SPIEGEL online schreibt über

die Regisseurin Haifa al-Mansur. Sie hat den ersten Kinofilm Saudi-Arabiens gedreht.

Ihr Film und der Artikel sind zugleich eine Parabel auf Deutschland.

Denn Saudi ist zugleich Deutschland, das Land, in dem der Tschador unsichtbar ist. „Glass ceiling“ heißt es, wenn Frauen zwar viel leisten, aber wenig Geld verdienen. In Saudi-Arabien und in Deutschland gilt: Frauen genießen Freiheit nur mit Kindern.

Die Serien „Dallas“ und Denver-Clan prägten das Bild der USA bzw. vom Westen allgemeint. Kamen Asylbewerber aus Pakistan oder anderen islamisch geprägten Ländern in´s Land ihrer Träume, war die Verblüffung, war die Enttäuschung meist enorm. Als einmal ein Briefkontakt aus Guatemala in mein Heimatdorf kam, war der Bewohner Chichicastenangos entsetzt von den kleinen, deutschen Gasthöfen, die so gar nichts von den internationalen Hotelketten Sheraton oder Hilton hatten, die man als Mindeststandard für Deutschland empfand.

Frauen haben mit einem gutverdienenden, sportlichen, blendend aussehenden Mann verheiratet zu sein, Doppelverdiener durchaus, aber bitte nicht allzu sehr, schließlich müssen zwölftausend Euro-Fahrrad und Jogging-buggy-car gezeigt werden. Das Industrie-Loft zahlt selbstverständlich der Mann, die Frau hat nur eine Partner-card. Der Chefredakteur einer deutschen Frauenzeitschrift war 1996 baff erstaunt, daß ich weder verheiratet war, aber meine eigene Gold-card hatte, auf Weltreise ging, und dies nicht auf Rucksack-Travellers´level und auch noch vor hatte, weiterhin berufstätig zu sein. Deutschland ist noch immer Adenauer-Taliban-Country.

Was die saudi-arabische Regisseurin erlebte, geschieht in Deutschland:

„Mansur: Ich begann, Filme zu machen, weil ich mich äußern wollte. Ich wollte gar nicht politisch sein oder die erste Regisseurin, sondern mich einfach selbst verwirklichen. Durch die besonderen Umstände war es natürlich viel Arbeit, die Vorbereitungen dauerten fünf Jahre.“

Solange hat es auch gedauert, bis meine Arbeit über den Umweg dieser homepage in Deutschland wahrgenommen wird.

Die Erfahrungen, die Filmemacherin Mansur machte, erlebe ich ebenfalls seit fünf Jahren:

„Mansur: Als ich das Drehbuch fertig hatte, schickte ich E-Mails an westliche Produktionsfirmen, die arabische Kinowelt ist nicht besonders offen für solche Geschichten. In den meisten arabischen Ländern gibt es zwar eine Mainstream-Kinokultur, die größtenteils aus Ägypten kommt, aber das sind ganz andere Filme. Ich musste also einen neuen Markt finden, und mir war klar, dass das nur über Co-Produktion funktioniert. Auf meine vielen E-Mails antwortete aber niemand.

Schließlich bekam ich Hilfe vom Writer’s Lab des Sundance Instituts.“

Glückwunsch! Robert Redfords deutsche Stimme ist bei Phoenix regelmäßig zu hören. Vielleicht klappt´s ja doch noch mit dem deutschen Watergate.

Wenn das geschieht, was die saudische Kino-Frau beschreibt:

„Man muss sich stark konzentrieren, die Essenz der Szenen finden, den Schauspielern verbal

ganz genau erklären.“

http://www.spiegel.de/kultur/kino/das-maedchen-wadjda-regisseurin-haifa-al-mansur-im-interview-a-919147.html

von: susanne.haerpfer@bits.de