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Erdbeben sollen auch durch phracking ausgelöst werden. So wird seit kurzem genannt, wenn Chemikalien in die Erde gepresst werden. Die Schäden für die Umwelt empören. Reichlich spät. Ein Blick in alte GEO-Hefte zeigt: wir hätten es schon längst wissen können. Die Empörung hätte bereits in den

80 er Jahren einsetzen müssen. So lange existiert die Technik nämlich, nur wurde sie anders genannt. Journalisten griffen Themen ihrer Kollegen auf, Chemie in der Erde gehörte nicht dazu. Daher debattieren wir erst jetzt, worauf in GEO am Montag, den 23 September 1991 auf

Seite 6 und 7 Hoechst High Chem auf doppelseitigen Anzeigen hinwies:

„Bohrspülung ebnet den Weg in die Tiefe.

Eine tragende Rolle bei den geologischen Tiefbohrungen spielt die Bohrspülung. Das ist eine speziell entwickelte Flüssigkeit, die eine speziell entwickelte Flüssigkeit, die eine ganze Reihe von schwierigen Aufgaben zugleich erfüllen muß: Sie kühlt und schmiert den Bohrer und transportiert Gesteinsproben an das Tageslicht. Außerdem muß sie den Druck in den verschiedenen Gesteinsformationen wie Sand, Kalk oder Ton kompensieren. In den sechziger Jahren erreichten erste Bohrungen Tiefen und damit auch Temperaturen, denen die Bohrspülungen auf Basis von Cellulose-Polymeren nicht mehr gewachsen waren. Denn pro 1000 m Tiefen steigt die Temperatur um ca. 30 Grad. Hoechst entwickelte vollsynthetische Polymere, die auch bei großer Hitze stabil bleiben.

Um 1980 gelang der große Durchbruch mit einem Additiv, das sich vor allem bei salinen Bohrspülungen bewährt hat. Und das in fast allen Teilen der Welt.“

Die Hoechst AG wies auf die Chemie im Boden hin, und machte öffentlich:

„Für die geologische Tiefbohrung in der Oberpfalz ist eine Tiefe von 10.000 m geplant.“

Das war 1991.

Die Doppelseite liest sich, als ob der Konzern selbst die Pläne zumindest problematisch fand, auf Protest hoffte und daher die Chemie im Boden öffentlich machte. Vergebens. Erst jetzt, mehr als 20 Jahre nach der Anzeige des Unternehmens, regt sich Widerstand.

„So hat sich die Bohrspültechnik im Laufe der letzten Jahre zu einem eigenständigen Fachgebiet herauskristallisiert. Und die Zusammensetzung der Spülung ist eine Wissenschaft für sich geworden. Bei jeder Bohrung wird eine maßgeschneiderte Spülung eingesetzt. Auch im oberpfälzischen Windischeschenbach greifen Wissenschaftler auf ein speziell entwickeltes Additiv von Hoechst zurück. Dort hat Ende 1990

eine geologische Bohrung begonnen, die eine Tiefe von 10.000 m erreichen soll. Dabei ist dieses Hilfsmittel für Bohrspülungen nur eines von vielen Produkten von Hoechst High Chem zur Erschließung neuer Rohstoffquellen. Denn bei der immer schwierigeren Suche nach neuen Energievorräten zählen moderne Erkenntnisse der Chemie zu den wichtigsten Hilfen.“

„Spülung“ wurde verharmlosend das genannt, was heute genauso verharmlosend phrack genannt wird: Gift wird in die Erde gepumpt, von wo unser Trinkwasser kommt.

Die Erde und das Wasser wird vergiftet.