susanne.haerpfer@bits.de

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White House Mouse

fragte heute morgen um 7 Uhr in Bibel TV ihren Maus-Ehemann:

„Ich fragte mich schon: Wie lange soll ich noch auf ein Ticket nach Washington warten?” Dann reisten sie gemeinsam zum großen Präsidentenempfang am 4. Juli. White House Kater “socks” ward nicht gesehen, dafür US-Western-Mäuse und Menschen.

Richtig. Genau das frage ich mich auch.

Wann gibt´s wieder die Möglichkeit für (Dreh-) Reisen?

Dauernd unterwegs sein müssen, ist erschöpfend, aber seit 2009 die Stadt nicht mehr verlassen zu haben, weil Gelder vorenthalten werden, und dies im erheblichen Umfang,

das ist noch erschöpfender.

Es fehlen: Erwerbslosengeld (2007, 2009 und kontinuierlich zu wenig angewiesen), es fehlen journalistische Honorare (2008), es fehlen Steuerrückzahlungen im erheblichen Umfang, es fehlen VG-Wort-Gelder, es fehlen Rückzahlungen von zuviel abgebuchten Krankenkassenbeiträgen, Telekomgebühren, es fehlt Schadensersatz im erheblichen Umfang für falsch erhobene Forderungen.

Von giftiger Luft im Flugzeug hatte uns ein Passagier 1999 geschrieben. Höchst glaubwürdig, schließlich arbeitete er selbst als Wissenschaftler.

„Guter Themenvorschlag, dann laß gleich Flug und Hotel buchen, damit Du spätestens morgen früh um 6 Uhr gleich die nächste Maschine in die USA bekommst“, sagte mein Chef Klaus Arth.

aircraft fair Hamburg © susanne.haerpfer@bits.de

aircraft fair Hamburg © susanne.haerpfer@bits.de

Also riefen Redaktionskollegen bei Draeger an und organisierten ein Messgerät. Ich recherchierte derweil die Hintergründe an. Vorgepackt hatte ich stets für unterschiedliche Gelegenheiten, denn bei metaproductions wurde man vom Bürostuhl weg nach Ägypten geschickt.

Kleidung kann man schließlich am Frankfurter Flughafen mit Kreditkarte kaufen.

D a s ist der Taktschlag, den ich gewohnt bin.

Und nicht die per Hartz IV auferzwungene Starre. Ich nutze die Zeit, wie man sieht, um Hamburg als gateway zu benutzen. Der Einstieg in´s Ausland und in´s jeweilige Thema kann schließlich vor Ort erfolgen. Aber gar nicht mehr raus können, das ist wie DDR ohne sichtbaren Stacheldrahtzaun. Also schlimmer. Wie soll man gegen etwas protestieren, das man nicht sieht?

Vielleicht wie im Film „Verlockende Falle“ ein rotes Infrarot-Gitter in die Stadt legen, damit die Gefangenenmauer, die Hartz IV errichtet, sichtbar werden?

Dia-Projektionen, die künstliche Mauer, die für SAT.1 im virtuellen Rechner entwickelt wurde, auf die Straße bringen? Visualisieren, was geschieht.

Das Thema der Schadstoffbelastung in Flugzeugen ist noch immer aktuell. Die TV-Beiträge ließen sich genauso wie damals auch heute drehen. Wenn man´s denn täte. Denn: es gibt immer weniger gebaute Beiträge im Fernsehen. Also optisch gestaltete Magazinstücke von Zwölf-Minuten-Länge, die inhaltlich recherchiert und optisch aufwendig umgesetzt werden. Stattdessen talking heads, wohin man blickt. Gestern zappte ich abends durch´s Fernsehen. Es gab nur redende Köpfe, auf allen Programmen. Zur Wahl standen noch PR-Beiträge oder Verrohte, Gewaltverherrlichende (nicht juristisch, sondern im subjektiv gefühlten Sinn) Bonbonserien.

ARINC at aircraft fair Hamburg © susanne.haerpfer@bits.de

ARINC at aircraft fair Hamburg © susanne.haerpfer@bits.de

Das Fernsehen hat sich zum Radio zurück entwickelt, bei dem man den Sprechenden sieht. Bildstrecken entwickeln, gestalten, drehen und senden immer weniger, so scheint´s. Zeit, Eulen nach Athen zu tragen, Zeit, Fernsehen wieder zum Fernsehen zu bringen.

Es muß allerdings auch bezahlt werden.

