Für Plusminus drehte ich einen Beitrag über Abhören per computer. Jahre vor der NSA-Debatte.

Während der post-production wohnte ich im Wasserturm in Köln.

Gedreht habe ich in Ostberlin – das Hotel am Berliner Ostbahnhof hatte die perfekte Optik. Es signalisierte zugleich Moderne und die Tradition eines Ziegelsteingebäudes. Beim location scouting in eigener Sache wählte ich daher für meine Dreharbeiten. Der Wasserturm in Hamburg wurde so umgebaut, daß sein Innenraum vergleichbar aussieht wie das Hotel in Berlin. Das hatte ich im Sinn, als ich gestern zwei wichtige juristische Schriftsätze form- und fristgericht an´s Gericht faxen wollte. Statt in eine schäbbelige internet-Bude zu fahren, wählte ich am Weihnachten vor Heiligabend den Wasserturm. Wenn ich schon mit Gerichten zu tun habe, dann wenigstens in einem würdigen, eleganten Rahmen. So dachte ich. Doch das Gegenteil war der Fall. Im business center wurde ich auf das Widerwärtigste beschallt. Wasserplanschen wurde vermixt mit Porno-Geräuschen. Es war ein Albtraum. Horror pur. Widerlich. Ekelhaft. An Arbeit war nicht zu denken. Zum Glück hatte ich die wichtigen juristischen Schriftstücke bereits vorher verfasst. Ich mußte sie „nur“ ausdrucken und zur Absicherung mailen. Doch das bereits reichte. Versuchen sie sich in einem Computer-Arbeits-Raum aufzuhalten, der mit widerlichen Geräuschen beschallt wird, bzw. tun sie es nicht. Vielleicht war es ein Aufstand des lokalen Sicherheitspersonals? Ein flash mob? Protest gegen die Geschäftsleitung? Nein, wir wollen nicht gezwungen werden, unsere Hotelgäste abzuhören, und das Ganze als angebliche „Sicherheit“ zu verbrämen. Dann hätte die Rezeption bzw. die Geschäftsführung dies aber auch sagen können. Denn diese habe ich direkt und unmittelbar zur Rede gestellt. Voller Empörung und Abscheu. Solch ein elegantes Hotel, und dann so etwas. Man sagte mir, da könne man leider nichts machen, und sie hörten´s gern.

Was also sollte es?

Will man auf diese Weise Menschen vergraulen, die nicht Gäste des Hotels sind, traut es sich aber nicht, gleich zu Beginn an der Rezeption zu sagen?

Dies wurde verneint.

Was also steckt sonst hinter der Mobbing-Beschallung?

Ein versteckter Hinweis, mit welchen Methoden in Zeiten von Hartz IV Geschäftsführer oder Beschäftigte unter einander sich aus dem Geschäft drängen? Ohne formale Gewalt anzuwenden, ohne Stein in der Hand, geschweige denn mit einer AK 47 bewaffnet, und dennoch tödlicher als jede 9 mm para es je könnte.

Dann wäre dies ein quod errat demonstrandum. Ekel-Beschallung ist zerstörerisch. Es zerstört Menschen. Systematisch. Es handelte sich um einen Angriff.

Und dies ausgerechnet in einem Hotel, das als Hort der Ruhe gilt. Ein Refugium sein sollte.

Oder waren Saboteure am Werk? Beschäftigte, die das Hotel systematisch in den Ruin treiben wollen? Das wäre ihnen gelungen. Denn: selbst wenn ich wieder zu Geld käme oder mein Arbeitgeber, ein Fernsehsender, für mich buchen sollte: ich würde es ablehnen, mich dort aufzuhalten. Wasserturm in Hamburg? Nimmer mehr!