Zwei Anti-Piraterie-Experten sind an Bord eines Frachters der Reederei Maersk tot aufgefunden worden. Entsprechende Meldungen der New York Times bestätigten sowohl die Reederei als auch das Sicherheitsunternehmen.

Hintergründe des Todes sind noch ungeklärt.

Archivrecherchen stellen allerdings einen möglichen Kontext her.

Am 1. Februar, also drei Wochen vor dem Tod der Security-Leute, meldete „Somali News“, fünf Männer würden zurück auf die Seychellen geschickt. Sie sollten durch die „EU Naval Force (EU NAVFOR) Somalia Operation Atalanta” überstellt werden, um sie der Piraterie anzuklagen. Mit Hilfe von Japanischen Mitteln sollen die Marine-Kräfte gegen die fünf Verdächtigen vorgegangen sein. Diese hätten eine Indische Dhow als Mutterschiff, als Basis benutzt, um im Golf von Aden einen Öltanker zu überfallen. Die Indische Crew der Dhow habe sich nicht freiwillig an Bord befunden. Ob dieses stimmt oder eine Schutzbehauptung ist, müssten Ermittlungen und Recherchen ergeben. Andere Versionen sind denkbar. Dann würden globale Kriege geführt. Stellvertreterkriege durch neue Kräfte. Indische Gangster, indische Spezialkräfte, Privatarmeen indischer Konzerne oder Familien, Teilstreitkräfte oder Terroristen.

Zur Erinnerung: 1985 kam es zum spektakulären Anschlag auf eine Passagiermaschine durch indische Terroristen. Ausgebildet wurden sie zuvor in einem Camp in den USA.

Damals nannte man sie Söldner oder Militias. In heutigen Zeiten können in den Seychellen, vor Somalia, dem Horn von Afrika, Benin, Nigeria und anderen Orten ehemalige Kollegen aufeinander treffen. Angehörige privater Sicherheitsfirmen oder (ehemalige) Militärs, die sich für den „Anti-Piraten-Kampf“ ausbilden zu lassen. Nur, um sich Wochen später auf gegnerischen Seiten wieder zu finden, oder um festzustellen, daß sie mitnichten einen (Anti-) Pirateriekampf führen, sondern den Interessen von Familien und Unternehmen dienen.

Im Zuge der Ermittlungen der Hintergründe der Anschläge am 11. September 2001 gerieten Ausbildungscamps der Sakina-Gruppe in London, Großbritannien und den USA in´s Blickfeld. Kanadische Ermittler zogen einen Bogen von der Vorgeschichte um den Anschlag auf die „Air India“-Maschine und dem 11. September. Dabei handelt es sich nicht um eine Pauschalverurteilung von Nationen. Das wäre zu einfach. Die Gräben und Interessen gehen über Ländergrenzen hinweg. Das macht es schwierig.

Dasselbe gilt für den Artikel des hervorragend informierten „Defence Web“. Demnach wurden im vergangenen Jahr in den Seychellen 11 Angeklagte als Piraten verurteilt. Ob zu Recht, oder ob es die Falschen traf, ergibt sich nicht aus dem Beitrag. Dieser kann im typischen Humor-Stil britischer Security-Experten geschrieben sein. Deren Süffisanz e

rschließt sich nur Eingeweihten. Beim Zitieren geht dann manches verloren und wird in´s Gegenteil verkehrt, was die Fachleute eigentlich ausdrücken wollten, aber der Diplomatie, den Branchen-Gepflogenheiten oder dem Geschäft opferten. Im Original heißt es:

“The 17 freed hostages, all Iranian fishermen, were very grateful to the Dutch sailors for rescuing them from the armed pirates.”

 Ich kann die Konnotation hören:

Klar doch, an Bord des Schiffs befanden sich natürlich nur ehrliche „Iranische Fischer“. Welch Zufall, daß es sie ausgerechnet in diese Gegend verschlug. Und natürlich wählten sie lieber die Version „befreit zu werden als Geisel“, und opferten Somalis, als eine Internationale Krise herauf zu beschwören. Und die Europäischen Kräfte, die nach offiziellen Statuten 170 % sicher sein müssen, welche Kontrabande sich an Bord befindet, um entern zu dürfen, beschränkten sich ebenfalls auf die „Geisel-Lage“.

Iraner an Bord. Und die festnehmen. Keine gute Idee. Lockerbie, Vincennes, Abschuß diverser Passagiermaschinen. Das Gebrüll von Vorgesetzten und 130 Staatschefs. Lieber nicht.

Dann lieber die Version „Piraterie“ – im Einvernehmen mit den Geenterten. Auf der Strecke blieben einige Somalis. Na ja. Anti-Piraterie – Augen auf bei der Berufwahl.

Alarmieren dürfte Experten

Auch die Meldung der online-Publikation „Star“, wenige Tage vor dem Tod der Amerikaner, sei ein Schiff  überfallen worden, daß sich auf dem Weg von Mogadischu zu den Komoren befand.

Der Frachter habe jahrelang die Gewässer durchquert von Tanzania, Kenya, Madagascar, den Inseln der Komoren und Mozambique. Es habe immer wieder deutliche Warnungen und Drohungen gegen das Schiff gegeben. Zum Zeitpunkt des Überfalls hätten sich 14 Kenyaner befunden. Der Kapitän sei aus Montenegro, der Chief Ing aus Burma.