„Das hat uns keiner gesagt“, klagte heute früh eine Japanerin in einem Beitrag bei n 24. Die Journalisten David Schiller und Oliver Kalkhofe würden sagen:

„Ja gute Frau, das ist auch nicht die Aufgabe des Atomkraftwerks, Ihnen zu sagen, was im Akw schief läuft. Solange dies nicht ausdrücklich gefordert wird. Als unabdingbare Voraussetzung, damit ein Akw betrieben werden darf. Wer nicht fragt, dem wird auch nichts gesagt. Wenn also Untertanengeist herrscht, wenn die Attitude herrscht, laß die mal machen, und nur hinterher man sich hinstellt, und behauptet, man sei nicht informiert worden, der darf sich nicht wunden.

Demokratie macht Arbeit.

Ein Teil der Verantwortung absolutistischer Herrscher ist auf die Allgemeinheit übergegangen. Diese müssen diese nun wahrnehmen. Dazu gehört vor allem, selbst zu denken, und dies nicht anderen zu überlassen. Dazu gehört aber auch, das geltende Aktienrecht zu hinterfragen. Solange derjenige belohnt wird, der die Umwelt vergiftet, darf man sich nicht darüber wunden, daß „uns niemand sagt, daß das, womit man Gewinn macht, schädlich ist.“ So viel Denkvermögen muß jeder selbst aufbringen. Da dies aber immer weniger tun, weil es sich nicht lohnt, weil für die Grundsatzaufgaben kein Geld ausgegeben wird, weil dies nicht am Aktienmarkt belohnt wird, weil umsichtiges, schonendes, faires Verhalten kein Kriterium ist, das sich in Yen und Euro bezahlt macht, geschehen Unglücke, explodieren Atomkraftwerke. Unsere Gesellschaft ist aufgebaut nach dem Modell der checks and balances mit Journalisten als 4. Gewalt, als Wieder-Aufforster des Landes, die das wieder gerade richten sollen, was vorher verbockt wurde.

_DSC0778  Hamburg Hafen city, subway, photo: Susanne.Haerpfer@bits.de

Dafür gibt es aber immer weniger Geld, Zeit zum Nachdenken, Recherchieren, und vor allem: hinfahren.

Sich angucken: gibt es die Olivenhaine, von denen die Rede ist? Dann aber ist niemand mehr da, der Atomkraftwerke unter die Lupe nimmt. Die Eigentümerstruktur untersucht. Fragt, ob das Unglück von Fukushima vielleicht durch Manager verursacht wurde, die gar nicht in Japan sitzen, sondern sich verteilt über den Erdball befinden. Remote control, Wartung und Betrieb von Regelsystemen ist nicht mehr an Orte gebunden. Verantwortung ebenso nicht. Vor Ort befinden sich oftmals andere, als diejenigen die entscheiden. Und diejenigen, die entscheiden, hören nicht unbedingt auf diejenigen, die sich am Ort befinden. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Manchmal gibt es auch gar keine Menschen mehr, die entscheiden. Dann sind es Steuerprogramme, deren wenn-dann-Kombinationen vor Jahrzehnten programmiert wurden. Nach der Maßgabe der Schnelligkeit. Je schneller eine Reaktion erfolgt, desto besser, war die Maxime. Diesem Ziel hatte sich alles unter zu ordnen. Danach wurde auch programmiert. Es war die Zeit des Schlagabtausches zwischen Nationen. Dieselbe Vorgabe der „quick response“, die für e-mails gilt und der Reaktion auf nukleare Bedrohungen, wurde übertragen auf Atomanlagen und andere Industriebetriebe. Eskalation des Zeitdrucks. Bis der Mensch kollabiert und der Kessel explodiert.

susanne.haerpfer add bits.de

susanne.haerpfer add bits.de; Motto Photo hiesiges Akw, Technik und Management international

Während des Manövers „Able Danger“ rettete der Russische Offizier Pedrow die Welt, weil er dem Befehl, den ihm sein Computerbildschirm gab, nicht traute, sich ihm widersetzte und nicht den nuklearen Gegenschlag auslöste. Er konnte die Welt retten, weil er den Automatismus bremste. Er konnte die Welt retten, weil er die Dynamik rausnahm, weil er deeskalierte. Heute ist dies kaum noch möglich. Schnelligkeit, quick response bis in den Untergang. Nicht so viel Zeit einräumen, um unterscheiden zu können: was muß blitzschnell erfolgen und nicht erst in fünf Monaten, was wird nur wichtig gemacht, ist es aber nicht. Dies zu unterscheiden, und weise zu handeln, macht den alles entscheidenden Unterschied aus.

von: Susanne.Haerpfer@bits.de