen Städten, die selbst den Kopf schütteln über das Hamburger office.

©susanne.haerpfer@bits.de