 Erneut: Staatsangehörigkeit allein sagt nichts.

Ich bin an Bord eines feeder service gereist mit einer Philippinischen Mannschaft in Indischen Gewässern. Ich wünschte mir, so höflich und zuvorkommend behandelt zu werden wie damals an Bord des Frachters.

Die crew würde jedem Staatsempfang gerecht,

während ich hier, in Hamburg, aus mir unerklärlichen Gründen und völlig inakzeptabel täglich angepöbelt und beleidigt werde – von einem, der angeblich Berufskollege ist.

Lichtjahre entfernt von der Schiffsbesatzung, die ich gern wieder träfe.

Diese Erläuterung ist wichtig.

Damit nicht missverstanden wird, wenn ich aufmerksam mache auf Hintergründe, mögliche Erklärung dessen, was geschieht, wenn Tote und Überfälle gemeldet werden, die in Deutschland in die Piraterie-Statistik gepackt werden.

Die New York Times meldete vor einigen Tagen, mutige Journalisten seien in Burma in Haft, weil sie über Chemiewaffen in Burma berichteten.

Mutige Journalisten und Täter, die Chemiewaffen herstellen, sind beide burmesischer Nationalität. Der Paß allein sagt nichts. Es kommt auf die Haltung und die Handlung an.

Hellhörig sollte es allerdings machen, wenn ein Schiff auf dem Weg von Mogadischu zu den Komoren überfallen wird, es zuvor deutliche Warnungen gab, und sich eine Montenegrinisch-Burmesische an Bord befindet – in Gewässern, in denen es bei so manchem Piratenüberfall um Giftmüllverklappung geht.

Es geht nicht um eine Pauschalverurteilung bestimmter Länder. Es geht um´s Aufmerken und Nachfragen. Oder möchten Sie gern Giftmüll in Ihrem Fisch im Taucher-Touristen-Paradies oder zuhause?

Angesichts des Überfalls, würde ich nachfragen: kann es sein, daß Chemiewaffen aus der Fabrik in Burma, über die Burmesische Journalisten berichteten und sie deshalb verhaftet wurden, per Schiff nach Somalia, Mogadischu und den Komoren gebracht wird?

Wurde deshalb das Schiff überfallen?

Um die tödliche Fracht abzufangen?

Waren die Piraten in Wahrheit die Guten? James Bond auf somalisch?

Oder wollten skrupellose Clanchefs Chemiewaffen in ihre Hände bekommen?

Was wird aus den Rohmaterialien gemacht, die in Deutschland offiziell als Abfall gelten, für die gilt, hohe Abfallgebühren zu zahlen, so daß Deutsche (Unternehmen) froh sind, diese los zu werden. Als Rohstoff für Chemiewaffen sind sie hoch willkommen.

Und all dies in einer Region, die als Synonym für „Söldner country“ steht.

Die New York Times verzeichnet in Kurzform

die bewegte Geschichte der Komoren –

eine Abfolge von ein Putsch jagt den anderen.

1999 kam ein Colonol an die Macht. Durch Putsch, natürlich. Was sonst.

Im November 2001 erfolgte der nächste.

Der neue Staatschef soll dann, nach Informationen der New York Times, 2008 geflohen sein, verkleidet als Frau

(wie einst der Israelische Ministerpräsident Ehud Barak).

Dessen Ugandische counterparts (Entebbe)

Übernahmen die Insel Mayotte

in einer Invasion.

Das war im vergangenen Jahr.

Und exakt dort

Flog nun eine Staffel

Der Luxemburgischen Luftwaffe

Den 1000 sten Einsatz

Im Rahmen der Europäischen Mission Atalanta,

die gelabelt ist als „Anti-Piraterie-Einsatz“.

Nun denn.

Wie viel Piraterie ist wirklich drin in Gewässern, in denen internationale Kräfte Putsche organisieren, andere diese versuchen zu verhindern, und ein Staatsstreich dem nächsten folgt?

Die Luxemburgische Luftwaffe fliegt seit Oktober 2009 in dem Gebiet.

Zur Erinnerung:

Ende August 2009 stürzte bei den Komoren eine Maschine ab von Yemenia Airways.

Dort führt zur Zeit die Europäische Union Anti-Piraten-Maßnahmen durch – im Schulterschluß mit Fregatten der Ukraine.

Angesichts der Bilder in der Tagesschau

Macht es uns glücklich, daß die Europäische Union in anderen Ländern auftaucht mit Ukrainischen Fregatten?

Für das, was wir „Anti-Piraterie-Kampf“ nennen.

Wie heißt das, was zur Zeit in der Ukraine geschieht?

Unabhängig von der jeweiligen Staatszugehörigkeit:

Tragen Deutschland und die Europäische Union Piraterie und Gewalt

Erst in die Länder? In denen es zuvor einigermaßen friedlich war?

Vor dem, was als „Anti-Piraterie-Kampf“ bezeichnet wird?

Wie sieht es jetzt aus in Muscat, nachdem die EU im Schulterschluß mit Bewaffneten aus der Ukraine dort aufgekreuzt ist?

„Zwei Ukrainer auf der Durchreise? Garantiert gewaltfrei?“

 [-:) courtesy © das copyright für diese Kalauer gebührt einem Berliner Rechtsanwalt]

von:

Susanne.Haerpfer@bits.de